Panorama

Toter Säugling in Mönchengladbach

Mutter zu Freiheitsstrafe verurteilt

Die Mutter eines in Mönchengladbach getöteten Babys ist zu drei Jahren Haft verurteilt worden. Sie war nicht eingeschritten, als ihr damaliger Mann ihren Sohn stundenlang zu Tode quälte.

Marcel Kusch/dpa

Montag, 01.07.2019   16:00 Uhr

Das Düsseldorfer Landgericht hat eine 29-Jährige wegen Beihilfe zur Körperverletzung mit Todesfolge sowie Beihilfe zur schweren Misshandlung von Schutzbefohlenen schuldiggesprochen. Beides habe sie jeweils durch Unterlassen begangen.

Schon mit "geringstmöglichem Aufwand" hätte die Angeklagte verhindern können, dass ihr Sohn Leo von ihrem eifersüchtigen Mann getötet werde, erklärte der Vorsitzende Richter. "Sie hätte einfach aufstehen können, oder nur ihrem Mann zeigen müssen, dass sie wach ist." Sie habe gewusst, dass ihr Kind in der Nähe ihres Mannes in Gefahr gewesen sei. Dies hätten ältere Verbrühungen und blaue Flecken am Körper des Kindes gezeigt.

Der Verteidiger der Frau hatte eine Bewährungsstrafe beantragt. Sie habe sich schlicht nicht vorstellen können, dass ihr Mann ihrem Kind so etwas antut. "Ich bin schon gestraft. Ich habe schon lebenslang, weil ich mein Leben ohne Leo verbringen muss", hatte die 29-Jährige vor der Urteilsverkündung unter Tränen gesagt.

Es war bereits der dritte Prozess gegen die Mutter. Zwei bisherige Verurteilungen hatte der Bundesgerichtshof wegen Mängeln aufgehoben. Deshalb musste erneut verhandelt werden, und zwar in Düsseldorf.

Der Mann soll den erst 19 Tage alten Jungen in einer Oktobernacht 2015 so lange in eine Decke gedrückt haben, bis dieser aufhörte zu atmen. Ermittler hatten nach der Tat gesagt, der Vater habe sich mit der Geburt des Kindes offenbar in seinen Gewohnheiten eingeschränkt gefühlt, da er nicht mehr bis mittags habe schlafen können.

ala/dpa

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