Panorama

Gelbwesten-Proteste

Demonstrant mit Sprengsatz forderte Treffen mit Macron

Bei den Gelbwesten-Demonstrationen in Frankreich ist es erneut zu einem ernsten Zwischenfall gekommen. Ein mit Sprengstoff bewaffneter Mann drohte mit Gewalt. Erst nach Stunden war die Gefahr gebannt.

AFP

Demonstranten in Paris

Samstag, 24.11.2018   08:08 Uhr

Ein mit Sprengstoff bewaffneter Anhänger der Protestbewegung "Gelbe Warnwesten" hat im westfranzösischen Angers für Alarm gesorgt. Der 45-Jährige trug einen Sprengsatz bei sich und wollte damit erzwingen, dass Vertreter der Bewegung von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron empfangen werden, wie Staatsanwalt Yves Gambert sagte. Nach stundenlangen Verhandlungen stellte sich der Mann jedoch am Freitagabend den Sicherheitskräften.

Der polizeibekannte Verdächtige habe den Sprengsatz erstmals gegen 16.45 Uhr bei einer Autowaschanlage in Angers gezeigt, erklärten die Behörden des Départements Maine-et-Loire. Die umgehend verständigten Sicherheitskräfte evakuierten demnach die Anlage und sperrten die Umgebung ab.

Die Sicherheitskräfte begannen daraufhin Verhandlungen mit dem 45-Jährigen auf dem Parkplatz eines Einkaufszentrums. Der Mann zeigte dabei eine Fallschirmjägermütze und eine Frankreichfahne. Auch der Präfekt des Départements, Bernard Gonzalez, wurde in die Verhandlungen einbezogen. Gegen 22.30 Uhr stellte sich der Verdächtige schließlich unverletzt der Polizei und wurde vorläufig festgenommen.

"Reales Risiko, reale Gefahr"

Es habe ein "reales Risiko, eine reale Gefahr" bestanden, sagte Gonzalez im Anschluss bei einer Pressekonferenz. Der Verdächtige habe Sprengstoff um den Hals getragen sowie eine Zündvorrichtung bei sich gehabt. Es habe sich um keine Attrappe gehandelt, betonte Gonzalez.

Der 45-Jährige habe offensichtlich über Erfahrung im Umgang mit Sprengstoff verfügt und sei "entschieden" aufgetreten. Für die "Gelben Warnwesten", die zuvor den Nachmittag mit dem Mann verbrachten, hätte die Situation "sehr gefährlich" werden können. Innenminister Christophe Castaner sprach auf Twitter von "nicht identifizierten Sprengstoffen" und "gebastelten Granaten".

In Paris wird am Samstag eine Großdemonstration der Protestbewegung erwartet. Aktivisten haben in den sozialen Netzwerken dazu aufgerufen, den Verkehr in der gesamten französischen Hauptstadt lahmzulegen.

Die landesweiten Proteste ohne klare Anführer richten sich vor allem gegen die hohen Kraftstoffpreise und die geplante Ökosteuer auf Diesel, an der Macron bisher festhält. Auch in anderen Orten haben die "Gelben Warnwesten" zu Straßenblockaden aufgerufen. Bei den Protesten gab es bereits zwei Tote, Hunderte Menschen wurden verletzt.

