Panorama

Betroffene rechter Übergriffe

"Der Hass kommt immer näher"

Seit dem Mord an Walter Lübcke diskutiert Deutschland verstärkt über rechte Gewalt. Hier erzählen Menschen, die seit Jahren beschimpft, bedroht oder bedrängt werden, von ihren Erfahrungen.

Protokolle von , und
Samstag, 22.06.2019   10:40 Uhr

Der Mord an Walter Lübcke hat die Öffentlichkeit aufgeschreckt. Ersten Ermittlungsergebnissen zufolge war es das erste Mal in der Geschichte der Bundesrepublik, dass ein Politiker aus mutmaßlich rechtsextremen Motiven getötet wurde. Es ist eine Zäsur.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sagte, Kommunalpolitiker verdienten Schutz. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sprach im Fernsehen von einer "erheblichen Gefährdungslage". Rechte Gewalt ist mit einem Schlag in den Mittelpunkt der Debatte gerückt.

Dabei ist sie für viele Menschen in diesem Land schon lange ein Thema. Seit Jahren erleben sie immer wieder Übergriffe von rechts. Sie werden zur Zielscheibe, weil jemandem ihre Hautfarbe nicht passt, weil sie sich für Flüchtlinge engagieren oder weil sie schwul sind. Hier erzählen einige von ihnen vom Alltag mit der rechten Bedrohung.


Viviana Weschenmoser, 31, Jurastudentin und SPD-Stadträtin aus Horb am Neckar:

Benjamin Breitmaier

SPD-Politikerin Weschenmoser: Drei Patronen im Briefkasten

"Ich habe am Dienstag vergangener Woche im Briefkasten nicht nur Post gefunden - sondern auch drei Patronen, vielleicht zwei Zentimeter lang. Die habe ich in ein Taschentuch gewickelt, zur Polizeiwache gebracht und Anzeige erstattet. Ich habe das schon als Bedrohungsszenario wahrgenommen. Ein Bekannter hat mir später gesagt, dass die Munition zu Waffen passen könnte, die Sportschützen oder Jäger nutzen. Auf jeden Fall gehören diese Patronen zu Schusswaffen, die gemeldet werden müssen.

Stimmenfang #103 - Rechter Terror? Die Konsequenzen aus dem Mordfall Lübcke

Ich weiß nicht, welches Motiv die Täter hatten - theoretisch könnte es auch ein schlechter Scherz sein. Aber mein Briefkasten liegt versteckt, zufällig sind die Patronen da wohl kaum gelandet. Ich stehe für eine Nulltoleranz-Politik gegen Ausgrenzung, Respektlosigkeit und Gewalt. Zum ersten Mal habe ich 2007 an einer Kundgebung gegen eine NPD-Demo hier in Horb teilgenommen, damals habe ich als Schülervertreterin eine Rede gegen Rechtsextremismus gehalten.

Viviana Weschenmoser

Patronen aus Weschenmosers Briefkasten

Schon in den vergangenen Jahren gab es ein paar Vorfälle: Flugblätter in meinem Briefkasten, Schmierereien an der Hauswand, Beleidigungen auf Facebook. 2016 hat mich auch jemand nach einer Bürgerversammlung über den geplanten Bau einer Flüchtlingsunterkunft angesprochen: 'Ich wünsch dir, dass du vergewaltigt wirst von so einem Flüchtling, dann kommst du auch mal zur Vernunft!' So etwas kann ich nicht vergessen, das war richtig hässlich.

Es sickern immer mehr von diesen Dingen in unsere Gesellschaft ein, bei denen noch vor 20 Jahren ganz klar war: Man macht so was nicht. Wir brauchen mehr gesellschaftliche Achtsamkeit. Da könnte jetzt eine richtige Welle losgetreten werden, wenn der Wille da ist. Das sehe ich aber noch nicht - weil der politische Steuerungswille fehlt.

Ich selbst werde mein Leben nicht umkrempeln. Ich habe keine Angst, weil ich keine Angst haben will. Die meisten Menschen sind freundlich und respektvoll, die anderen lediglich Ausnahmen - und die dürfen nicht den Ton angeben. Denn an 364 Tagen im Jahr sind ja keine Patronen in meinem Briefkasten."


