Panorama

Tierporträts

Es ist Liebe

Wer Haustiere hat, kann's verstehen, wer keine Tiere mag, wird es vielleicht nie verstehen: Was verbindet Menschen mit ihren flauschigen Gefährten? Die Fotografin Isabella Rozendaal hält besondere Beziehungen in ihren Bildern fest.

Isabella Rozendaal
Von
Donnerstag, 14.03.2019   06:48 Uhr

Viele Menschen haben ein Haustier, doch wenn es sich nicht gerade um einen Hund oder eine Katze handelt, bleiben diese im Stadtbild oft unsichtbar. Aber noch so viel mehr kreucht, kräht und krabbelt bei den Menschen zu Hause.

Die Fotografin Isabella Rozendaal hat beschlossen, diesen Teil der Bevölkerung zu zeigen und porträtiert seit 2016 die tierischen Bewohner der niederländischen Hauptstadt. Damals bekam sie den Auftrag vom Amsterdamer Stadtarchiv, das jedes Jahr drei Künstler unterstützt, die sich dokumentarisch mit der Stadt beschäftigen.

Ein Jahr später erschien ihr Bildband "Animalia Amsterdam", der 22 Tiere und ihre Besitzer zeigt. Doch das bedeutete keineswegs das Ende des Projekts: Mittlerweile veröffentlicht Rozendaal wöchentlich für die Zeitung "Het Parool" je ein tierisches Porträt.

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Dackel, Schnecken, Hausschweine: Inzwischen hat Rozendaal mehr als 150 von ihnen fotografiert - eine genaue Zahl kann sie nicht nennen, weil sie irgendwann aufgehört habe zu zählen. "Aber ich erinnere mich an jeden Einzelnen von ihnen", sagt sie.

Denn sie erlebte mit ihnen Unvergessliches: Sie war bei der Geburt von Chihuahua-Welpen dabei, eine riesige afrikanische Schnecke kroch ihr übers Gesicht und 16 Dackel legten sich auf einem Sofa auf sie. Von einem Pferd sah sie nur noch die Asche, die Besitzerin bewahrt sie in einer Box in ihrer Wohnung auf.

Mittlerweile scheint jeder in Amsterdam von dem Projekt zu wissen, und die Leute geben Rozendaal Tipps. Selbst sucht sie auf Websites, über Tierärzte und Facebook nach geeigneten Kandidaten.

Oft sind die Besitzer mit im Bild, sodass man etwas über deren Beziehung zu ihrem Papagei, ihrer Schnecke oder ihrem Windhund erfährt. Häufig zeigen die Bilder die Umgebung, mal das Hausboot eines Mannes, ein Motorrad oder einen reich dekorierten Weihnachtsbaum im Hintergrund.

Fotostrecke

Tierische Bewohner Amsterdams: The Deer Next Door

Normalerweise dauert es eine halbe bis ganze Stunde, bis Rozendaal mit einem Bild zufrieden ist. Währenddessen spricht sie auch mit den Besitzern. "Das ist sehr wichtig, denn es ermöglicht mir, in der Nähe des Tieres zu sein, ohne es die ganze Zeit anzuschauen", sagt sie. So würden sich sowohl die Menschen als auch deren Haustiere entspannen. Wenn Tiere Angst haben, dann fotografiert Rozendaal nicht.

Ansonsten sei es überhaupt nicht schwer, Fotos von ihnen zu machen - es sei sogar viel einfacher als bei Menschen. "Ich wünschte, ich könnte mit den Besitzern auch auf dem Boden herumtollen", sagt sie. "Das wäre wohl sehr unpassend, würde aber für viel bessere Bilder sorgen."

Auf einem Foto zupft eine Hausente das Augenlid ihres Herrchens. Ein anderes zeigt einen Afghanischen Windhund, der sich auf einem Boot den Wind ins Gesicht blasen lässt. Die Bilder wirken sehr humorvoll - was Rozendaal aber nicht unbedingt beabsichtigt. "Tiere sind von Natur aus komisch - das ist es auch, was ich an ihnen liebe. Sie sind einfach sie selbst", sagt sie.

Selbst hat die Fotografin weder Hund, Katze noch Ratte, die Verantwortung sei ihr zu groß. "Auch wenn ich es mir im Moment vorstellen könnte, weiß ich nicht, wie mein Alltag in ein paar Jahren aussehen wird." Man muss sich ein Leben lang um den neuen Mitbewohner kümmern. Dessen sollten sich alle, die sich ein Tier zulegen möchten, bewusst sein.

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