Panorama

NSU-Prozess

Cousin beschreibt Zschäpe als nicht gewaltbereit

Im NSU-Prozess hat das Gericht die Vernehmung von Beate Zschäpes Cousin fortgesetzt. Der 39-Jährige sollte über die Vergangenheit der Hauptangeklagten erzählen. Mit Waffen habe er sie nie gesehen, sagte der Zeuge aus.

Getty Images

Stefan A. im Münchner Oberlandesgericht: Aussagen über Zschäpe

Donnerstag, 28.11.2013   18:03 Uhr

München - Selbstbewusst, aber nicht gewaltbereit - so hat Beate Zschäpes Cousin die Hauptangeklagte im NSU-Prozess beschrieben. Er habe nie gesehen, dass sie Waffen getragen habe, sagte Stefan A. vor dem Münchner Oberlandesgericht. Er glaube auch nicht, dass der Bau der Rohrbomben, die 1998 in einer von Zschäpe gemieteten Garage in Jena gefunden worden waren, ihre Idee war. "Weil sie nicht die Person dazu ist. Die zwei waren immer etwas verrückter", sagte er und meinte damit Zschäpes Kompagnons Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt.

Es war der zweite Tag der Vernehmung des 39-Jährigen. Immer wieder hatte er Probleme, sich zu erinnern. Eine mögliche Erklärung lieferte Stefan A. selbst: Er habe in seiner Zeit in der Jenaer Skinhead-Szene täglich getrunken. Bereits die Befragung am Mittwoch war zäh verlaufen.

Zschäpe ist unter anderem als Mittäterin bei zehn Morden angeklagt, die dem "Nationalsozialistischen Untergrund" zugerechnet werden. Sie soll für die legale Fassade des Trios gesorgt haben. Zschäpe schweigt vor Gericht, auch ihre Mutter verweigerte die Aussage. Die Vernehmung des Cousins soll die persönlichen Verhältnisse der Hauptangeklagten ausleuchten.

hut/dpa

insgesamt 1 Beitrag
joachim_m. 01.12.2013
1. optional
Als nicht gewaltbereit würden viele auch viele Mörder der SS bezeichnen, die wären nie auf die Idee gekommen, im privaten Umfeld Menschen zu ermorden, nein, erst in der Kombination mit der Ideologie, die sich von Feinden [...]
Als nicht gewaltbereit würden viele auch viele Mörder der SS bezeichnen, die wären nie auf die Idee gekommen, im privaten Umfeld Menschen zu ermorden, nein, erst in der Kombination mit der Ideologie, die sich von Feinden umzingelt sieht, wurden sie zu Mördern. Und genau der gleiche Prozess läuft in den Köpfen von heutigen Rechtsradikalen ab: Sie sehen vor dem Hintergrund ihrer Gartenzwergdeutschlandideologie Deutschland und das deutsche Volk bedroht und meinen, in einer Art Notwehr sich dagegen auch mit Gewalttaten wehren zu müssen. Ich glaube gerne, das Leute wie Zschäpe nicht einfach nur so Menschen aus reiner Mordlust ermorden, aber das gilt auch für die Zeiten des Hitlerregimes und trotzdem gab es Millionen Tote, ermordet, weil die Nazis in ihrem Wahn meinten, sie würden Deutschland und das deutsche Volk, dem sie obendrein noch eine Herrenfunktion in ihrer neuen Weltordnung zugedacht hatten, bedrohen. Und bevor es zu Missverständnissen kommt: Islamisten, Kommunisten und auch christliche Radikale ticken genauso, nur die Ziele sind verschieden, der Wahnsinn in den Köpfen ist der Selbe. Und das reicht weit auch in nicht Nazikreisen hinein: Heute erzählen uns Rechte - und zwar nicht nur Rechtsradikale, sondern auch Politiker aus den sogenannten etablierten Parteien - zwar nichts mehr von der jüdischen Weltverschwörung, sie haben heute ein anderes Feindbild, die islamische Weltverschwörung. Und wie weit das insbesondere auch in die CDU hineinreicht, kann man an den Vorgängen beim geplanten Bau einer Moschee in Leipzig in diesen Tagen wieder einmal "bewundern". Der Unterschied zu Zschäpe, SS und Rechtsradikalen ist dabei nur graduell, man tötet nicht, man versucht zu verhindern, dass Muslime in Deutschland von ihrem Menschenrecht, Moscheen zu bauen, Gebrauch machen. Aber auch das ist Ideologie, nur ist diese nicht so mörderisch.

Verwandte Themen

NSU-Chronik

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung

TOP