Panorama

Verdacht auf Kunstfälschung in Auktionshaus

Falscher Hitler an der Wand?

Ein Berliner Auktionshaus wollte mehrere angeblich von Adolf Hitler gemalte Aquarelle versteigern. Doch Ermittler haben die Werke nun beschlagnahmt - sie sollen gefälscht sein.

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Angebliches Hitler-Aquarell

Freitag, 25.01.2019   09:52 Uhr

Kurz vor der Versteigerung schlugen die Ermittler zu: In einem Auktionshaus im Berliner Stadtteil Pankow haben Kunstfahnder des Landeskriminalamts drei Kunstwerke beschlagnahmt, die Adolf Hitler gemalt haben soll. Die Bilder mit den Nummern 286, 287 und 288 soll der an der Kunstakademie nicht angenommene Hobbymaler und spätere Diktator in den Jahren 1910 und 1911 produziert haben.

Das Berliner Fachkommissariat für Kunstdelikte ermittle wegen versuchten Betruges und Urkundenfälschung, teilten die Beamten mit. Die drei sichergestellten Aquarelle zeigen kitschige Landschaften. Zu sehen sind zwei Alpenpanoramen und eine Abbildung des Rheinlandes.

Startpreise von 4000 Euro

Die im Auftrag eines Privatmanns angebotenen Aquarelle unterscheiden sich kaum von denen, wie sie auf Flohmärkten auf der ganzen Welt zu finden sind - mit Ausnahme der Signatur: "A. Hitler". Dank dieser Zuschreibung zu Hitler, der für den Zweiten Weltkrieg und den Holocaust verantwortlich ist, hätte die Versteigerung also mutmaßlich viel Geld eingebracht.

Als Startpreise für die drei Werke, für die die Versteigerung am 24. Januar hätte beginnen sollen, hatte das Auktionshaus jeweils 4000 Euro aufgerufen. Der "Berliner Kurier" zitiert einen Sprecher des Auktionshauses mit den Worten: "Wir konnten Gutachten und Zertifikate vorweisen, die die Echtheit belegen".

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Angebliche Hitler-Signatur

Der "Welt" zufolge entstanden die Gutachten 2017/18 und weisen die Bilder als vom Diktator in Wien gefertigte Werke aus. Dies sei jedoch fragwürdig, weil sich die Signatur von anderen der zahlreichen tatsächlich von Hitler angefertigten Werke unterscheide. Ob die ihm zugeschriebenen Aquarelle tatsächlich aus Hitlers Hand stammen, sei jedoch kunsthistorisch nur schwer zu beurteilen. Unter anderem weil, so die Zeitung, er "lediglich ein mäßig begabter Kopist ohne eigenen Stil" war.

Der Handel mit Kunstwerken des nationalsozialistischen Diktators ist grundsätzlich nicht verboten.

apr/Reuters

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