dab/AFP

insgesamt 24 Beiträge
frenchie3 24.11.2018
1. Die drehen langsam durch
Gestern mit 130 auf der Autobahn, linke Spur, zieht ein Kleinwagen ohne Blinker hinter einem LKW mit 90 links rüber, ca 40 m vor uns. Vollbremsung. Und dann fährt er ca 2 km mit 92 weiter. Als wir endlich vorbei konnten grinst [...]
Gestern mit 130 auf der Autobahn, linke Spur, zieht ein Kleinwagen ohne Blinker hinter einem LKW mit 90 links rüber, ca 40 m vor uns. Vollbremsung. Und dann fährt er ca 2 km mit 92 weiter. Als wir endlich vorbei konnten grinst uns der *** an und deutet auf die gelbe Weste vor sich auf dem Armaturenbrett. Wir waren so platt daß wir nicht mal das Kennzeichen aufgeschrieben haben.
Leser_01 24.11.2018
2.
Kleine Frage in die Runde: Wer finanziert eigentlich diese "Gelbwesten"? Solche Gruppen bilden sich üblicherweise nicht bei Karl-Heinz und Sabine im Hobbykeller. Sind da am Ende mal wieder die üblichen Verdächtigen [...]
Kleine Frage in die Runde: Wer finanziert eigentlich diese "Gelbwesten"? Solche Gruppen bilden sich üblicherweise nicht bei Karl-Heinz und Sabine im Hobbykeller. Sind da am Ende mal wieder die üblichen Verdächtigen tätig, die unter dem Oberbegriff "Aktivisten" einen Mitgliedsstaat der EU destabilisieren wollen?
Anandamid 24.11.2018
3. Es gibt nur sehr wenig öffentlichen Nahverkehr in Frankreich
Weil man sowas noch nie gesehen hat, kommt man auch nicht auf die Idee, das man den ja auch mal fordern könnte. Und die Politiker kommen nicht auf die Idee, einen öffentlichen Nahverkehr eventuell einmal anzubieten. Das ist [...]
Weil man sowas noch nie gesehen hat, kommt man auch nicht auf die Idee, das man den ja auch mal fordern könnte. Und die Politiker kommen nicht auf die Idee, einen öffentlichen Nahverkehr eventuell einmal anzubieten. Das ist sicherlich nur ein kleiner Teil von Macrons Problemen, aber ein wichtiger.
nachdenk... 24.11.2018
4. Was mir den Pelz, aber mach mich nicht nass
Was erwarten die Leute immer - die Welt möge so bleiben, Rente mit 60, fliegen für 30 Euro, die gesellschaftlichen Kosten tragen andere oder die Nachkommen? Wer verantwortlich Politik macht, muss sowas aussitzen können. Mit den [...]
Was erwarten die Leute immer - die Welt möge so bleiben, Rente mit 60, fliegen für 30 Euro, die gesellschaftlichen Kosten tragen andere oder die Nachkommen? Wer verantwortlich Politik macht, muss sowas aussitzen können. Mit den Leuten reden, ja. Aber nicht der kurzsichtigen Unvernunft nachgeben.
seine-et-marnais 24.11.2018
5. Frankreich im Herbst
Eigentlich war vorherzusehen dass Frankreich auf diesen Konflikt zusteuert. Frankreichs nicht allzu wahlfreudige Bevölkerung war bereit 2017 den Tisch umzuschmeissen und die 'neue Politik' Macrons zu wählen. Nur und das war von [...]
Eigentlich war vorherzusehen dass Frankreich auf diesen Konflikt zusteuert. Frankreichs nicht allzu wahlfreudige Bevölkerung war bereit 2017 den Tisch umzuschmeissen und die 'neue Politik' Macrons zu wählen. Nur und das war von Anfang an klar, Macron hat die Franzosen getäuscht. Er hat mit 'partizipativer' Demokratie begonnen, der erste Akt war es seine 'Anhänger' auszuschicken um Umfragen zu machen, er hat mit seinem 'et en même Temps' nun mal alle gegensätzlichen Interessen abgedeckt, er hat als 'Jupiter' mit seinem Alleinmarsch im Louvre (im Hintergrund zu sehen: Benalla) zu 'Freude schöner Götterfunken' seine Präsidentschaft begonnen. Diese Präsidentschaftswahlen gelten in Frankreich als 'casse du siècle' was man übersetzen kann als 'Jahrhundertbruch', indem eine kleine Gruppe von ehrgeizigen Jungpolitikern die Macht übernommen haben. LREM als Partei existiert nicht, es gibt eine 'Parteispitze' mit Macron und einigen Spezis, es gibt aber keine Organisation, nichts, nada, rien. Ein LREM-Anh¨nger hat gefälligst die 'frohe Botschaft' zu verkünden, innerparteilich zu sagen hat er nichts da es weder eine Parteistruktur und rechtlich gesehen gar keine Partei gibt. Und so regiert Macron jetzt mit seiner engen Gefolgschaft, verstärkt von Verwaltungsfachleuten der ENA aus seinem Abschlussjahrgang Senghor. Diese ENArchen (Nationale Verwaltungsschule) sind Verwaltungsfachleute haben da kurz in das Buch 'Wirtschaft für Anfänger' reingeschaut, ein Wirtschafts- und Entwicklungsmodell zusammengebastelt, unter allerlei Prämissen, und wollen es nun koste es was es wolle durchziehen. Das ist wunderschön geplant, Macron hält wunderbare Reden, sein einziges Problem, wenn dieses wirtschafs- und steuerliche Kartenhausmodell in den Fugen kracht, sagt er trotzig 'j'assume', ich nehme das auf meine Kappe, und will weitermachen als ginge es planmässig weiter. Macron ist mit seiner Umverteilungspolitik kräftig auf die Nase gefallen, und statt des 'Goldenen Oktobers', bei dem er allen 'Aktiven' eine Kaufkraftsteigerung versprochen hatte (Unterdrückung von Lohnnebenkosten und eines Teils der Wohnsteuer), hat er nun den 'Gelben November' denn seine Umverteilungspolitik wirkt so dass Frankreich zwar statistisch einen Kaufkraftzuwachs verzeichnen kann, der aber nur 'oben' ankommt, während 'unten' die Kaufkraft in den Keller rutscht. Macrons Problem, es geht schon lange nicht mehr nur um den Preis für Diesel, es geht um das Entwicklungsmodell für Frankreich, es geht um soziale und sozietale Probleme, es geht um das Demokratieverständnis. Die Probleme haben sich seit 40 Jahren angesammelt, sie sind nicht die Schuld alleine Macrons, aber Macron hat eine 'neue Welt' versprochen, wurstelt aber weiter wie in der alten, nur noch schlimmer, und der von ihm gepredigte 'Degagismus' (degager = leine ziehen) trifft ihn nun selbst.

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