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Bilderquiz

Wer hat's gemalt - Kind, Elefant oder Profi?

Malende Kinder werden immer wieder als herausragende Künstler gefeiert. Erkennen Sie auf einen Blick, ob ein Kunstwerk von einem kleinen oder großen Menschen stammt - oder jemand anderem? Hier geht's zum Quiz.

Wer entfesselte diesen Farbsturm?

Von
Montag, 02.09.2019   10:11 Uhr

Sie können's nicht abwarten? Hier geht's direkt zum Quiz.

Einmal ging ich mit zwei Bildern zu einem Rahmenladen. Das eine war die Bleistiftzeichnung eines Hamburger Künstlers, die ich bei einer Ausstellung gekauft habe, das andere die Kindergartenbastelei meines vierjährigen Neffen: Ein Stück Tonpapier, in das er mit groben Stichen ein rosafarbenes Band eingefädelt hatte. Die Rahmenbauerin zog ihre weißen Handschuhe an und nahm es vorsichtig hoch.

Eine Galeristin in Manhattan hat vor Kurzem etwas ganz Ähnliches gemacht. Sie hängte Malereien der zweijährigen Lola June an die Wände und verkaufte sie für bis zu 1500 Dollar pro Bild.

Malende Kinder werden immer wieder als herausragende Künstler gefeiert. Da wäre der "Farben-Blizzard" Advait Kolarkar aus Indien, dessen Karriere mit zwei begann, die Australierin Aelita Andre, die mit vier Jahren ihre erste Einzelausstellung in New York hatte. Oder Kieron Williamson, der mit sechs Jahren von den Medien den Beinamen "Mini-Monet" verpasst bekam.

Wer Kunst für Unfug hält und Künstler für Scharlatane, wenn sie nicht fotorealistisch oder wenigstens "schön" malen, wird sich in seinen Vorurteilen bestätigt fühlen: Das ist doch keine Kunst. Das kann meine Tochter auch. Jeder Idiot kann so tun, als wäre er Künstler.

Gedanken dazu, was Kunst eigentlich ist, will und soll, füllen ganze Bibliotheken. Erst mal ist sie natürlich der Gegensatz zur Natur. In diesem Sinne ist auch das Werk meines Neffen Kunst, wie überhaupt jede Kritzelei, jede Waschbetonplatte, Müll, Mettwurst, Autos, Hüte, Plastiktüten - Kunst. Irgendwie.

"Gedanken in Material"

Balzac nannte Kunst "verdichtete Natur". Jerry Saltz, der berüchtigte Kunstkritiker des "New York Magazine", sagt: "Künstler müssen fähig sein, ihre Gedanken in Material zu betten". Das hat mein Neffe Oskar vermutlich beides ausgelassen und einfach Spaß am Machen gehabt. Wie fest und spitz sich die Nadel zwischen seinen Fingern anfühlte, wie der Faden surrte und zischte, während er ihn durch das Tonpapier zog. Wie lustig das rosafarbene Band sich gegen das Lavendelgrün des Blattes abhob.

Benjamin Maack

Oskars Fadenwerk: Ein lieber Selbstgesprächspartner

In unserem Zuhause gibt es kaum eine Wand, an der kein Bild hängt. Wonach ich auswähle? Was zu mir kommt und was nicht? Natürlich erst mal danach, ob ich es mir leisten kann. Aber direkt dahinter kommt, ob es mich anspricht. Und zwar im wortwörtlichen Sinn. Ich lebe mit den Werken in unserem Heim, und ich unterhalte mich mit ihnen. Oder besser: Ich werfe meine Gedanken gegen sie und horche, was zurückkommt. Ich kann mir vorstellen, dass nicht wenige Künstler und Kunstexperten das vermutlich für einen einigermaßen beschränkten, vielleicht sogar fahrlässigen Zugang zu Kunst halten. Aber für mich persönlich ist ein gutes Kunstwerk eines, das mir Anregungen für viele interessante Selbstgespräche gibt.

