Panorama

Kölner NSU-Opfer

"Als hätte mir jemand die Beine weggeschossen"

Erstmals sagen beim NSU-Prozess Opfer des Attentats in Köln aus. Vor dem Oberlandesgericht in München berichtet Sandro D., 34, von dem Moment, als die Nagelbombe neben ihm explodierte.

DPA

Demonstranten vor dem Oberlandesgericht in München: Opfer sagen vor Gericht aus

Dienstag, 20.01.2015   14:16 Uhr

München - Im Münchner NSU-Prozess hat das erste Opfer des Nagelbombenanschlags in der Kölner Keupstraße ausgesagt - und in eindringlichen Worten von seinen körperlichen und seelischen Leiden berichtet, die es bei dem Attentat erlitt.

Der mit mindestens 702 Zimmermannsnägeln bestückte Sprengsatz war am 9. Juni 2004 vor einem Friseursalon in der Straße explodiert. 22 Menschen wurden teils schwer verletzt.

Sandro D. befand sich damals mit seinem Freund in unmittelbarer Nähe des Fahrrads mit der Bombe, als diese explodierte. Das sei so gewesen, als hätte ihm jemand die Beine weggeschossen, sagte der 34-Jährige am Dienstag vor dem Oberlandesgericht.

Der Mann kam damals mit schwersten Verletzungen in ein Krankenhaus. In einer Notoperation mussten ihm mehrere Nägel entfernt werden, einer aus dem rechten Oberschenkelknochen. Der Nagelbombenanschlag wird neben zehn weiteren Morden dem NSU angelastet.

Vor Prozessbeginn hatten am Morgen mehrere Dutzend Menschen ihre Solidarität mit den Opfern des "Nationalsozialistischen Untergrunds" bekundet. Direkt vor dem Gerichtsgebäude versammelten sich Mitglieder der Initiative "Keupstraße ist überall" und andere Aktivisten, um gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit zu demonstrieren und auf eine lückenlose Aufklärung der Morde und Anschläge des NSU zu dringen.

gam/dpa

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