Panorama

Anschlag in Halle

Ermittler durchsuchen Wohnung in Mönchengladbach

Polizisten haben Medienberichten zufolge die Wohnung zweier Männer in Mönchengladbach durchsucht. Sie werden offenbar verdächtigt, das sogenannte Manifest des Halle-Attentäters veröffentlicht zu haben.

Jan Woitas/DPA

Polizisten bei Landsberg in Sachsen-Anhalt (9. Oktober): Einsatz nach Anschlag in Halle

Mittwoch, 16.10.2019   15:35 Uhr

Zwei Männer aus Mönchengladbach in Nordrhein-Westfalen stehen im Verdacht, das sogenannte Manifest des Attentäters von Halle (Saale) im Internet verbreitet zu haben. Die Wohnung der Beschuldigten sei durchsucht worden, sagte Jan Steils, Sprecher der Staatsanwaltschaft Mönchengladbach.

Gegen die 26 und 28 Jahre alten Männer werde wegen Volksverhetzung ermittelt. WDR, NDR und "Süddeutsche Zeitung" hatten zuvor von einer verdächtigten Person aus Mönchengladbach berichtet.

Die mit der Aufklärung des Anschlags in Halle betrauten Ermittler des Bundeskriminalamtes (BKA) konnten den Verdächtigen aus Mönchengladbach demnach durch einen Hinweis aus dem Ausland identifizieren. US-Behörden sollen zuvor die IP-Adressen des genutzten Computers übermittelt haben. Der Mönchengladbacher steht laut den Berichten im Verdacht, das rund 15-seitige PDF-Dokument, das der rechtsextreme Attentäter erstellt haben soll, sehr zeitnah zur Tat im Internet veröffentlicht zu haben.

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Der Mann soll der Polizei bereits am Wochenende bereitwillig seinen Computer ausgehändigt haben, heißt es in den Berichten. Er soll zudem erklärt haben, den Attentäter nicht zu kennen. Politisch sei er selbst eher "links". Weder Polizei noch Verfassungsschutz sei der Mann aus Mönchengladbach als Extremist bekannt.

Der Attentäter Stephan Balliet sitzt in Untersuchungshaft. Am Mittwoch vor einer Woche hatte der 27-Jährige schwer bewaffnet versucht, in die Synagoge in Halle einzudringen, in der rund 50 Gläubige den jüdischen Feiertag Jom Kippur begingen. Als der Plan misslang, erschoss der Täter auf der Straße eine 40 Jahre alte Frau und kurz darauf einen 20-jährigen Mann in einem Dönerimbiss. Es gab mehrere Verletzte. Balliet hat die Tat gestanden und dabei antisemitische und rechtsextreme Motive eingeräumt.

Anmerkung der Redaktion: Die Ermittler haben mittlerweile bekanntgegeben, dass gegen zwei Männer ermittelt wird. Wir haben den Text entsprechend aktualisiert.

wit/bbr/AFP/dpa

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