Auch vor Oskars Fadenbild stehe ich oft und freue mich. Wie der Faden auf- und abtaucht, wie die Sonne über die Jahre das Papier ausgebleicht hat, wie die Form einer leeren, lückenhaften Sprechblase ähnelt. In all diesen Beobachtungen können sich meine Gedanken verheddern. Insofern ist es damals eigentlich kein Scherz gewesen, als ich Oskars Blatt als Kunstwerk rahmen ließ. Es ist mir ein lieber Selbstgesprächspartner geworden.

Zerrfeld aus Respekt und Bewunderung

Und was bedeutet das jetzt für die Kunst? Darf jeder mal ran, und wenn irgendwer was damit anfangen kann, wenn irgendwer bereit ist, dafür in einer Galerie Geld auszugeben, wenn irgendwer sich vorher Künstler genannt hat oder von irgendwem so genannt wurde, ist es Kunst?

Ein bisschen ist es wohl so.

Wissen Sie zum Beispiel, wann und von wem die "Mona Lisa" zum tollsten Kunstwerk der Welt ernannt wurde? Nein? Ich auch nicht. Vermutlich kaum einer der Abermillionen Menschen, die Jahr für Jahr in den Louvre pilgern, um sich in Rudeln vor dem DinA4-Blatt-großen Porträt zu drängeln. Hab ich auch schon gemacht. Und wie bei einem Bob-Dylan-Konzert entsteht auch in Gegenwart von da Vincis kühl lächelnder Dame diese angestrengte Atmosphäre des Respekts und der Bewunderung, die wenig mit dem zu tun hat, was man da gerade vor sich hat.

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Mir sagt das Bild leider so gut wie gar nichts, auf mich wirkt das Gesicht der "Gioconda" wie eine porzellanene, tote Oberfläche. Aber was weiß ich schon.

Was also macht einen Gegenstand zu einem Kunstwerk? Das darf am Ende jeder für sich entscheiden. Für mich ist Kunst unverzichtbar und zugleich so zweckmäßig wie ein Flaschenöffner: Mit dem einen mache ich mein Bier auf, mit dem anderen meinen Kopf.

Wissen Sie, was Kunst ist? Können Sie die Werke eines "echten Künstlers" von Kinderbildern unterscheiden? Oder von denen des malenden Schweins Pigcasso?

Finden Sie es heraus! Hier geht's zum Quiz:

