Panorama

Chemnitz

Hunderte Hooligans und Neonazis besuchen Begräbnis von Rechtsradikalem

Etwa tausend Fußball-Hooligans und Neonazis haben an der Beerdigung eines überregional bekannten Rechtsradikalen in Chemnitz teilgenommen. Die Polizei war mit einem Großaufgebot vor Ort.

FILIP SINGER/EPA-EFE/REX

Hooligans bei Trauermarsch: Helle Blumen vor braunem Hintergrund

Montag, 18.03.2019   19:50 Uhr

Hunderte Menschen haben in Chemnitz an einem Trauerzug durch den Stadtteil Altchemnitz teilgenommen. Etwa 950 Beamte waren vor Ort, als die Menge den Rechtsextremisten Thomas Haller, den führenden Kopf der früheren Vereinigung HooNaRa (Hooligans-Nazis-Rassisten), zu Grabe trug. Der Trauerzug verlief der Polizei zufolge weitgehend störungsfrei.

Im Anschluss an die Beisetzung wurden allerdings zwei Anzeigen wegen Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz aufgenommen. Eine Frau hatte den Angaben zufolge aus einem fahrenden Auto einen angezündeten Nebeltopf gehalten. Bei der anschließenden Kontrolle des Fahrzeugs sei weitere nicht zugelassene Pyrotechnik gefunden worden.

Die Beerdigung galt als Sicherheitsrisiko, weil mit gewaltbereiten Teilnehmern aus der Szene gerechnet wurde. Der Trauerzug war nicht als Demonstration angemeldet. Daher sei die Vermummung einiger Teilnehmer auch kein Verstoß gegen das Versammlungsgesetz gewesen, hieß es.

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Der gestorbene Thomas Haller hatte zeitweilig den Ordnungsdienst beim Chemnitzer FC geleitet. Der Verein war massiv in die Kritik geraten, nachdem es in seinem Stadion vor gut einer Woche zu einer Trauerbekundung für Haller gekommen und auf der Videoleinwand dessen Porträt gezeigt worden war. Der Verein erstattete Anzeige, weil bei der Trauerfeier das offizielle Vereinslogo gezeigt wurde.

Hooligans hatten nach der tödlichen Messerattacke auf Daniel Hillig am Rande des Chemnitzer Stadtfestes im August 2018 die erste Demonstration gegen Flüchtlinge in Chemnitz angeführt. Der Abgeordnete der Linken im sächsischen Landtag, Klaus Bartl, wirft den CFC-Hools vor, den Tod des 35-jährigen Deutschen instrumentalisiert zu haben.

Im Prozess um den tödlichen Messerangriff in Chemnitz hat heute ein erster Zeuge ausgesagt. Der 38-jährige Dimitri M. konnte den Angeklagten allerdings anhand ihm vorgelegter Lichtbilder nicht als Täter identifizieren. (Alle Hintergründe zum Prozess erfahren Sie hier.)

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ala/dpa

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