Panorama

NSU-Prozess

Beate Zschäpes Mutter verweigert Aussage

Im NSU-Prozess hat sich die Mutter der Hauptangeklagten Beate Zschäpe nicht befragen lassen. Trotzdem erfuhr das Gericht, warum sich die 64-Jährige mit ihrer Tochter überworfen hat.

AFP

Beate Zschäpe

Mittwoch, 24.05.2017   14:38 Uhr

In einer Vernehmung durch Polizisten hat die Mutter der mutmaßlichen Rechtsterroristin Beate Zschäpe das Zerwürfnis mit ihrer Tochter unter anderem mit deren Einstellung begründet. Ein Grund für das schlechte Verhältnis sei die unterschiedliche politische Weltanschauung gewesen, berichtete einer der damaligen Vernehmungsbeamten im Münchner NSU-Prozess.

Zschäpes Mutter verweigerte zwar vor dem Oberlandesgericht erneut die Aussage, wie schon bei ihrer ersten Ladung 2013. Die 64-Jährige berief sich auf das Zeugnisverweigerungsrecht, das ihr als Mutter zusteht.

Anders als damals aber stimmte sie der Verwertung ihrer Aussage aus der polizeilichen Vernehmung im November 2011 zu. Der Polizeibeamte berichtete im Prozess daher ausführlich über die damalige Befragung.

Druck auf Psychiater

Der Freiburger Psychiater Joachim Bauer, der Zschäpe für vermindert schuldfähig erklärt hat, gerät unterdessen unter Druck. Mehrere Nebenkläger stellten einen Befangenheitsantrag gegen den Sachverständigen.

Bauer habe jede professionelle Distanz verloren und längst eine neutrale Position verlassen, heißt es in dem Antrag, den die Rechtsanwältin Doris Dierbach vor Gericht verlas. Bauer betrachte sich offenbar als "eine Art Beschützer" der Hauptangeklagten.

Die Nebenkläger begründen den Befangenheitsantrag in erster Linie mit einer E-Mail Bauers an die Zeitung "Die Welt". "Das Stereotyp, dass Frau Zschäpe das nackte Böse in einem weiblichem Körper ist, darf nicht beschädigt werden", schrieb Bauer über den Umgang mit Zschäpe. Und weiter: "Eine Hexenverbrennung soll ja schließlich Spaß machen."

Damit diffamiere Bauer alle Prozessbeteiligten, heißt es in dem Befangenheitsantrag. Der Psychiater sehe sich "offensichtlich als Retter" der Hauptangeklagten vor einer "Hexenverbrennung" - dabei habe ein Sachverständiger sein Gutachten objektiv zu erstatten.

sms/dpa

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