Panorama

Vom Frankfurter Flughafen in den Rhein

Tausende Aale beschlagnahmt und ausgewildert

Am Frankfurter Flughafen hat eine 47-jährige Malaysierin versucht, Tausende Babyaale nach Vietnam zu schmuggeln. Sie wurde erwischt - und die Fische in den Rhein entlassen.

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Glasaale im Rhein ausgewildert

Dienstag, 04.12.2018   16:49 Uhr

Bei Heidesheim nahe Mainz sind rund 5000 beschlagnahmte Glasaale in den Rhein ausgewildert worden. "Die haben sichtlich Spaß gehabt, in ihr eigenes Element zurückzukommen", sagte Hans-Jürgen Schmidt, Sprecher des Zollfahndungsamts in Frankfurt am Main.

Schmuggler hatten zuvor versucht, die Jungtiere über den Flughafen Frankfurt nach Vietnam zu bringen. Sicherheitsmitarbeiter entdeckten sie Ende November bei einer Kontrolle im Koffer einer 47-jährigen Malaysierin. Sie lagerten in mit Wasser gefüllten Plastiktüten, die in Styroporboxen eingebettet waren. Die Tiere wurden beschlagnahmt und bis zur ihrer Auswilderung bei einem Aquaristik-Fachhändler untergebracht.

Glasaale sind Babyaale, die noch durchsichtig sind. Sie sind geschützt und dürfen nicht ins Ausland gebracht werden. Woher die Frau die Tiere hatte, ist unklar. Der Zoll vermutet, dass sie aus Frankreich, Spanien und Portugal stammen - und dort an Flussmündungen gefangen wurden.

Die Tiere könnten in Asien mit viel Gewinn verkauft werden, weil sie dort als Delikatesse gelten und ihnen eine potenzsteigernde Wirkung nachgesagt werde, so Schmidt. In Deutschland koste ein Kilogramm der Tiere etwa 400 Euro, bei einer Fischbörse in Asien könnten Beträge zwischen 3000 und 5000 Euro erzielt werden.

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Glasaale schwimmen vor dem Auswildern in Plastiksack

Für die gewerbliche Ausfuhr der Tiere hätte die Kofferbesitzerin eine Genehmigung gebraucht. Mit einer Strafe muss sie dennoch vorerst nicht rechnen. "Zum Zeitpunkt der Kontrollmaßnahmen und Feststellungen saß sie bereits im Flieger nach Vietnam, und der hatte bereits abgehoben", sagte Schmidt.

Die Aalbestände im Rhein sind in den vergangenen Jahren zurückgegangen, immer mal wieder wurden deshalb Jungtiere ausgesetzt. Sowohl in Hessen als auch in Rheinland-Pfalz steht der Aal auf der Roten Liste gefährdeter Arten und daher unter besonderem Schutz. "Das Aussetzen von geschmuggelten Glasaalen in ihr natürliches Element ist bisher beispiellos in Deutschland", teilte der Zoll mit.

Aale sind Süßwasserfische, die zum Laichen in die Sargassosee, einen Teil des Atlantiks, wandern. Die Jungtiere kehren mit dem Golfstrom an die europäischen Küsten zurück. Verglichen mit der Zeit vor 1980 kommen heute jedoch nur noch etwa ein bis zwei Prozent der Glasaale dort an.

Die Zahl der gefangenen Glasaale ist in den vergangenen Jahrzehnten dramatisch zurückgegangen. Stefan Hill, Präsident der rheinland-pfälzischen Umweltbehörde sagte, die beschlagnahmten Fische könnten im Rhein "einen Beitrag zum weiteren Anwachsen der Population" leisten.

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Foto: SPIEGEL TV

wit/dpa/AFP

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