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Zwickau

Gedenkbaum für NSU-Mordopfer Simsek abgesägt

Die Tat zeuge von "Verachtung gegenüber Terroropfern und deren Angehörigen": Unbekannte haben in Zwickau eine deutsche Eiche abgesägt - sie war in Gedenken an das erste Opfer der Terrorzelle NSU gepflanzt worden.

Stadt Zwickau

Dieses Foto der abgesägten Eiche veröffentlichte die Stadt Zwickau: Mit dem Baum und der Gedenktafel davor sollte an Enver Simsek erinnert werden

Freitag, 04.10.2019   10:37 Uhr

Der Blumenhändler Enver Simsek starb im September 2000, er wurde in seinem Wagen erschossen. Die Rechtsterroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt hatten neunmal auf ihn geschossen - zwei Tage später erlag Simsek seinen Verletzungen. Er war das erste von insgesamt zehn Opfern der Terrorzelle NSU.

In Gedenken an Simsek wurde am 8. September im Schwanenteichpark in Zwickau eine deutsche Eiche gepflanzt. Neun weitere Bäume sollten folgen. Doch nun sägten Unbekannte die Eiche ab.

Diese "ruchlose Tat" sei mehr als bloße Sachbeschädigung, sagte Zwickaus Oberbürgermeisterin Pia Findeiß (SPD). "Das Absägen des Baumes zeugt von Intoleranz, mangelndem Demokratieverständnis und von Verachtung gegenüber Terroropfern und deren Angehörigen." Es zeige auch, dass manche leider nicht begriffen hätten, "welch menschenverachtende Taten die Terroristen des NSU begangen haben".

Die Stadtverwaltung hat laut einer Erklärung noch keine Informationen darüber, wann genau die Tat begangen wurde und von wem. Die Stadt werde Anzeige erstatten. Ob die Eiche ersetzt wird und weitere Bäume gepflanzt werden, sei ebenfalls noch unklar. In den kommenden Tagen solle darüber in der Stadtverwaltung beraten werden.

Die Terrorzelle "Nationalsozialistischer Untergrund" von Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt hatte fast 14 Jahre lang im Untergrund gelebt - zuletzt in Zwickau. In dieser Zeit ermordeten die beiden Männer neun Gewerbetreibende türkischer und griechischer Herkunft sowie eine Polizistin. Zudem begingen sie zwei Sprengstoffanschläge mit vielen Verletzten und mehr als ein Dutzend Raubüberfälle. Der NSU flog 2011 auf, am Ende nahmen sich Mundlos und Böhnhardt das Leben.

aar/dpa

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