Panorama

Germanwings-Absturz

Co-Pilot war für Unglückstag krankgeschrieben

Die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft hat in der Wohnung des Germanwings-Co-Piloten ein Attest für den Tag des Absturzes gefunden. Offenbar hat Andreas Lubitz seine Erkrankung geheim gehalten.

Foto: REUTERS
Freitag, 27.03.2015   17:34 Uhr

Düsseldorf - Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf hat in der Wohnung des Co-Piloten der abgestürzten Germanwings-Maschine mehrere medizinische Dokumente gefunden, die auf eine Erkrankung und ärztliche Behandlungen hinweisen. Das teilte die Behörde in einer Pressemitteilung mit.

Die Ermittler fanden "zerrissene, aktuelle und auch den Tattag umfassende Krankschreibungen". Dies stütze nach vorläufiger Bewertung die Annahme, "dass der Verstorbene seine Erkrankung gegenüber dem Arbeitgeber und dem beruflichen Umfeld verheimlicht hat", heißt es in der Mitteilung.

Der SPIEGEL hatte bereits berichtet, dass die Ermittler Hinweise auf eine psychische Erkrankung des Co-Piloten gefunden hatten.

Einen Abschiedsbrief oder ein Bekennerschreiben fanden die Ermittler bei der Durchsuchung der Wohnungen in Düsseldorf und Montabaur nicht. Auch hätten sich keine Anhaltspunkte für einen politischen oder religiösen Hintergrund ergeben.

Der Airbus A320 war am Dienstag auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf in den französischen Alpen zerschellt. Alle 150 Menschen an Bord starben.

Die Ermittler gehen davon aus, dass der Co-Pilot Andreas Lubitz die Maschine absichtlich zum Absturz brachte. Darauf lassen die Aufnahmen des Cockpit-Stimmrekorders schließen. Demnach leitete Lubitz bewusst den Sinkflug ein und ließ den Flugkapitän, der vermutlich auf Toilette gegangen war, nicht zurück ins Cockpit.

Der Flugdatenschreiber, der weitere Informationen zum Absturz liefern kann, wurde bisher nicht gefunden.

Video: Staatsanwalt Christoph Kumpa über die Krankschreibung

Foto: REUTERS

Anmerkung der Redaktion am Freitagabend, 27.: Nachdem wir den Nachnamen des Co-Piloten zunächst abgekürzt haben, schreiben wir ihn nun, ebenso wie der an diesem Freitagabend digital erscheinende SPIEGEL, aus. Die bisher veröffentlichten Ergebnisse der Ermittler lassen keine Zweifel zu: Andreas Lubitz führte diese Katastrophe herbei, aus welchen Gründen er auch immer handelte. Der Pressekodex fordert für eine identifizierende Berichterstattung, es müsse "eine außergewöhnlich schwere oder in ihrer Art und Dimension besondere Straftat" vorliegen. Diese Voraussetzung sehen wir erfüllt.

Was wir auf SPIEGEL ONLINE auch weiterhin nicht zeigen, sind Nahaufnahmen von Angehörigen der Opfer. Denn dafür gibt es, solange die Personen nicht von sich aus an die Öffentlichkeit gehen, keinen Grund. Wir respektieren ihre Privatsphäre.

[M] DPA, Airbus, SPIEGEL ONLINE

Blick ins Cockpit eines A320. Klicken Sie zum Vergrößern bitte auf das Bild.

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hut/dpa/AFP

Cockpit-Regel bei Fluggesellschaften

Region
Europa Die Europäische Agentur für Flugsicherheit (Easa) empfiehlt die Einführung der Zwei-Personen-Regel.
Deutschland Alle Fluglinien haben sich auf die Einführung der Zwei-Personen-Regel ab sofort verständigt
Österreich Regierung führt Zwei-Personen-Regelung ab sofort ein
Regel angekündigt/jetzt eingeführt außerdem bei EasyJet, Norwegian Air Shuttle, Icelandair, Virgin Atlantic, Monarch, Thomas Cook Airlines (GB), Air Baltic, SAS, Air France, KLM
Regel bestand vor Absturz bei Jet2, Flybe, Ryanair, Czech Airlines, Travel Service, Finnair
USA Zwei-Personen-Regel ist in den Richtlinien der Flugsicherheitsbehörde FAA vorgeschrieben
Kanada Zwei-Personen-Regel war nicht vorgeschrieben, ist jetzt eingeführt
Regel bestand vor Absturz bei Air Transat
Asien
Regel angekündigt/jetzt eingeführt bei Emirates, Etihad
Regel bestand vor Absturz bei indischen Fluglinien (Regel vorgeschrieben), Singapore Airlines
Ozeanien
Regel angekündigt/jetzt eingeführt Neuseeland, Australien

Die Liste ist nicht vollständig und gibt den derzeitigen Kenntnisstand wieder (27. März, 18.30 Uhr)

Notfallnummern Germanwings-Absturz

Auswärtiges Amt
030 / 50 00 30 00
Flughafen Düsseldorf
0800 / 77 66 350
Germanwings
0800 / 11 33 55 77
Flughafen Barcelona
0034 / 900 808 890

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