Uwe Dziuballa, 54, führt das jüdische Restaurant "Schalom" in Chemnitz:

Hendrik Schmidt/ DPA

Dziuballa: Schweineköpfe vor dem Restaurant

"Vor meinem Lokal lagen schon Schweineköpfe. Jemand schmierte einen durchgestrichenen Davidstern mit meinen Initialen an die Wand, Terrassenstühle wurden zerstört. Seit gut 19 Jahren führe ich das Restaurant, der Sachschaden in all der Zeit beträgt mehr als 40.000 Euro. Ich habe ungezählte Anrufe bekommen wie: 'Judenschwein' oder 'Verpiss dich nach Israel'. Manchmal lege ich auf und habe das sofort wieder vergessen. An anderen Tagen belastet mich das stundenlang.

Im vergangenen Jahr warfen sie Pflastersteine und Bierflaschen nach mir. Ich wurde an der Schulter verletzt. Mir ging der Hintern auf Grundeis, denn damals haben sie mich persönlich angegriffen, nicht das Restaurant.

In all den Jahren kam mir natürlich mal der Gedanke: Will ich das alles noch? Ich bin in Jugoslawien aufgewachsen, lebte lange in den USA. Gerade mache ich Urlaub in Israel, da fühle ich mich verdammt wohl. Hier kann ich ohne Probleme meine Kippa tragen, das genieße ich. Doch Chemnitz ist meine Heimat. Meine Mutter kommt von hier, unsere Familie lebt seit Anfang des 18. Jahrhunderts auf deutschem Gebiet. Ich habe mein Restaurant, es wurde schon zwei Mal im Michelin empfohlen. Das alles will ich mir nicht von ein paar Dummköpfen kaputt machen lassen.

Auf jedes schlimme Ereignis kommen 25 positive. Neulich hat jemand Eier auf mein Restaurant geworfen. Ich habe sauber gemacht. Der Nachbar von gegenüber war enttäuscht, dass ich ihn nicht um Hilfe gebeten habe. Wir gehören zum Viertel. Wir sind die Kiezkneipe in Brühl. Werden wir angegriffen, fühlen sich auch die anderen betroffen."


Steffi Brachtel, 44, Kellnerin, engagiert sich gegen Rechts und hilft Flüchtlingen in Freital, Sachsen:

Sebastian Kahnert/ dpa-Zentralbild/ DPA

Brachtel: "Ich hatte das Gefühl, der Hass kommt immer näher."

"In der Nacht vom 10. auf den 11. August 2015 explodierte mein Briefkasten. Das Datum kenne ich genau, weil meine Nichte Geburtstag hatte. Ich war nicht zu Hause, sondern bei meinen Eltern. Ein Freund rief an: 'Geht es dir gut?' So erfuhr ich von dem Anschlag.

Zuvor hatte ich mich für eine Flüchtlingsunterkunft in Freital eingesetzt. Zuerst beschimpfte man mich im Netz als linke Zecke. Dann, eines Nachts, verfolgte mich ein Wagen. Ich sprach ein Ehepaar an, die begleiteten mich nach Hause. Ich weiß nicht, wer dahinter steckte. Es sollte wohl ein Warnschuss sein. Zwei Wochen später ging dann der Böller in meinem Briefkasten hoch. Erst die Kommentare, dann die Nachstellung - und schließlich die Explosion: Ich hatte das Gefühl, der Hass kommt immer näher.

Selbst mein Sohn, damals 16 Jahre alt, wurde angegriffen. Er beobachtete mit Freunden eine rechte Demo in Freital, Vermummte griffen die drei an. Sie konnten sich in ein Auto retten. Da kam ich schon in eine Zwickmühle. Ich bin ja nicht nur Aktivistin, sondern auch Mutter. Die Angreifer gehörten wahrscheinlich zur rechtsterroristischen 'Gruppe Freital'. Die deponierten wohl auch den Böller in meinem Briefkasten. Heute ist es ruhiger geworden. Doch die Angriffe haben nicht aufgehört. Neulich war ich für eine TV-Dokumentation wieder vor dem Flüchtlingsheim, es steht inzwischen leer. Ein Anwohner schrie, wir sollten verschwinden. 'Mistkuh' nannte er mich.

