Panorama

Chicago

US-Justizbehörde wirft Polizei Gewaltexzesse vor

Die Polizei in Chicago soll systematisch Gewalt angewendet und damit gegen die Verfassung verstoßen haben. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung der US-Justizbehörde.

AP

Loretta Lynch

Freitag, 13.01.2017   20:28 Uhr

Die US-Justizbehörden haben der Polizei der US-Kriminalitätshochburg Chicago einen übertriebenen Einsatz von Gewalt vorgeworfen. Beim Vorgehen der Polizeibehörde der Stadt sei ein Muster der Anwendung exzessiver Gewalt zu erkennen, sagte Justizministerin Loretta Lynch. Es sei dabei zu Todesfällen gekommen.

Chicago war im vergangenen Jahr wieder zur Verbrechenshauptstadt der USA aufgestiegen. 2016 wurden mehr als zwei Morde pro Tag registriert, eine deutliche Steigerung gegenüber dem Jahr zuvor.

Besonders betroffen seien die von vielen Schwarzen und Hispanics bewohnten Stadtviertel von Chicago, sagte Lynch. Die Gewaltanwendung sei weder angebracht noch verfassungsgemäß, heißt es in dem 161 Seiten starken Bericht auf Grundlage einer 13 Monate langen Untersuchung.

Lynch beklagte Ausbildungsmängel bei der Polizei der drittgrößten Stadt des Landes nach New York und Los Angeles. Auch würden Fälle von Gewalteinsatz durch Polizisten im Nachhinein nicht hinreichend untersucht. In Chicago gab es im vergangenen Jahr mehr als 760 Morde. Früher war Chicago als Stadt der Gangster in Verruf, inzwischen verbreitet sich auch der Vorwurf, unter den 12.000 Polizisten der Stadt gebe es eine zu hohe Gewaltbereitschaft und Rassismus.

Für großes Aufsehen sorgte etwa der Fall des 17-jährigen Laquan McDonald, der am 20. Oktober 2014 in Chicago von einem weißen Polizisten erschossen wurde. Videoaufnahmen zeigten, dass der Beamte 16-mal auf den jungen Mann feuerte, der vor ihm weglaufen wollte. Nach der erzwungenen Veröffentlichung der Videoaufnahmen im November 2015 gingen Tausende Menschen in Chicago auf die Straße, der Polizeichef der Stadt wurde entlassen.

kry/dpa/AFP

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