Panorama

NSU-Prozess

Bundesanwaltschaft sieht Anklage gegen Wohlleben voll bestätigt

Für die Ankläger steht fest: Ralf Wohlleben und Carsten S. haben Beihilfe zum Mord in neun Fällen geleistet. Das habe die Beweisaufnahme im NSU-Prozess ergeben.

DPA

Ralf Wohlleben (Archiv)

Montag, 31.07.2017   11:15 Uhr

Die Bundesanwaltschaft hält die Anklage gegen die mutmaßlichen NSU-Helfer Ralf Wohlleben und Carsten S. für "im vollen Umfang" bestätigt. Wohlleben und S. seien durch die Beweisaufnahme im NSU-Prozess der Beihilfe zum Mord in neun Fällen überführt, sagte Oberstaatsanwalt Jochen Weingarten vor dem Oberlandesgericht München.

Die beiden Männer sind laut Bundesanwaltschaft für die Beschaffung und Lieferung einer Ceska-Pistole mit Schalldämpfer verantwortlich. Mit genau dieser Waffe sollen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt zwischen 2000 und 2006 neun Menschen türkischer und griechischer Herkunft erschossen haben.

Weingarten sagte, sowohl Wohlleben als auch S. hätten die naheliegende Möglichkeit erkannt, dass der aus Mundlos, Böhnhardt und Beate Zschäpe bestehende NSU mit der Pistole Menschen töten würde. Und dennoch hätten die beiden Angeklagten die Waffe damals beschafft, weil sie sich dem Auftrag der drei Untergetauchten und deren fremdenfeindlichen Vorstellungen "unbedingt verpflichtet" fühlten. Wohlleben sei zudem "steuernde Zentralfigur" der Jenaer Unterstützerszene gewesen.

Carsten S., der vor längerer Zeit aus der Neonazi-Szene ausgestiegen ist, hatte bereits zu Prozessbeginn 2013 umfangreich ausgesagt. Er räumte ein, die Waffe in einem Jenaer Szeneladen gekauft und zu Mundlos und Böhnhardt gebracht zu haben. Den Auftrag und das Geld dafür habe er von Wohlleben erhalten. Dieser bestreitet das.

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Inzwischen steht fest, dass die Bundesanwaltschaft ihr Plädoyer erst nach der Sommerpause des Gerichts beenden wird. Er werde auch den Dienstag noch für Wohlleben und S. benötigen und erst nach der Gerichtspause zu den Mitangeklagten André E. und Holger G. kommen, sagte Weingarten.

Anders als geplant will Weingartens Kollegin Anette Greger erst dann über die Banküberfälle des NSU sprechen. Am Ende des Plädoyers fordert Bundesanwalt Herbert Diemer das Strafmaß.

Dienstag ist der letzte Prozesstag vor der Sommerpause. Die nächsten Verhandlungstage sind dann der 31. August, der 1. und 12. September.

wit/dpa/AFP

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