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Mir kam trotzdem nie der Gedanke, aufzuhören. Ich muss meinen Mund aufmachen. Ich bin montags in Dresden und demonstriere gegen Pegida. Was für Töne da gespuckt werden, es ist erschreckend. Wie die Leute 'absaufen, absaufen' rufen und jubeln. Da gibt es einen Stand, an dem sie Solidarität mit der inhaftierten Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck fordern. Wir stehen 20 Meter weiter und lesen jüdische Schicksale vor. 'Ihr lügt', 'Ihr spinnt', 'Die Juden sind doch weg, was wollt ihr?' - sowas sagen die Leute dann zu uns. Diese Ignoranz, dieser unverhohlene Antisemitismus, das macht mir Angst."


Merlin M.* , 27, Fotojournalist aus Niedersachsen:

"Ich recherchiere seit Jahren in der rechten Szene. Im April vergangenen Jahres war ich mit einem Kollegen am Haus des Thüringer NPD-Chefs Thorsten Heise in Fretterode. Wir saßen gerade im Auto, als plötzlich ein Mann auf uns zugerannt kam. Weil wir keine Auseinandersetzung wollten, sind wir schnell weggefahren. Wenig später, als wir nach einer großen Runde wieder im Ort waren, stand plötzlich ein Auto auf der Straße, und wir mussten im Rückwärtsgang flüchten - weil einer mit einem riesigen Schraubenschlüssel auf uns zukam.

Es kam dann zu einer wilden Verfolgungsjagd durch drei Dörfer, und als sich irgendwann einer unserer Verfolger in den Weg stellte, sind wir schließlich im Graben gelandet. Dann ging's richtig los: Die beiden haben die Scheiben unseres Autos eingeschlagen und Pfefferspray in den Wagen gesprüht. Einer stach dann mit einem Messer durchs eingeschlagene Fenster in meine Richtung, während der andere meinen aus dem Auto geflüchteten Kollegen mit dem Schraubenschlüssel attackierte.

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Ich hatte eine Stichwunde am Oberschenkel, meinen Kollegen fand ich blutüberströmt draußen. Erst vor Kurzem haben die Ärzte entdeckt, dass er damals einen Schädelbruch erlitten hat und deshalb operiert werden muss.

Die Täter haben meine Kameraausrüstung mitgenommen und sind abgefahren - zum Glück hatte ich noch rechtzeitig Fotos gemacht und die Speicherkarte ausgetauscht. Diese Bilder sind wichtige Beweisstücke, sie werden demnächst sicher auch vor Gericht Thema.

Nach diesem Angriff habe ich zunächst einen Monat Pause gemacht und danach erst mal nur bei Veranstaltungen fotografiert, wo es massive Polizeiaufgebote gab. Im direkten Umfeld von Rechtsextremisten, also zum Beispiel vor Häusern von Szenegrößen, fotografiere ich gar nicht mehr - weil mir das zu riskant ist. Dass Rechtsextreme für ihre Ziele auch töten würden, ist für mich jedenfalls nicht neu."

*Name von der Redaktion geändert


Marcel Spittel , Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Magdeburg:

privat

Spittel: Mit einer Flasche beworfen

"Ich lebe seit zwei Jahren in Neubrandenburg, einer Stadt in Mecklenburg-Vorpommern. Als Vorsitzender des Vereins queerNB hatte ich eine Demonstration gegen einen Thor-Steinar-Laden besucht, in dem Kleidung rechter Labels verkauft wird. Auf dem Weg nach Hause habe ich dann gemerkt, dass mir zwei Männer gefolgt sind. Ich trug eine eingerollte Regenbogenflagge unter meinem Arm, die wir auf der Demonstration geschwenkt haben.

Die Männer sahen aus wie Türsteher, einer hatte eine grüne Jacke an, wie die eines Jägers. Kurz vor meiner Haustür warfen sie eine Flasche auf mich - zum Glück wurde ich nicht getroffen. Im Haus rief ich die Polizei an. Die teilte mir mit, dass gerade niemand Zeit hat. Währenddessen warteten die Männer, die ich für Rechte hielt, vor meinem Haus.

Ich habe mich absolut nicht ernst genommen gefühlt. Die Polizei hat später eingeräumt, dass der Beamte am Telefon einen Fehler gemacht hat - es hätte auf jeden Fall jemand zu mir kommen müssen. Ich habe dann die Bundespolizei angerufen, die auch kam. Das war wichtig für mich, zu sehen: Ich habe nichts falsch gemacht, das war eine Straftat und es wird ermittelt.

