Panorama

Ermittlungen gegen SS-Leute

Auschwitz-Verfahren reihenweise eingestellt

30 ehemalige SS-Angehörige wollte die Staatsanwaltschaft für Verbrechen in Auschwitz vor Gericht bringen - doch in den meisten Fällen ist sie damit gescheitert. Nach SPIEGEL-Informationen kommt es wohl in höchstens zwei Fällen zu Prozessen.

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Torgebäude am ehemaligen KZ Auschwitz-Birkenau (Archiv): letzter Versuch der Justiz

Sonntag, 24.08.2014   15:32 Uhr

Hamburg - Der wohl letzte Versuch der deutschen Justiz, Verbrechen von Auschwitz zu ahnden, ist offenkundig gescheitert. Es geht um 30 ehemalige SS-Angehörige, die im Verdacht stehen, in dem Vernichtungslager Beihilfe zum Holocaust geleistet zu haben.

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Mehr dazu im SPIEGEL

Heft 35/2014
Die Akte Auschwitz
Schuld ohne Sühne: Warum die letzten SS-Männer davonkommen

Nach Informationen des SPIEGEL sind die meisten Verdächtigen verhandlungsunfähig oder starben in den vergangenen Monaten. Ein ehemaliger SS-Mann zählte wohl nie zur Lagermannschaft, ein anderer war schon nach dem Krieg in Polen bestraft worden. Ernsthaft ermitteln Staatsanwaltschaften nur noch in acht Fällen. Experten erwarten Prozesse allenfalls gegen zwei Verdächtige. (Diese Meldung stammt aus dem aktuellen SPIEGEL. Die ganze Geschichte finden Sie hier.)

Im Februar dieses Jahres hatten Ermittler in Baden-Württemberg, Bayern, Hessen und Nordrhein-Westfalen die Wohnungen ehemaliger SS-Leute durchsucht und drei von ihnen verhaftet. Das Vorgehen erregte weltweit Aufsehen. Die Männer sind inzwischen wieder frei. Bislang haben bundesdeutsche Gerichte nur 29 Angehörige der SS-Mannschaft von Auschwitz verurteilt. Insgesamt überlebten rund 6500 Mitglieder der Truppe den Krieg. Die Gründe für das Scheitern der Justiz sind umstritten.

Nach Recherchen des SPIEGEL führte allein die Frankfurter Staatsanwaltschaft 1060 Ermittlungsverfahren – und stellte fast alle ein. Eine der zynischen Begründungen: Die ankommenden Opfer hätten nicht gewusst, was ihnen bevorstehe, und folglich nicht fliehen wollen. Der beschuldigte SS-Wachmann habe sie daher an einer Flucht gar nicht hindern können – und sei deshalb nicht wegen Beihilfe zu belangen.

insgesamt 119 Beiträge
coal 24.08.2014
1. alles sehr interessant,
aber wahrlich nicht neu.
aber wahrlich nicht neu.
imZweifel-richtig 24.08.2014
2. Entgegen dem Motto
"spät, aber nicht zu spät", mit dem öffentlichkeitswirksam geworben wurde, ist zu spät eben doch zu spät. Das war vorhersehbar. Aber es ging ja auch nicht wirklich um Strafverfolgung, sondern um symbolisches [...]
"spät, aber nicht zu spät", mit dem öffentlichkeitswirksam geworben wurde, ist zu spät eben doch zu spät. Das war vorhersehbar. Aber es ging ja auch nicht wirklich um Strafverfolgung, sondern um symbolisches Handeln. Wie will eine Staatsanwaltschaft, die sich ausserstande sieht, die Durchstecher in den eigenen Reihen bei aktuellen Promiverfahren zu entlarven oder z.B. im Ecclestone-Prozeß Beweise vorzulegen, denn über 70 Jahre alte Taten ermitteln? Das Ganze war nur teures Schaulaufen für die Galerie. Manche Versäumnisse bundesrepublikanischer Rechtsgeschichte lassen sich nicht wieder gut machen.
tomymind 24.08.2014
3.
Deutschland, der Vatikan und andere Länder haben Nazis unterstützt und geschützt. Wohin gegen Antifaschisten, Liberale, Linke und Freiheitskämpfer gejagt und verurteilt wurden. Bis in die 80er war die deutsche Politk und das [...]
Deutschland, der Vatikan und andere Länder haben Nazis unterstützt und geschützt. Wohin gegen Antifaschisten, Liberale, Linke und Freiheitskämpfer gejagt und verurteilt wurden. Bis in die 80er war die deutsche Politk und das Beamtentum von einer mittelbraunen Suppe durchzogen.
luwigal 24.08.2014
4. Die deutsche Justiz, der Stallgeruch, er wird bleiben, immer.
Unser Land hatte die Chance für einen Neubeginn, klar und eindeutig Stellung zu beziehen, . Wenn man jedoch die gleichen Leute nach dem Krieg wieder in alte Ämter übernimmt, was sollte man anderes erwarten? Eine Krähe hackt [...]
Unser Land hatte die Chance für einen Neubeginn, klar und eindeutig Stellung zu beziehen, . Wenn man jedoch die gleichen Leute nach dem Krieg wieder in alte Ämter übernimmt, was sollte man anderes erwarten? Eine Krähe hackt der anderen kein Auges aus. Das Übel saß und sitzt immer noch tief, sehr tief, von der Spitze herab bis in die untersten Ebenen.
DocRyder 24.08.2014
5. Sinnloser bis lächerlicher Aktionismus
70 Jahre nach Kriegsende ist vielleicht doch ein bißchen zu spät, um jetzt auf einmal doch noch Sühne einzufordern. Die quasi nicht stattgefundene Entnazifizierung ist und bleibt der Geburtsfehler schlechthin der deutschen [...]
70 Jahre nach Kriegsende ist vielleicht doch ein bißchen zu spät, um jetzt auf einmal doch noch Sühne einzufordern. Die quasi nicht stattgefundene Entnazifizierung ist und bleibt der Geburtsfehler schlechthin der deutschen Demokratie, und eine absolute Schande für dieses Land. Wenn ich dann noch bedenke, was für eine hysterische Debatte um die Begnadigung von Christian Klar stattgefunden hat, nach 26 Jahren im Knast, verurteilt, ohne daß es konkrete Beweise gegen ihn gegeben hätte, dann geht mir das Messer in der Tasche auf...

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