Panorama

NSU-Prozess

Bundesanwaltschaft fordert Verurteilung Zschäpes als Mittäterin

Im NSU-Prozess haben die Plädoyers begonnen - mit dem Vortrag von Bundesanwalt Herbert Diemer. Die Verteidiger zweier Angeklagter hatten zuvor auf neue Befangenheitsanträge verzichtet.

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Bundesanwalt Herbert Diemer

Dienstag, 25.07.2017   13:01 Uhr

Mehr als vier Jahre nach Prozessbeginn ist die Bundesanwaltschaft im NSU-Verfahren vor dem Oberlandesgericht München in ihr Plädoyer gestartet. Bundesanwalt Herbert Diemer begann am Mittag den mit Spannung erwarteten Schlussvortrag.

Er forderte eine Verurteilung der mutmaßlichen Rechtsterroristin Beate Zschäpe als Mittäterin an allen Verbrechen des "Nationalsozialistischen Untergrunds". Die Anklagevorwürfe gegen Zschäpe und die vier Mitangeklagten hätten sich in allen wesentlichen Punkten bestätigt, sagte Diemer.

Am Vormittag hatte das Oberlandesgericht zunächst die Anträge der Verteidigung auf Aufzeichnung des Plädoyers der Bundesanwaltschaft abgelehnt. Weder dem Wunsch nach einer Tonbandaufnahme noch dem Wunsch nach einer Aushändigung des Manuskripts oder einer Protokollierung werde gefolgt, teilte Götzl mit.

Nach einer Beratungspause verzichteten die Verteidiger zweier Angeklagter auf neue Befangenheitsanträge. Daraufhin schloss der Vorsitzende Richter Manfred Götzl erneut die Beweisaufnahme und erteilte der Anklage das Wort.

Die Bundesanwaltschaft hatte angekündigt, etwa 22 Stunden für ihren Schlussvortrag zu brauchen. Vorgesehen sind dafür mehrere Prozesstage. Nach der Sommerpause sollen Ende August dann Nebenkläger und Verteidiger plädieren. Das Urteil gegen Zschäpe und vier Mitangeklagte wird im Herbst erwartet.

In dem Prozess, der am 6. Mai 2013 begonnen hat, hörte das Gericht insgesamt 815 Zeugen und 42 Sachverständige. Die Hauptangeklagte Zschäpe ist als einzig überlebendes Mitglied des "Nationalsozialistischen Untergrunds" wegen Mittäterschaft an allen Verbrechen angeklagt - darunter zehn Morde, neun aus rassistischen Motiven. Ihr droht eine lebenslange Freiheitsstrafe.

wit/dpa/AFP

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