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Sachsen-Anhalt

Zwei Tote nach Schüssen in Halle - Täter versuchte, in Synagoge einzudringen

Bei Schüssen in Halle wurden ein Mann und eine Frau getötet. Ein Verdächtiger wurde festgenommen, weitere Täter sind möglicherweise noch auf der Flucht. Ziel war offenbar die jüdische Gemeinde.

Foto: Andreas Splett/ AFP
Mittwoch, 09.10.2019   14:21 Uhr

Anmerkung der Redaktion: Dieser Text spiegelt einen überholten Informationsstand wieder. Unter anderem hat sich herausgestellt, dass der Täter in Halle offenbar allein handelte. Alle Artikel zu dem Fall finden Sie hier.

Die Polizei hat nach den tödlichen Schüssen in Halle einen Verdächtigen festgenommen. Details zu dem mutmaßlichen Täter sind noch nicht bekannt. Mindestens zwei weitere Menschen wurden verletzt, sie werden laut einem Sprecher mit Schussverletzungen im Universitätsklinikum behandelt. Es handle sich um einen Mann und eine Frau.

Laut Polizei war zuvor in Halle ein Mann in einem Imbiss erschossen worden, eine Frau war in der Humboldtstraße in der Nähe des Friedhofs getötet worden. Die Lage ist noch unübersichtlich: Nach ersten Erkenntnissen fielen im Paulusviertel nördlich der Altstadt mehrere Schüsse. Die Polizei wurde nach eigenen Angaben um kurz nach 12 Uhr alarmiert, die Ermittler schrieben auf Twitter von mehreren Tätern.

Inzwischen hat die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen übernommen. Man ermittle wegen Mordes, sagte ein Sprecher. Der Schritt sei wegen der "besonderen Bedeutung des Falls" erfolgt. Es gehe hier um "die innere Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland betreffende Gewaltdelikte". Alle aktuellen Entwicklungen lesen Sie hier im Newsblog.

Ein Verdächtiger versuchte offenbar in die im Paulusviertel gelegene Synagoge einzudringen. Max Privorozki, der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde in Halle, bestätigte dem SPIEGEL den Vorfall (lesen Sie hier, was in der Synagoge geschehen ist). "Momentan sind 70 bis 80 Personen in der Synagoge", sagte Privorozki.

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Sachsen-Anhalt: Tödliche Schüsse in Halle

Die Sicherungsvorkehrungen am Eingang haben "dem Angriff standgehalten", sagte er weiter. Gegenwärtig begehen Jüdinnen und Juden auf der ganzen Welt Jom Kippur, den höchsten jüdischen Feiertag. Auch deshalb befanden sich wohl so viele Mitglieder in dem Gotteshaus.

Verdächtiger trug offenbar Kampfmontur

Die mutmaßlichen Täter seien später in einem Fahrzeug geflohen, hatte die Polizei mitgeteilt. Einer der Verdächtigen trug laut Fotos und Videos von Augenzeugen, die dem SPIEGEL vorliegen, einen Helm und Kleidung, die einer Kampfmontur ähnelten.

Nach Informationen des SPIEGEL handelt es sich um mindestens zwei Täter. Sie trennten sich nach dem Angriff - einer der Verdächtigen floh im Taxi und konnte auf der Autobahn gestoppt werden.

Neben den Schüssen in Halle fielen laut Polizei auch Schüsse im rund 15 Kilometer entfernten Landsberg. Zu den näheren Umständen des Vorfalls machte eine Sprecherin keine Angaben.

Die Stadtverwaltung teilte mit: "Im Zusammenhang mit einer Amoklage hat Oberbürgermeister Dr. Bernd Wiegand den Stab für Außergewöhnliche Ereignisse einberufen." Alle Rettungskräfte der Feuerwehr seien in Alarmbereitschaft versetzt worden.

Die Stadt gab eine Meldung über die Kat-Warn-App heraus, mit dem Hinweis an die Bevölkerung, Gebäude und Wohnungen bis auf Weiteres nicht zu verlassen. Unter der Nummer 115 können sich die Bürger informieren.

Die Polizei twitterte, man sei mit starken Kräften unterwegs. Die Menschen sollten in ihren Wohnungen bleiben. "Bleiben Sie trotzdem weiterhin wachsam", schrieb die Polizei nach der ersten Festnahme. Außerdem riefen die Ermittler dazu auf, Spekulationen zu unterlassen.

Das Lagezentrum der Landesregierung warnte unterdessen vor einem "Schusswaffengebrauch im Bereich Landsberg" östlich von Halle. Dort wurden die Anwohner ebenfalls aufgefordert, Gebäude und Wohnungen nicht zu verlassen.

Der Bahnhof von Halle ist nach Angaben der Deutschen Bahn wegen einer polizeilichen Ermittlung gesperrt. Das teilte das Unternehmen auf Twitter mit.

Regierung bestürzt

Die Bundesregierung hat sich bestürzt über die tödlichen Schüsse von Halle gezeigt. Regierungssprecher Steffen Seibert sprach von "schrecklichen Nachrichten". Dass es zwei Tote gebe, sei "entsetzlich". Er hoffe sehr, "dass die Polizei den Täter oder die Täter möglichst schnell fassen kann und kein weiterer Mensch in Gefahr kommt". Es sei nun ganz wichtig, dass die Bevölkerung den Anweisungen der Polizei Folge leiste.

Seibert betonte, dass er noch keine Informationen zu den möglichen Hintergründe habe. Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums äußerte sich ähnlich: Zur Motivlage seien "derzeit keine seriöse Angaben" möglich.

dop/rol/thei/srö/jpz/AFP/dpa

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