Panorama

Historiker im Detmolder Prozess

Angeklagter arbeitete wohl an der Auschwitz-Rampe

Vor dem Landgericht Detmold muss sich Auschwitz-Wachmann Reinhold Hanning wegen Beihilfe zum Mord an 170.000 Menschen verantworten. Ein Historiker sagte nun zu den Aufgaben der früheren Kompanie des Angeklagten aus.

DPA

Torhaus des früheren Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau

Freitag, 22.04.2016   15:50 Uhr

Der 94-jährige Reinhold Hanning ist wegen Beihilfe zum Mord an 170.000 Menschen angeklagt. Von Januar 1943 bis Mitte Juni 1944 soll Hanning in dem Vernichtungslager Auschwitz als Wachmann der SS stationiert gewesen sein. Dort wurden bis 1945 zwischen 1,1 und 1,5 Millionen Menschen systematisch ermordet.

Im März hatte Jakob Wendel, ein weiterer SS-Wachmann, in dem Prozess über seine Zeit in Auschwitz gesprochen . Der Angeklagte Hanning hat vor dem Landgericht Detmold zu den Vorwürfen bisher geschwiegen.

Nun hat ein Historiker berichtet, welche Aufgaben die frühere Kompanie des Angeklagten in dem Vernichtungslager hatte. Die Kompanie habe auch Dienst an der sogenannten Rampe verrichtet, erklärte Stefan Hördler, ein Experte für NS-Geschichte. An der Rampe trafen die Deportierten in Güterzügen ein und wurden selektiert. Die eine Gruppe wurde sofort in Gaskammern umgebracht, die andere zur Zwangsarbeit eingeteilt.

Er halte es für sehr wahrscheinlich, dass Hanning als Mitglied der Einheit ebenfalls an der Rampe eingeteilt gewesen sei, erklärte der Historiker in seinem Gutachten.

cne/dpa

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