Panorama

Aufnahme von Flüchtlingen

Papst ermahnt Polen - Polen ermahnt Deutschland

Papst Franziskus ist zum Weltjugendtag nach Polen gereist. Er sieht die Welt "im Krieg" und appelliert an die Regierung in Warschau, mehr Flüchtlinge aufzunehmen - doch die bekräftigt ihren strikten Kurs.

AFP/OSSERVATORE ROMANO

Franziskus in Polen

Donnerstag, 28.07.2016   02:27 Uhr

Zum Auftakt seines Polenbesuches hat Papst Franziskus die national-konservative Regierung des EU-Landes zur Aufnahme von Flüchtlingen aufgefordert. Es sei "die Bereitschaft zur Aufnahme derer notwendig, die vor Kriegen und Hunger fliehen", sagte er bei einem Treffen mit der polnischen Staatsspitze um Präsident Andrzej Duda und Regierungschefin Beata Szydlo in Krakau.

Diejenigen, die ihrer Grundrechte beraubt seien oder des Rechts, in Freiheit und Sicherheit den eigenen Glauben zu bekennen, benötigten Solidarität, sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche. Das Phänomen der Migration verlange "eine zusätzliche Portion an Weisheit und Barmherzigkeit, um die Ängste zu überwinden und das Optimum zu verwirklichen".

Das erzkatholische Polen weigert sich im Unterschied zu vielen anderen EU-Staaten, in nennenswertem Umfang muslimische Flüchtlinge aus Krisengebieten wie Syrien, dem Irak oder Afghanistan aufzunehmen. Dies hatte Regierungschefin Szydlo vor dem Hintergrund der jüngsten Anschläge in Deutschland und Frankreich nochmals betont.

Auch der Chef der polnischen Regierungspartei PiS, Jaroslaw Kaczynski, erteilte der Aufnahme von Flüchtlingen aus Syrien erneut eine strikte Absage. "Ich kann mir keine Situation vorstellen, in der es dazu käme", sagte er der "Bild"-Zeitung. Er würde von Bundeskanzlerin Angela Merkel gerne erfahren, "was sie sich dabei gedacht hat, als sie die Grenzen öffnete. Denn da lässt mich meine Vorstellungskraft im Stich."

Dass Brüssel wegen der umstrittenen Justizreform Polens mit Sanktionen droht, tat Kaczynski als "ein fröhliches Schaffen zum Vergnügen der EU-Kommission" ab.

"Die Welt ist im Krieg"

Papst Franziskus nimmt in Krakau am Weltjugendtag teil, zu dem sich mehr als eine halbe Million junge Pilger versammelt haben. Am Mittwochabend wandte er sich an rund 16.000 von ihnen, die sich unter dem Fenster des Bischofspalasts in Krakau versammelt hatten und sagte: "Fürchtet euch nicht!"

Auf seinem Flug von Rom nach Krakau hatte Franziskus deutlich gemacht, dass er die Welt derzeit in einem Kriegszustand sieht. "Wir dürfen keine Angst haben, die Wahrheit zu sagen: Die Welt ist im Krieg, weil sie den Frieden verloren hat", sagte er. Er spreche nicht von einem Krieg der Religionen, alle Religionen wünschten sich Frieden. "Es ist ein Krieg um Interessen, ein Krieg um Geld, ein Krieg um Ressourcen der Natur."

Der Papst will in den fünf Tagen seiner ersten Polenreise das ehemalige deutsche NS-Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau besuchen und dort Holocaust-Überlebende treffen. Sein Programm umfasst auch einen Abstecher in den Wallfahrtsort Tschenstochau, wo sich die Schwarze Madonna befindet, das Nationalheiligtum Polens.

aar/dpa

insgesamt 40 Beiträge
gekreuzigt 28.07.2016
1. Kaczynskis Vorstellungskraft
hat wohl eher türkisch-präsidentiale Dimensionen. Im Übrigen würde ich einen Pexit begrüßen.
hat wohl eher türkisch-präsidentiale Dimensionen. Im Übrigen würde ich einen Pexit begrüßen.
cum infamia 28.07.2016
2. wieviel Milliarden ?
Leider finde ich keine Angabe, wieviel Euro der milliardenschwere Vatikan für die Flüchtlingkrise bereitstellt. Gutmenschentum und Aufnahme von 1 (einer ) Familie (natürlich KEINE Moslems) im Vatikan ist da etwas billig...
Leider finde ich keine Angabe, wieviel Euro der milliardenschwere Vatikan für die Flüchtlingkrise bereitstellt. Gutmenschentum und Aufnahme von 1 (einer ) Familie (natürlich KEINE Moslems) im Vatikan ist da etwas billig...
mborevi 28.07.2016
3. Man muss genau hinhören, ...
... was er sagt: Er redet nicht von Krieg, sondern von "Krieg um Macht und Reichtum" zu Lasten der Menschen. und betont, es sei kein Religionskrieg. Und da hat er recht. Auch wenn Politiker das stets zu vernebeln suchen: [...]
... was er sagt: Er redet nicht von Krieg, sondern von "Krieg um Macht und Reichtum" zu Lasten der Menschen. und betont, es sei kein Religionskrieg. Und da hat er recht. Auch wenn Politiker das stets zu vernebeln suchen: Franziskus hat einen klaren Blick auf die Realität. Und er traut sich, sie zu benennen. Die Situation der Welt, wie sie ist, hat eine klare Ursache: Das Streben mancher Länder (jeder weiß, welche das sind) nach immer mehr Herrschaft. Notfalls mit Krieg. Wie gehabt.
upalatus 28.07.2016
4.
Und nun, Herr Papst? Bleibts bei weichen Aufrufen und Kindertadelei? Mal wieder? Wie wärs mal mit Kreuzwerfen nach den schauspielernden natural born Christen, in diesem Falle den polnischen?
Und nun, Herr Papst? Bleibts bei weichen Aufrufen und Kindertadelei? Mal wieder? Wie wärs mal mit Kreuzwerfen nach den schauspielernden natural born Christen, in diesem Falle den polnischen?
Fantomas74 28.07.2016
5. Der Papst irrt sicht
Da haben wir von unserem moralischen hohen Ross die Polen verurteilt. Jetzt sieht es so aus, als hätten die Polen auf der ganzen Linie Recht gehabt. Wir haben uns völlig blauäugig ein Riesenproblem geschaffen und müssen das [...]
Da haben wir von unserem moralischen hohen Ross die Polen verurteilt. Jetzt sieht es so aus, als hätten die Polen auf der ganzen Linie Recht gehabt. Wir haben uns völlig blauäugig ein Riesenproblem geschaffen und müssen das jetzt ausbaden. Leider gibt es immernoch genügend Menschen in Deutschland, die das nicht erkennen wollen.
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