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Gutachter soll Zschäpe für schuldfähig halten

Der Sachverständige im NSU-Prozess sieht Medienberichten zufolge bei Beate Zschäpe keine Hinweise auf krankhafte Störungen. Zur Gefahr, die von ihr ausgehen könnte, äußert er sich demnach zurückhaltend.

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Beate Zschäpe

Donnerstag, 27.10.2016   18:55 Uhr

Die mutmaßliche Rechtsterroristin Beate Zschäpe soll nach Auffassung eines Experten uneingeschränkt schuldfähig sein. Das geht offenbar aus einem Gutachten des forensischen Psychiaters Henning Saß hervor, aus dem die Nachrichtenagentur dpa und der Berliner "Tagesspiegel" zitieren.

Anzeichen "einer krankhaften seelischen Störung, einer tiefgreifenden Bewusstseinsstörung oder eines Schwachsinnes" hätten sich nicht ergeben, schreibt Saß demnach in seiner Expertise, die er im Auftrag des Oberlandesgerichts München erstellt hat.

Mit Zschäpe selbst sprach Saß für das Gutachten nicht. Er beruft sich dabei den Berichten zufolge auf seine Beobachtungen im Verlauf des NSU-Prozesses und Angaben von Zeugen und Ermittlern über Zschäpe.

Probleme mit Drogen oder Medikamenten gibt es im Fall Zschäpe demnach nicht. Die Frage nach ihrer Gefährlichkeit bewertet Saß den Berichten zufolge zurückhaltend: Er bescheinigt ihr laut dpa einen Hang zu Gesetzlosigkeit auf Basis von "dissozialem Verhalten und der Identifikation mit einem kriminellen Lebensstil".

NSU-Chronik

Zschäpe ist Hauptangeklagte im NSU-Prozess. Die Bundesanwaltschaft wirft ihr Mittäterschaft an zehn Morden des "Nationalsozialistischen Untergrunds" vor, die bis auf einen alle aus rassistischen Motiven verübt worden sein sollen.

Zuletzt war in dem Prozess ein möglicher Zusammenhang zwischen dem NSU und dem Mordfall Peggy Knobloch Thema geworden. Der Vorsitzende Richter Manfred Götzl fragte die Hauptangeklagte am Mittwoch, ob sie über Informationen zu Peggy verfüge, die sie nicht aus den Medien habe. Ihr Anwalt Hermann Borchert kündigte daraufhin eine schriftliche Beantwortung an.

Vor zwei Wochen war bekannt geworden, dass am Fundort der Skelettteile des 2001 verschollenen Mädchens aus Oberfranken Genmaterial des mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt entdeckt worden war. Die Ermittler prüfen derzeit Hinweise, dass diese Spur Folge einer Ermittlerpanne sein könnte.

mxw/dpa

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