Panorama

NSU-Prozess

"Ich fahr' gerade Lisl und Geri wo hin"

Wie nah stand André E. dem NSU-Trio? Nach Aussagen der Kripo-Spezialisten vor dem Oberlandesgericht München: sehr. Dies gehe aus den vielen Telefonaten und SMS zwischen Beate Zschäpe und dem Mitangeklagten E. hervor.

DPA

Angeklagte Beate Zschäpe (M.): Handy-Verbindungen verraten Terrorhelfer

Mittwoch, 28.05.2014   20:32 Uhr

München - Tausende Handyverbindungsdaten haben die Spezialisten für die Ermittlungen gegen den NSU ausgewertet. Nun präsentierten die Kriminalbeamten ihre Ergebnisse vor dem Oberlandesgericht München - und rückten erneut den Mitangeklagten André E. in den Fokus.

E. ist nach Ansicht der Anklage einer der treuesten Helfer des bis 2011 untergetauchten NSU-Trios. Ihm wird vorgeworfen, der Hauptangeklagten Beate Zschäpe bei der Flucht geholfen zu haben. Er soll sie in seinem Auto zum Bahnhof gefahren haben. Kriminalbeamte sagten nun im Zeugenstand, sie könnten nach Auswertung Tausender Handyverbindungsdaten viele Telefonate und SMS zwischen André E. und Zschäpe nachweisen. E. soll bis zum Schluss den Kontakt mit den drei mutmaßlichen NSU-Terroristen gehalten haben.

Die Spezialisten des Bundeskriminalamts (BKA) und der bayerischen Polizei hatten sich auf die letzten Monate vor dem Auffliegen des Trios am 4. November 2011 konzentriert, als Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt in ihrem brennenden Wohnmobil in Eisenach starben und Zschäpe in Zwickau die Wohnung in Brand setzte und floh. Am Nachmittag dieses Tages habe E. drei Anrufe von einem Handy bekommen, das mutmaßlich von Zschäpe verwendet worden sei, sagte ein BKA-Beamter. Zwei Mal habe E. angerufen.

Daten von 8900 Handy-Telefonaten ausgewertet

Als Beleg für das enge Verhältnis zwischen E. und Zschäpe werten die Ermittler zudem auch mehrere SMS, die E. an seine Ehefrau schickte. In einer heißt es: "Ich fahr' gerade Lisl und Geri wo hin, Mausi". Die Spitznamen "Lisl" und "Geri" stehen nach Erkenntnis der Strafverfolger für Zschäpe und Uwe Böhnhardt. Diese SMS verschickte E. am 25. Oktober 2011, also nur neun Tage vor dem Ende des NSU-Trios.

Für die Auswertung standen den Spezialisten die Verbindungsdaten von 8900 Handytelefonaten und die teils aufwendig rekonstruierten Speicherdaten aus mehreren Handys zur Verfügung. Auffällig sei, dass sich ab 4. November keine SMS mehr auf den Handys von E. und seiner Frau gefunden hätten. Sonst hätten beide täglich viele Kurznachrichten verschickt und bekommen, so die Spezialisten.

Die Verteidiger des als Helfer mitangeklagten Ralf Wohlleben beantragten unterdessen die Entlassung ihres Mandanten aus der U-Haft. Seine Anwältin sagte, das Gericht lasse sich zu viel Zeit und habe wichtige Zeugen bis heute nicht vernommen. Die inzwischen zweieinhalb Jahre lange U-Haft-Dauer sei unverhältnismäßig.

gam/dpa

insgesamt 10 Beiträge
kulinux 28.05.2014
1. Und was ist nun mit den Anrufen…
aus dem Sächsischen Innenministerium auf Tschäpes Handy kurz nach dem Tod der beiden Uwes? Wer hat da angerufen? Woher hatte der Tschäpes Nummer? Was wollte der eigentlich? (Sie warnen, klar – aber woher wusste er [...]
aus dem Sächsischen Innenministerium auf Tschäpes Handy kurz nach dem Tod der beiden Uwes? Wer hat da angerufen? Woher hatte der Tschäpes Nummer? Was wollte der eigentlich? (Sie warnen, klar – aber woher wusste er buchstäblich innerhalb weniger Minuten vom Tod der beiden?) Usw. usf. Da ist ein Sumpf, von dem wir in diesem Prozess nicht einmal die Oberfläche zu sehen bekommen. Eine Schande!
hatschon 29.05.2014
2. Ich bin in Deutschland
Oder eine U - Haft von 3Jahren ist lang . Aber 10 Morde sind länger . Wenn ich jetzt noch weiter schreibe wird das nicht gezeigt also . Kein Mitleid mit Mördern egal ob rechts oder links oder was auch immer!
Oder eine U - Haft von 3Jahren ist lang . Aber 10 Morde sind länger . Wenn ich jetzt noch weiter schreibe wird das nicht gezeigt also . Kein Mitleid mit Mördern egal ob rechts oder links oder was auch immer!
fritze28 29.05.2014
3. Auswertung
Ob diese Auswertung auch nach den Gesetzen des Rechtsstaates stattgefunden haben, oder wie gestern Abend im ZDF berichtet, durch illegale Abhöraktionen? oder wurde vielleicht alles, von über eifrigen, von Vorurteilen [...]
Ob diese Auswertung auch nach den Gesetzen des Rechtsstaates stattgefunden haben, oder wie gestern Abend im ZDF berichtet, durch illegale Abhöraktionen? oder wurde vielleicht alles, von über eifrigen, von Vorurteilen unerfüllten Beamten, die vermutlich noch rote Parteibücher im Schrank haben, alles zusammen greimmt? Ich denke das BKA und LKAs haben mehr mit allem zu tun, als sie berichten dürfen. Dieser Staat und seine Behörden sind korrupt bis ins letzte Glied. Hinterfragen sie als objektives Medium endlich mal und lassen sie sich nicht vor einen Karren spannen. aber vielleicht haben sie ja auch Angst, komisch ist schon das dauerhafte Zeugen sterben. ein Schelm der Böses dabei denkt.
noelkenproettel 29.05.2014
4. 8900 Telefonate...
ist ja schon der Hammer und warum wurden die 3 nicht vorher gefasst, wenn anrufe und SMS bekannt waren?? Ist schon alles sehr seltsam, und rauskommen wird nie was da bin ich mir sicher, der Verfassungsschutz steckt doch da bis [...]
ist ja schon der Hammer und warum wurden die 3 nicht vorher gefasst, wenn anrufe und SMS bekannt waren?? Ist schon alles sehr seltsam, und rauskommen wird nie was da bin ich mir sicher, der Verfassungsschutz steckt doch da bis zum Hals mit drin , und von dieser Seite werden beweise längst vernichtet/geschräddert sein, das haben die ja bekantlicherweise gut drauf...
geck0 29.05.2014
5. Skandal
Es ist ein Skandal dass hier Handy-Verbindungsdaten ausgewertet wurden, um schwere Verbrechen aufzuklären...Gegen Vorratsdatenspeicherung!!
Es ist ein Skandal dass hier Handy-Verbindungsdaten ausgewertet wurden, um schwere Verbrechen aufzuklären...Gegen Vorratsdatenspeicherung!!

Verwandte Themen

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung

TOP