Panorama

NSU-Prozess zu Mord an Polizistin

"Ich konnte keine ersten Maßnahmen mehr treffen"

Der Anschlag auf eine Polizistin in Heilbronn war mutmaßlich der letzte Mord von Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos. Im NSU-Prozess haben nun Beamte über die Minuten nach der Tat ausgesagt. Für ihre Kollegin kam jede Hilfe zu spät.

Donnerstag, 16.01.2014   12:44 Uhr

München - Im NSU-Prozess haben Polizeibeamte geschildert, wie sie nach dem Anschlag auf zwei Polizisten in Heilbronn ihre Kollegen auffanden. "Ich bin davon ausgegangen, dass ich keine ersten Maßnahmen mehr treffen kann", sagte ein Polizeihauptkommissar über die Situation der Beamtin Michèle Kiesewetter. Nach seiner Einschätzung war sie nach einem Kopfschuss bereits tot.

Ihr damals 24 Jahre alter Kollege, der mit ihr im Streifenwagen Pause gemacht hatte, überlebte das Attentat schwer verletzt. Er soll am Nachmittag als Zeuge vernommen werden. Den Beamten zufolge habe er damals noch kurz die Augen geöffnet und sei direkt von Sanitätern versorgt worden. Bereits nach kurzer Zeit sei aufgefallen, dass beiden Beamten die Dienstwaffen entwendet worden seien, sagte einer der Zeugen aus.

Laut Anklage verübten Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt den Anschlag im April 2007. Die Waffen der beiden Polizisten wurden im November 2011 neben den Leichen von Böhnhardt und Mundlos entdeckt. Die beiden Neonazis nahmen sich nach einem missglückten Banküberfall in Eisenach das Leben.

Bei der Tat von Heilbronn handelt es sich um den letzten bekanntgewordenen Mord, für den der Nationalsozialistische Untergrund (NSU) verantwortlich gemacht wird. Die Hintergründe sind bis heute unklar.

Beate Zschäpe ist im NSU-Prozess als Mittäterin bei zehn Morden angeklagt. Zudem müssen sich die mutmaßlichen NSU-Helfer Ralf Wohlleben, André E., Holger G. und Carsten S. vor dem Oberlandesgericht München verantworten.

hut/dpa/AFP

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