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In den Tagen und Wochen nach der Tat fühlte ich mich oft beobachtet und hatte das Gefühl verfolgt zu werden. Wenn ich allein unterwegs war, habe ich mich immer wieder umgedreht, um zu schauen, ob da jemand ist.

Inzwischen hat sich das gelegt. Manche Menschen haben zu mir gesagt: 'Du weißt ja gar nicht, ob das eine homophobe Straftat war, ob das Rechte waren'. Natürlich weiß ich das nicht sicher, aber so ist es bei mir angekommen und deswegen hat sich auch mein Verhalten geändert. Vielleicht ist das auch eine Strategie der Rechten: Es ist nicht eindeutig, wo die Aggression herkommt, und durch solch eine diffuse Einschüchterung wird gesellschaftliches Engagement, wie die Demonstration, die ich besucht habe, verhindert."


Aminata Touré, 26, Grünen-Abgeordnete in Schleswig-Holstein:

Abgeordnete Touré: "Als Politiker sind wir exponiert."

"Der Mord an Walter Lübcke berührt mich als Politikerin besonders. Offenbar hat alleine seine humane Positionierung gereicht, um zur Zielscheibe zu werden. Das Erstarken der Rechten war für mich der Grund, jetzt Politik zu machen.

Als Politiker sind wir exponiert. Das geht auch mir so, als einzige schwarze Abgeordnete in Schleswig-Holstein. Ich habe noch keine körperliche Gewalt erlebt, aber Rassismus: beleidigende E-Mails, krasse Kommentare in den sozialen Medien. Vor zwei Jahren habe ich in Kiel eine Wohnung nicht bekommen. Über Umwege erfuhr ich, warum: Der Vermieter wollte keine Schwarzen im Haus.

Doch solche Einzelbeispiele erzähle ich ungern. Irgendwer erklärt mir dann immer, warum das doch kein Rassismus war und ein Einzelfall. Studien zeigen aber, dass es kollektive Erfahrungen sind. Als Politikerin ist eines meiner wichtigsten Themen ein Aktionsplan gegen Rassismus, der bei uns in Schleswig-Holstein im Koalitionsvertrag steht. Es geht darum, das Problem in staatlichen Institutionen und in der Zivilgesellschaft zu bekämpfen. Beispiele sind Kolonialismus in Schulbüchern oder rassistische und rechtsextreme Straftaten und wie sie erkannt werden. All das wollen wir angehen."


Zuher Jazmati, 29, Student aus Berlin:

Sascha Quade

Jazmati: "Du sollst erschossen werden"

"Ich engagiere mich vor allem gegen antimuslimischen Rassismus und Queerfeindlichkeit. Ich bin in Berlin geboren, aber meine Eltern kommen aus Syrien. Dass ich queer bin, spielt bei den Angriffen auf mich keine Rolle. Meine Religion und die Herkunft meiner Eltern aber schon.

Am Tag der deutschen Einheit im Jahr 2015 habe ich etwas getwittert, was ich inzwischen bereue. Es war als Reaktion auf die sich schließenden Grenzen gedacht. Ein rechtes Netzwerk hat meinen Tweet aufgegriffen und als Bild geteilt. Plötzlich hatte ich 50 Nachrichten in meinem Posteingang - allesamt mit Gewalt- und Morddrohungen. Einer schrieb mir: 'Du sollst vom Islamischen Staat erschossen werden'.

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Ich habe diese Leute nicht angezeigt, aber ich habe tagelang nichts anderes getan als Konten auf Twitter zu blockieren. Ich finde es spannend, was für Menschen dir solche drastischen Nachrichten schicken. Meistens sind es Männer, die dir Gewalt androhen. Väter, die sonst Bilder mit ihren Kindern teilen oder solche, die ihren Arbeitgeber im Profil angegeben haben. Die Menschen scheinen keine Hemmungen mehr zu haben, ihren Hass offen zu zeigen.

Ich habe damals überlegt mich zu löschen, aber dann dachte ich: Das ist doch, was sie wollen - jemanden zum schweigen bringen, ihm seine Stimme rauben. Ich wollte mir das nicht nehmen lassen, also habe ich weiter gemacht. Dass ich - der deutsche Muslim mit syrischer Herkunft - es wage meinen Mund aufzumachen, scheint viele Menschen sehr wütend zu machen. Ich glaube, dass wir darüber reden müssen, wo rechte Gewalt beginnt. Ein Mord, oder auch Morddrohungen - das sind die Endstufen. Davor passiert schon so viel mehr."


