Panorama

Fehlerhafte Brustimplantate

Zehntausend Frauen fordern Schadensersatz vom TÜV

Der Skandal um minderwertige Brustimplantate geht in eine neue Runde: Zehntausend Betroffene haben in Frankreich den TÜV Rheinland auf Schadensersatz verklagt. Aus einem ähnlichen Verfahren war der TÜV vor wenigen Wochen als Sieger hervorgegangen.

AP

Fehlerhaftes PIP-Brustimplantat: Neuer Schadensersatzprozess in Toulon

Freitag, 24.07.2015   18:33 Uhr

Im Skandal um minderwertige Brustimplantate der französischen Firma PIP (Poly Implant Prothèse) haben erneut Tausende Frauen den TÜV Rheinland auf Schadensersatz verklagt. Das Handelsgericht der südfranzösischen Stadt Toulon hat die Klage von rund 10.000 Frauen verhandelt.

Die Anwälte der Frauen werfen dem TÜV und seiner Frankreich-Tochter vor, gegen Kontrollpflichten verstoßen zu haben. Die Entscheidung in dem Verfahren wird für Dezember erwartet. Der TÜV sieht sich selbst als Opfer des Betrugs durch PIP. Das Unternehmen verweist dabei auch auf die Verurteilung von PIP-Gründer Jean-Claude Mas in Frankreich unter anderem wegen Betrugs am TÜV.

Erst Anfang Juli hatte ein französisches Berufungsgericht den TÜV in einem anderen Verfahren zu fehlerhaften Brustimplantaten von jeder Verantwortung freigesprochen - und damit das Urteil einer vorherigen Instanz revidiert. Das Berufungsgericht in Aix-en-Provence kam zum Ergebnis, der TÜV habe seine Kontrollpflichten erfüllt und "keinen Fehler" begangen.

Der Skandal um PIP war im Jahr 2010 bekannt geworden: PIP hatte seine Brustimplantate statt mit Spezialsilikon mit billigerem Industriesilikon befüllt, die Kissen reißen leichter und können Entzündungen auslösen. Weltweit wurden Zehntausenden Frauen PIP-Implantate eingesetzt, in Deutschland sind Schätzungen zufolge rund 6000 Frauen betroffen. Der TÜV hatte das Herstellungsverfahren bei PIP zertifiziert, nicht aber die Silikonkissen selbst kontrolliert.

In Deutschland wiesen Gerichte eine Reihe von Schadensersatzklagen gegen den TÜV zurück, eine Klage ging bis vor den Bundesgerichtshof. Anfang April legte der BGH diese dem Europäischen Gerichtshof vor. Die Luxemburger Richter sollen klären, wie umfangreich die Prüfpflichten bei der Zertifizierung von Medizinprodukten sind.

ulz/AFP

insgesamt 5 Beiträge
fliegender-robert 24.07.2015
1. Was hat denn der TÜV überhaupt geprüft?
Was hat denn der TÜV überhaupt geprüft? Die Beschaffenheit und Qualität der hergestellten Produkte? Blindkäufe auf dem freien Markt? Stichproben beliebiger Chargen aus dem Lager und von Rückstellproben? Kontrolle der [...]
Was hat denn der TÜV überhaupt geprüft? Die Beschaffenheit und Qualität der hergestellten Produkte? Blindkäufe auf dem freien Markt? Stichproben beliebiger Chargen aus dem Lager und von Rückstellproben? Kontrolle der Einkaufsbelege? (Wenn sie pro forma eine kleine Menge med. Silikon eingekauft haben, jedoch eine riesige Menge Industriesilikon - hätte dies nicht bemerkt werden können?) Unangekündigte Vor-Ort-Kontrollen? Mir scheint, der Name TÜV leuchtet doch heller, als der Inhalt... Und auch der Hersteller + Lieferant des Industrie-Silikons redet sich nett heraus. Als Vergleich: Was soll sich der Schlachthof denken, der jeden Tag Schweinehälften an eine Firma für vegetarische Würstchen liefert... Ich denke, das blinkte bei allen nur das $$$-Zeichen in den Augen.
crimesceneunit 24.07.2015
2. wieso müssen sich die Damen...
überhaupt ihre Brüste pimpen? Reicht nicht das, was sie von der Natur bekommen haben? Würde mich nie einer schwachsinnigen OP unterziehen und mir irgend etwas künstliches einpflanzen lassen...
überhaupt ihre Brüste pimpen? Reicht nicht das, was sie von der Natur bekommen haben? Würde mich nie einer schwachsinnigen OP unterziehen und mir irgend etwas künstliches einpflanzen lassen...
frenchie3 24.07.2015
3. Hat der TÜV nur die Zertifizierung geprüft?
ISO 900x sagt nichts über die Qualität eines Produktes aus. Das bestätigt lediglich das alle Prozesse zur Produktion eingehalten werden. Kurz: wenn Sie ein Sch..produkt herstellen hat es immer die gleiche Sc...qualität. Genau [...]
ISO 900x sagt nichts über die Qualität eines Produktes aus. Das bestätigt lediglich das alle Prozesse zur Produktion eingehalten werden. Kurz: wenn Sie ein Sch..produkt herstellen hat es immer die gleiche Sc...qualität. Genau nach Vorschrift
treisernr.1 24.07.2015
4. nicht jede
Frau mit Brustimplantaten will sich nur tunen. Manchmal hats auch medizinische Gründe. Versagt hat der Tüv trotzdem. Frei Nach dem Motto: Vertrauen ist gut, Kontrolle besser! Ohne Kontrolle braucht es auch silche Tests nicht. [...]
Frau mit Brustimplantaten will sich nur tunen. Manchmal hats auch medizinische Gründe. Versagt hat der Tüv trotzdem. Frei Nach dem Motto: Vertrauen ist gut, Kontrolle besser! Ohne Kontrolle braucht es auch silche Tests nicht. Entwertet den Tüv ganz schön. Schade!
silenced 24.07.2015
5.
Sie haben keine Ahnung was der TÜV getestet hat. Das Produkt hat der TÜV nicht getestet, nur die Zertifizierung für die Herstellung dessen. Wenn ich eine perfekte Maschinenanlage habe, welche TÜV-zertifiziert ist, daß [...]
Zitat von treisernr.1Frau mit Brustimplantaten will sich nur tunen. Manchmal hats auch medizinische Gründe. Versagt hat der Tüv trotzdem. Frei Nach dem Motto: Vertrauen ist gut, Kontrolle besser! Ohne Kontrolle braucht es auch silche Tests nicht. Entwertet den Tüv ganz schön. Schade!
Sie haben keine Ahnung was der TÜV getestet hat. Das Produkt hat der TÜV nicht getestet, nur die Zertifizierung für die Herstellung dessen. Wenn ich eine perfekte Maschinenanlage habe, welche TÜV-zertifiziert ist, daß alles in Ordnung ist, dann aber schlampiges Material verarbeitet wird für das eigentliche Produkt, wieso ist der TÜV dann Schuld? Sind SIE schuld, wenn sie Kaugummi verkaufen, jemand diesen kauft, als Betonersatz nutzt und dann das Haus zusammenbricht? Ja? JA? Ich denke nicht.

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