Panorama

Fotoprojekt

Aus dem Leben amerikanischer Cowboys

Sie lieben ihre Pferde, ihre Gemeinschaft: Der Fotograf Rory Doyle hat Cowboys und Cowgirls im Mississippi-Delta porträtiert - und bricht mit John-Wayne-Klischees.

Rory Doyle
Von
Freitag, 05.07.2019   08:43 Uhr

Bree Wrenn liebt es zu reiten, genauso wie ihre Mutter. Jessie Brown ist bei jedem Wetter mit seinem Pferd unterwegs, Peggy Smith gehört zu den talentiertesten Reiterinnen ihrer Nachbarschaft: Der Fotograf Rory Doyle hat diese drei und viele weitere begeisterte Cowgirls und Cowboys rund um das Mississippi-Delta fotografiert.

Ende 2016 traf Doyle zum ersten Mal die Pferdefans bei einer Weihnachtsparade und war fasziniert von ihnen. Kurz darauf fing er an, die ersten Mitglieder des Reitklubs Delta Hill Riders auf einem Rodeo abzulichten - Hunderte weitere folgten.

Das Mississippi-Delta ist eine der ärmsten Regionen der USA, das Wirtschaftswachstum und die Beschäftigungsmöglichkeiten sind gering. Doyle lebt seit rund zehn Jahren dort und wollte eine andere Facette dieses ländlichen Amerikas zeigen, eine Gegenposition zur negativen Berichterstattung: "Meist geht es nur um Armut, schlechte Bildung, Rassismus, Bluesmusik oder Landwirtschaft."

Der Fotograf wollte den Schwerpunkt auf eine Gruppe von Menschen legen, die oft übersehen wird: die schwarzen Cowboys und Cowgirls. Denn selbst in Amerika werde oft vergessen, wie vielseitig die Cowboyszene sei: "Sie wird auf das Bild des weißen John Wayne auf dem Pferd reduziert", sagt er. "Schätzungen zufolge war nach der Zeit des Bürgerkriegs aber jeder vierte Cowboy Afroamerikaner."

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Cowboys und Cowgirls: Tanzen, reiten, Spaß haben

Und auch heute, bei den Delta Hild Riders, gibt es sie zahlreich. Auch wenn der Klub alle akzeptiert, wurden bislang nur Afroamerikaner Mitglied. "Sie leben in einer Gegend, in der mehrheitlich Schwarze leben. Sie verbieten niemandem einzutreten - aber es passiert einfach nicht", sagt Doyle.

Der Fotograf gewann schnell Vertrauen: "Alle waren begeistert, dass sich ein Fotograf für ihr Leben interessiert." Sie luden ihn nach Hause ein, zu Geburtstagen, zu Kirchenveranstaltungen und Beerdigungen - und natürlich zum Reiten.

Zu den Hauptaktivitäten der Cowboys und Cowgirls zählen: Trail Rides, bei denen sie gemeinsam reiten, entspannen, essen und trinken; außerdem Pferdeshows, Rodeos sowie "Cowboy Nights" in lokalen Klubs, bei denen die DJs passende Lieder über Cowboys spielen.

Das Reiten ist für die Männer und Frauen eine Freizeitbeschäftigung, jeder hat einen anderen Job. Es geht in erster Linie um ihre Leidenschaft für Pferde, das Miteinander in der Gemeinschaft und die Faszination an der Cowboykultur.

Doyle will die Männer und Frauen auch weiterhin begleiten: "Ich bin sehr gespannt, wie sich die Gemeinschaft entwickelt, wie sich die jüngere Generation damit identifiziert." Kürzlich wurden er und seine Frau gefragt, ob sie dem Cowboyklub Delta Hill Riders beitreten wollen: "Das ist eine große Ehre für mich - und ich hätte mir das nie erträumen lassen."

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