Jamie Schearer, 33, freie Beraterin für Antirassismus:

Ciani-Sophia Hoeder

Schearer: "Für mich ist die Lage schon lange eskaliert."

"Ich komme aus Berlin. Als junges Mädchen bin ich mal in Zehlendorf in die S-Bahn gestiegen. Ein Mann sah mich und rief: 'Drecksn….....'. In Köpenick, als Jugendliche, ist mir Ähnliches passiert. Betrunkene Jugendliche beleidigten mich rassistisch. Diese Erfahrungen waren prägend. Es gibt nicht den einen Eskalationsmoment. Es sind viele kleine Momente, die mein Bewusstsein schärften.

Wir sprechen immer dann über rechte Gewalt oder Rassismus, wenn etwas Schlimmes passiert ist. Doch für mich ist die Lage schon lange eskaliert. Das zeigen die Taten des NSU und die große Zahl rassistischer Übergriffe. Die Öffentlichkeit kann das ausblenden, weil bestimmte Perspektiven nicht oder zu wenig gesehen werden, die von schwarzen Menschen etwa.

Als Aktivistin gegen Rassismus bin ich natürlich wie auf dem Präsentierteller. Auf YouTube gab es rassistische und sexistische Videos von mir, die irgendwer zusammengeschnitten hat. Mein Name steht in der Datenbank einer rechten Seite. Ich bekam rassistische E-Mails.

Ich habe lange darüber nachgedacht, das alles anzuzeigen. Andererseits: Was würde passieren? Die Videos tauchen ja doch wieder auf, es sind einfach zu viele Kommentare. Außerdem glaube ich nicht, dass das ernst genommen würde. Dazu fehlt mir das Vertrauen ins Rechtssystem. Ich konzentriere mich auf andere Dinge: die Vernetzung schwarzer Menschen etwa. Ich will nicht immer gegen Rassismus und Rechtsradikalismus kämpfen, sondern auch für eine Sache."

