Panorama

Urteil in Berlin

Vierjähriger bei Unfall getötet - 200 Euro Geldstrafe

Der Autofahrer überholte zu schnell, das Kind lief bei Rot über die Ampel: Im Oktober 2017 starb ein Vierjähriger bei einem Unfall in Berlin. Nun ist der Mann verurteilt worden.

Mittwoch, 12.06.2019   15:48 Uhr

Weil er einen vierjährigen Jungen durch zu schnelles Überholen auf der Busspur erfasst und tödlich verletzt hatte, ist ein Autofahrer zu einer Geldstrafe von 200 Euro verurteilt worden. Der 23-Jährige hätte den Unfall bei angepasster Geschwindigkeit vermeiden können, begründete das Amtsgericht Berlin-Tiergarten und sprach den Studenten der fahrlässigen Tötung schuldig.

Die Ampel habe für Fußgänger auf Rot gestanden, als das Kind plötzlich auf die Straße gelaufen sei. Es liege auch ein Fehlverhalten der Mutter vor, die mit ihrem Sohn vom Einkauf kam, hieß es im Urteil.

Das Unglück hatte sich im Oktober 2017 im Stadtteil Pankow-Heinersdorf ereignet. Der Angeklagte, der zu einem Fitnessstudio wollte, habe vorschriftswidrig auf der Busspur rechts an den staubedingt haltenden Fahrzeugen vorbeifahren wollen, so das Gericht. Laut einem Gutachten war er mit einer Geschwindigkeit von bis zu 74 Kilometern pro Stunde unterwegs. Mutter und Kind hätten zunächst auf einer Mittelinsel gestanden. Als der Junge losrannte, habe der Angeklagte das Kind mit dem linken Seitenspiegel erfasst. Der Vierjährige erlag zwei Wochen später seinen schweren Kopfverletzungen.

Der nicht vorbestrafte Student hatte zuvor unter Tränen sein Bedauern geäußert. Er sei lediglich eine Strecke von etwa 70 Metern auf der Busspur gefahren und habe dann rechts abbiegen wollen, sagte er. "Als das Kind auf der Straße lag, war ich geschockt." Mit der Strafe von 40 Tagessätzen zu je fünf Euro folgte das Gericht im Wesentlichen den Anträgen von Staatsanwalt und Verteidigung. Die Geldstrafe orientiert sich am Einkommen des Verurteilten.

sen/dpa

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung

TOP