Panorama

NSU-Prozess

Mutmaßlicher Helfer verweigert die Aussage

Gegen Max-Florian B. wird wegen Unterstützung einer terroristischen Vereinigung ermittelt. Er gewährte den mutmaßlichen Mitgliedern des NSU zeitweise Unterschlupf. Vor Gericht gab er sich wortkarg - um sich selbst nicht zu belasten.

DPA

Oberlandesgericht München: Eingang zum NSU-Prozess

Donnerstag, 20.02.2014   17:50 Uhr

München - Im NSU-Prozess hat ein wichtiger Zeuge aus dem Umfeld der mutmaßlichen Rechtsterroristen die Aussage verweigert. Während der Ermittlungen hatte Max-Florian B. noch umfangreiche Angaben gemacht, seine Aussagen füllen einen ganzen Aktenordner. Sie belasten die Hauptangeklagte Beate Zschäpe wie auch den Mitangeklagten André E. Auf einen Anwalt hatte er damals verzichtet - er wolle sich nicht verstecken, ließ B. wissen.

Der 36-Jährige habe sich "sehr kooperativ verhalten von Anfang an", sagte ein BKA-Beamter aus. Irgendwann muss B. seine Meinung geändert haben. Zu seiner Vernehmung vor Gericht erschien er in Begleitung eines Anwalts. Wie vorher angekündigt, berief er sich auf das Recht, die Aussage zu verweigern, um sich nicht selbst der Strafverfolgung auszusetzen. Stattdessen wurden Vernehmungsbeamte gehört. B. ist nicht der erste Zeuge, der sich vor Gericht deutlich schweigsamer zeigt als in den Vernehmungen zuvor.

Die Bundesanwaltschaft ermittelt gegen ihn wegen Unterstützung einer terroristischen Vereinigung. Er hatte Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt nach deren Untertauchen 1998 zwischenzeitlich Unterschlupf gewährt. Zeitweise teilte er seine Zwei-Zimmer-Wohnung in Chemnitz mit den drei mutmaßlichen Neonazi-Terroristen.

Mundlos ließ sich von Bekannten "Max" nennen

Nachdem sich Böhnhardt und Mundlos am 4. November 2011 umgebracht hatten, wurde ein auf B. lautender Pass in dem ausgebrannten Wohnmobil gefunden. Das Passfoto zeigt jedoch Mundlos. B. hatte zugegeben, dass er den dreien seinen Ausweis geliehen hatte, damit sich Mundlos einen Pass ausstellen lassen konnte. Auch eine Geburtsurkunde von B. wurde in der Zwickauer Wohnung gefunden. Mundlos trat unter B.s Namen auf; von Bekannten ließ er sich "Max" nennen.

Ähnlich wie bei dem Mitangeklagten Holger G. hielten Zschäpe, Mundlos und Böhnhardt Kontakt zu B. - wohl auch, um über sein Leben auf dem Laufenden zu bleiben. Auf der Rückseite der Geburtsurkunde waren die Namen und Geburtsdaten von B.s Kindern notiert. Einmal hätten die drei mutmaßlichen Mitglieder der Terrorzelle "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU) ihm Sparschweine für seine Kinder geschenkt, mit jeweils 100 Euro darin, sagte B. den Beamten.

B. war auch bei Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe zu Besuch in Zwickau. Die Wohnung sei "spießig und kitschig" eingerichtet gewesen, sagte er. "Ich habe weder Nazi-Symbole noch Waffen noch besondere Sicherungen oder sonstige Auffälligkeiten außer einem Hometrainer festgestellt", heißt es in dem Protokoll, aus dem der Vorsitzende Richter Manfred Götzl vorlas.

Zschäpe habe in der Gruppe eine "gleichberechtigte Stellung" gehabt, heißt es in den früheren Aussagen B.s. Sie sei auf keinen Fall ein "Mäuschen" gewesen, das den beiden Männern nur das Essen kochte. Diese Aussagen belegen der Anklage zufolge die wichtige Rolle Zschäpes und den Vorwurf der Mittäterschaft bei den Anschlägen der Terrorgruppe.

Auch zum Mitangeklagten André E. hatte der gelernte Steinmetz B. den Ermittlern einiges gesagt - die drei mutmaßlichen Terroristen hätten zu E. offenbar engeren Kontakt gehalten. Ihm selbst scheint E. irgendwann eher auf die Nerven gegangen zu sein - nach einer Weihnachts-SMS mit dem Gruß "Heil Odin!" habe er den Kontakt abgebrochen.

NSU-Chronik

wit/dpa

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