Bilderquiz

insgesamt 4 Beiträge
kai-ser210 02.09.2019
1. Wirkliche Kunst
Wirkliche Kunst ist für mich nur etwas, dass nicht jeder anfertigen kann. Eine beliebige Kritzelei oder Farben übereinander klatschen, ist in meinen Augen nichts wofür ich Geld ausgeben würde. Alleine die Tatsache dass die [...]
Wirkliche Kunst ist für mich nur etwas, dass nicht jeder anfertigen kann. Eine beliebige Kritzelei oder Farben übereinander klatschen, ist in meinen Augen nichts wofür ich Geld ausgeben würde. Alleine die Tatsache dass die meisten dieser Art Werke nicht von einer zu unterscheiden sind, ob sie von einem erwachsenen Menschen oder beispielsweise einem Schimpansen gemalt wurden, sagt ja schon alles. Deshalb schüttel ich auch beim Anblick vieler (teurer) Bilder in Galerien nur meinen Kopf. Die einzige Kunst, die ich dort oft sehe, ist die Kunst mit so simplen Kritzlereien Geld zu verdienen. Aber neidisch soll das nicht klingen. Ich kann es nur schlichtweg nicht nachvollziehen, warum jemand für so etwas viel Geld ausgibt. Schön finden ist ja das eine, aber als "Kunst" zu bezeichnen fehlt mir jedes Verständnis.
Mysticsister 02.09.2019
2. Resonanz
Kunst ist für mich das, was in mir eine Resonanz erzeugt. Das kann auch "Gekritzel" sein, wenn es in mir durch Dynamik, Farben, egal was, etwas bewegt, egal was es bewegt, ist es für mich Kunst. Sobald ich mit den [...]
Kunst ist für mich das, was in mir eine Resonanz erzeugt. Das kann auch "Gekritzel" sein, wenn es in mir durch Dynamik, Farben, egal was, etwas bewegt, egal was es bewegt, ist es für mich Kunst. Sobald ich mit den Augen im Bild wandern kann, es meinen Blick einfängt, ist es für mich Kunst. Das machen manche Bilder mehr als andere. Was sie kosten, ist mir egal. Auch ein Kinderbild kann Kunst sein, ein Ausdruck von Glück, oder auch Düsterkeit, ein Ausdruck des inneren Zustandes zur Zeit des Kindes des Entehens, ein Zeugnis. Wenn es mich berührt und mir etwas erzählt, was auch immer, ist es Kunst. Der Kunstmarkt ist etwas anderes, hier werden Werte in Geld gehandelt, spekuliert, das ist auch legitim, ich betrachte das von meinem eigenen Kunstverständnis unabhängig, auch wenn eben oft Bilder und Skulpturen dabei sind, die besonders starke Resonanzen hervor rufen. Oder Fragen, zb was das Lächeln der Mona Lisa bedeutet. Meine Schwester hat "Werke" von mir in ihrer Wohnung hängen. Ich würde mir die nicht aufhängen, zu banal. Eine Ente aus schwarzem Tonpapier in einem See aus bemalter Seide, in der Schule gefertigt, ein paar Blumen in Aquarell, die ich in einer Ergotherapie malte. Für meine Schwester ist es Kunst. Die Bilder berühren sie. Sie erzählen ihr etwas, was auch immer, wärmen sie. Kunst ist auch Freiheit, das sie im Auge des Betrachters, in unserer inneren Resonanz, liegt.
krimi.fan 02.09.2019
3. Werden Elefanten gequält, damit sie malen?
Fasziniert von dem Bild, das von einem Elefanten gemalt wurde, würde mich interessieren, wie man einem Elefanten beibringt, konkrete Motive zu malen. Bei der Suche im Internet bin ich auf Seiten gestoßen, wo beschrieben wird, [...]
Fasziniert von dem Bild, das von einem Elefanten gemalt wurde, würde mich interessieren, wie man einem Elefanten beibringt, konkrete Motive zu malen. Bei der Suche im Internet bin ich auf Seiten gestoßen, wo beschrieben wird, mit welch brutalen Methoden dies (angeblich) geschieht (z.B. One Green Planet). Sollte dies stimmen, fände ich es nicht gut, wenn der Spiegel dazu aufruft, diese Kunstwerke zu erwerben. Auf der anderen Seite wäre es schade, wenn die Elefantenfarm wegen übler Nachrede weniger einnimmt. Weiß jemand mehr darüber, oder könnte der Spiegel dazu vielleicht recherchieren?
mcmercy 02.09.2019
4.
Ich muss gestehen ich lag einige Male beim Quiz daneben. Wobei eigentlich immer klar war, was nicht von einem Tier ist. Weder geometrische Muster noch gegenständliche Darstellungen sind vom Tier. Und ja, wenn Kinder abstrakte [...]
Ich muss gestehen ich lag einige Male beim Quiz daneben. Wobei eigentlich immer klar war, was nicht von einem Tier ist. Weder geometrische Muster noch gegenständliche Darstellungen sind vom Tier. Und ja, wenn Kinder abstrakte Künster (Pollock) kopieren, dann ist das meist auch schwer unterscheidbar. Abgesehen von Kieron Williamson, von dem wirklich auch die Bilder die er in ganz jungen Jahren gemalt hat von Talent zeugen, würde ich die anderen Kinderzeichnungen auch nicht als außergewöhnlich betrachten, zumal da sicher auch von Erwachsener Seite mitgeholfen wurde.

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