Panorama

Mexiko

Stundenlange Gefechte - Soldaten scheitern mit Festnahme von "Chapo"-Sohn

Mexikanische Soldaten mussten die Festnahme eines Sohns des inhaftierten Drogenbosses "El Chapo" abbrechen - wegen heftiger Gegenwehr. Nun ist die Empörung groß, doch der Präsident verteidigt das Vorgehen.

ALFREDO ESTRELLA / AFP

Ausgebrannte Fahrzeuge in Culiacán: Sicherheitskräfte zum Rückzug gezwungen

Freitag, 18.10.2019   20:11 Uhr

Mexikanische Sicherheitskräfte haben wegen massiver Gegenwehr die Verhaftung eines Sohns des inhaftierten Drogenbosses Joaquín "El Chapo" Guzmán abgebrochen. Der wegen Rauschgifthandels in den USA gesuchte Ovidio Guzmán López war nach Angaben der Regierung am Donnerstagnachmittag in einem Haus in der Stadt Culiacán ausgemacht worden. Allerdings tauchten schwer bewaffnete Gangster auf und verwickelten die Einsatzkräfte in ein Feuergefecht. Die Soldaten mussten sich schließlich zurückziehen.

Die Bewaffneten hielten die Hauptstadt des nordwestlichen Bundesstaates Sinaloa rund sechs Stunden lang in Atem, etwa 20 bis 30 Insassen einer Haftanstalt gelang die Flucht. Augenzeugen berichteten von Szenen wie im Krieg. In Videos waren Vermummte mit schweren Waffen, brennende Fahrzeuge und auf dem Boden kauernde Autofahrer zu sehen.

Laut Regierung starteten die Angreifer an mehreren Orten der Großstadt Attacken, sie blockierten Straßen und Autobahnen und brachten das öffentliche Leben damit zum Erliegen. Nach ersten Informationen gab es mehrere Tote - die genaue Anzahl ist noch unklar. Schulen und Universitäten blieben am Freitag geschlossen.

Präsident Andrés Manuel López Obrador verteidigte den Rückzug der Sicherheitskräfte. "Viele Bürger waren in Gefahr", sagte er auf einer Pressekonferenz. "Die Festnahme eines Kriminellen kann nicht mehr wert sein als die Leben der Menschen."

ALFREDO ESTRELLA /AFP

Soldaten am Freitag in Culiacán

Der Einsatz sei schlecht geplant gewesen, räumte der mexikanische Verteidigungsminister Luis Cresencio Sandoval ein. Die Fähigkeit des Kartells, viele Leute zu mobilisieren, sei unterschätzt worden. "Es war voreilig, die Konsequenzen wurden nicht berücksichtigt, der riskantes Teil wurde nicht mitgedacht", sagte Sandoval. Sicherheitsminister Alfonso Durazo sprach von "Versagen".

Kommentatoren kritisierten, dass Drogendealer in Culiacán, der Wiege des einst von Guzmán angeführten Sinaloa-Kartells, offensichtlich mächtiger seien als der Staat. "Culiacán: eine unerklärliche Kapitulation", lautete die Überschrift eines Artikels auf der Website der Zeitung "Excelsior".

Der seit Dezember regierende López Obrador war mit dem Versprechen angetreten, die Gewalt einzudämmen - mit einer gelockerten Drogenpolitik und der Förderung von Bildung und Arbeitsplätzen, aber auch mit der Schaffung der Nationalgarde.

Der weltweit berüchtigte Drogenboss "El Chapo" Guzmán war im Juli in New York zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Er soll mit mehreren Frauen mindestens neun Kinder haben. Einige seiner Söhne gelten als wichtige Figuren im Machtkampf um die Kontrolle des Sinaloa-Kartells.

hut/dpa/AP/AFP

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