insgesamt 150 Beiträge
seine_unermesslichkeit 22.06.2019
1. Ist eine Welt ohne...
Hass denn wirklich eine schöne Welt? Ich meine, ist es denn nicht eher so, dass ein Paradies, in dem es nur noch die Liebe gibt, um so mehr den Keim eines "tödlichen Hasses" in sich trägt. In so einer Gesellschaft [...]
Hass denn wirklich eine schöne Welt? Ich meine, ist es denn nicht eher so, dass ein Paradies, in dem es nur noch die Liebe gibt, um so mehr den Keim eines "tödlichen Hasses" in sich trägt. In so einer Gesellschaft möchte ich nicht leben. Zwischen Liebe und Hass muss es immer eine Balance geben. Wer als Liebender den Hass verbieten will, tut sich letztlich keinen Gefallen. Goethes Faust sieht das bestimmt ähnlich so. Und wer die "Biologie des menschlichen Verhaltens" von Irenäus Eibl-Eibesfeldt gelesen hat, wird mir beipflichten.
echtermünchner 22.06.2019
2. Vergessen
In so ziemlich jeder deutschen Familie gab/gibt es einen Wehrmachtsangehörigen. Meint man in Deutschland, 74 Jahre nachdem Krieg, dass alles vergessen sei was der Opa gemacht hat? Abgesehen davon sind 74 Jahre geschichtlich ein [...]
In so ziemlich jeder deutschen Familie gab/gibt es einen Wehrmachtsangehörigen. Meint man in Deutschland, 74 Jahre nachdem Krieg, dass alles vergessen sei was der Opa gemacht hat? Abgesehen davon sind 74 Jahre geschichtlich ein Wimpernschlag. Der Rassismus lebt in den Köpfen der Deutschen weiter. Schauen sie sich nur den Alltagsrassismus und die täglichen Nettigkeiten an, die man zusehen und hören bekommt (ich bin viel rumgekommen, aber so einen Rassismus wie hier habe ich nirgendwo erlebt). Nur sagt das keiner laut aus Angst sich strafbar zu machen. Deutschland ist ein Land der Nazierben. Mit dem Stigma sollte man in Deutschland versuchen umzugehen.Das bleibt solange bestehen, bis sich keiner mehr erinnern kann.
spon-1310712841582 22.06.2019
3. Ist doch ein Schnäppchen
einen Politiker und dessen Familie mit Morddrohungen zu überziehen https://m.haz.de/Hannover/Aus-der-Stadt/Nach-Bedrohung-von-SPD-Politiker-Neonazi-zu-Geldstrafe-von-390-Euro-verurteil. Der Täter würde indentifiziert und zu 390 [...]
einen Politiker und dessen Familie mit Morddrohungen zu überziehen https://m.haz.de/Hannover/Aus-der-Stadt/Nach-Bedrohung-von-SPD-Politiker-Neonazi-zu-Geldstrafe-von-390-Euro-verurteil. Der Täter würde indentifiziert und zu 390 € Strafe verurteilt. Lächerlich! Durch solche Strafen werden diese rechten Halter geradezu ermuntert ihren dumpfen Hass im Netz zu verbreiten.Deutsche Justiz wach endlich auf!!!
steve_burnside 22.06.2019
4. Man sieht an diesen Beispiele wie feige die Rechten sind.
Die meissten dieser Anschläge passieren nachts, vermummt, anonym oder in Gruppen. Keiner dieser Typen wäre Manns genug, offen und alleine seine Meinung zu sagen. Nur in der Gruppe und gegen Schwächere sind die stark, das [...]
Die meissten dieser Anschläge passieren nachts, vermummt, anonym oder in Gruppen. Keiner dieser Typen wäre Manns genug, offen und alleine seine Meinung zu sagen. Nur in der Gruppe und gegen Schwächere sind die stark, das beweisen sie dadurch immer wieder. Einfach nur erbärmlich und feige.
chrismuc2011 22.06.2019
5.
Gerade in sozialen Medien gibt es nicht nur Aggression aus dem rechten Spektrum. Intoleranz, Rechthaberei, Aggression, Beleidigungen, Distanzlosigkeiten allenthalben. Da finden sich selbst in eigentlich unpolitischen BMW Foren [...]
Gerade in sozialen Medien gibt es nicht nur Aggression aus dem rechten Spektrum. Intoleranz, Rechthaberei, Aggression, Beleidigungen, Distanzlosigkeiten allenthalben. Da finden sich selbst in eigentlich unpolitischen BMW Foren abenteuerliche Hasstiraden Türken und Araber gegen "Stammdeutsche" und vice versa statt, dass man sich nur wundern kann. Aber auch im alltäglichen Leben wird die eigene Meinung als seeligmachende und alleingültige Wahrheit kundgetan, dort allerdings auch durch physische Taten. Autohasser ondulieren gerne mal parkendes Blech, verzieren es mit schönen krummen Linien, Kampf ums Überleben zwischen Radfahrern, Fußgängern und motorisierten Verkehrsteilnehmern allenthalben. Aggression auf Bürgersteigen und in den Öffentlichen Verkehrsmitteln. Polizisten, Ambulanzen und Feuerwehr werden körperlich angegangen, Verletzte und Leichen bei Autobahnunfällen abfotografiert und vieles mehr. Mit ein Problem dieser spätrömischen Dekadenz ist es, dass der Staat seine Rechtsobliegenheiten nicht mehr ausreichend wahrnimmt. Er hat nicht mehr die Rechtsgewalt in diesem Staat. Und die Justiz unterstützt Recht und Ordnung leider auch nicht, weil jedem Täter mit seinen angeblichen Traumata in der Kindheit, im Traum oder sonstwo Übertriebenes Verständnis aufgebracht wird, Mehrfachtätern immer wieder Bewährung gewährt wird oder vorzeitig entlassen werden, weil die Gefängnisse voll sind. Wenn der Staat einknickt, wie z.B: aktuell bei der Disskussion über die Legalisierung von Nutzung von Kokain oder das nichtahnden von Fahren ohne Fahrschein in den Öffentlichen, dann muss man sich nicht wundern, wenn sich keiner mehr an irgendeine Regel hält sondern jeder seine Regeln dahin verschiebt, wo er seinen Egoismus, seinen Narzismus und seine Ellenbogenmentalität rigoros ausleben kann.
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