Panorama

Menschenhandel in Stuttgart

"Bordellkönig" zu fünf Jahren Haft verurteilt

Menschenhandel, Zuhälterei und Betrug: Das Landgericht Stuttgart hat einen als "Bordellkönig" bekannt gewordenen Geschäftsmann schuldig gesprochen. Der 65-Jährige hatte mit Rockergruppen zusammengearbeitet.

DPA

Angeklagter im Stuttgarter Landgericht

Mittwoch, 27.02.2019   11:58 Uhr

Im Prozess um Menschenhandel und Zwangsprostitution in der Bordellkette "Paradise" hat das Landgericht Stuttgart den früheren Chef des Etablissements zu fünf Jahren Haft verurteilt. Die Richter sprachen den als "Bordellkönig" bekannten 65-Jährigen der Beihilfe zum Menschenhandel, der Zuhälterei und des Betrugs schuldig.

Auch zwei weitere Angeklagte erhielten Freiheitsstrafen: Der Presse- und Marketingchef des Rotlichtbetriebs soll für drei Jahre und drei Monate ins Gefängnis, ein steuerlicher Berater wurde wegen Beihilfe zum Betrug zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und vier Monaten verurteilt.

Nach außen arbeiteten die Betreiber am Image eines sauberen, ehrlichen Vorzeigebordells: Er habe lediglich die Plattform geboten - also die Räume und eine Wellness-Umgebung. Die Prostituierten hätten dort selbstständig gearbeitet, behauptete der Chef früher.

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Razzia im Bordell "Paradise" (2014)

Tatsächlich hätten die Rockergruppen Hells Angels und United Tribuns dem Großbordell in Leinfelden-Echterdingen Prostituierte zugeführt, stellte das Gericht nun fest. Die Frauen wurden von ihren Zuhältern in vielen Fällen bedroht, geschlagen und erniedrigt, wie der Vorsitzende Richter sagte. Ziel sei es gewesen, die oft sehr jungen Prostituierten gefügig zu machen.

Erst im Dezember hatte das Gericht den früheren "Paradise"-Geschäftsführer zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt . Der 53-Jährige habe unter anderem Beihilfe zum Menschenhandel und zur sexuellen Ausbeutung geleistet, sagte der Richter. Der weitgehend geständige Mann habe zugleich billigend in Kauf genommen, dass Frauen in dem Großbordell in Leinfelden-Echterdingen zur Prostitution gezwungen worden seien.

In dem Großbordell waren auch viele Frauen unter 21 Jahren tätig, einige aus Osteuropa. Der jetzt verurteilte Hauptbeschuldigte hatte 2008 sein erstes Bordell vor den Toren von Stuttgart eröffnet. Es kamen weitere Großbetriebe in Frankfurt, Saarbrücken und Graz hinzu.

mxw/dpa

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