Panorama

Promi-Betrugsskandal an US-Unis

"Weitgehend unqualifiziert"

In den USA sollen Dutzende reiche Eltern, darunter Hollywood-Star Felicity Huffman, ihre eigentlich chancenlosen Kinder an Eliteschulen untergebracht haben - mittels Bestechung. Der Skandal offenbart ein verfilztes System.

Getty Images
Von , New York
Mittwoch, 13.03.2019   11:11 Uhr

Die Angeklagte sagte nicht viel. Ob sie verstehe, worum es gehe, fragte der Richter, als er sie mit den Vorwürfen konfrontierte. "Ja", murmelte sie.

Die Frau, die am Dienstag mit einem Dutzend anderen Beschuldigten in einem Gerichtssaal in Los Angeles erschien, kam vielen bekannt vor. In der Tat: Es handelte sich um die Schauspielerin Felicity Huffman, bekannt aus der TV-Serie "Desperate Housewives".

Da spielte sie einst eine Hausfrau, die alles für ihre Familie tun würde, koste es, was es wolle. Diesmal war es keine Show.

Die Staatsanwaltschaft beschuldigt Huffman sowie 32 weitere, meist wohlhabende Eltern, an einem enormen Betrugs- und Bestechungsskandal beteiligt gewesen zu sein. Sie sollen ihren Kindern Zugang zu exklusiven Eliteuniversitäten erkauft haben. Geholfen hätten ihnen dabei 18 dubiose Mittelsleute.

Von 2011 bis 2018 sollen dafür rund 25 Millionen Dollar Bestechungsgelder geflossen sein. Die reichen - und offenbar verzweifelten - Eltern, so die 204-Seiten-Anklage, hätten manchmal bis zu 6,5 Millionen Dollar gezahlt, um ihre "weitgehend unqualifizierten" Kinder an namhaften Unis wie Yale, Stanford und Georgetown unterzubringen - auf Kosten begabterer oder auch wirtschaftlich schlechter gestellter Bewerber.

"Für jeden Studenten, der durch Betrug akzeptiert wurde, wurde ein ehrlicher und wirklich talentierter Student abgelehnt", sagte Andrew Lelling, der federführende Staatsanwalt in Boston, vor Journalisten.

"Ich schuf eine Seitentür"

Es ist wohl der bisher größte Uni-Betrugsfall in der Geschichte Amerikas. Unter den 50 Angeklagten finden sich neben Huffman: der TV-Star Lori Loughlin ("Full House") sowie deren Mann, der Modedesigner Mossimo Giannulli; ein Fusionsanwalt; ein Wall-Street-Finanzier; etliche Vorstandsvorsitzende und diejenigen, die die Gelder akzeptiert und gesteuert haben sollen: College-Manager, Test-Verantwortliche, Sporttrainer.

Rädelsführer war der Staatsanwaltschaft zufolge Rick Singer, Chef der nach eigenen Angaben weltgrößten College-"Beratungsfirma" The Key. Der erschien am Dienstag vor einem Richter in Boston und bekannte sich schuldig: "Ich habe alles das getan", sagte er. "Ich schuf eine Seitentür, um den Familien zu garantieren, dass sie reinkamen."

Huffman soll 15.000 Dollar gezahlt haben, um ihrer 18-jährigen Tochter einen dramatisch verbesserten Aufnahmetest fürs College zu erkaufen. Zur gleichen Zeit beschrieb sie auf Twitter, wie sie und ihr Mann, der Schauspieler William H. Macy ("Fargo"), Hochschulen besichtigten. Macy bezeichnete das damals in einem Interview als "so stressig". Er ist nicht angeklagt, saß aber mit im Gerichtssaal.

Lieber Party als Uni

Loughlin und Giannulli, der Gründer der Modemarke Mossimo, sind angeklagt, ihre zwei Töchter für eine halbe Million Dollar ins Ruderteam der University of Southern California (USC) geschmuggelt zu haben, obwohl sie nie gerudert hätten. Die 19-jährige Olivia Jade Giannulli sorgte letztes Jahr für Wirbel, als sie auf YouTube bekundete, sie interessiere sich "nicht wirklich für die Uni", sondern für Partys.

Ähnlich lesen sich die Fälle der anderen Angeklagten, die die Staatsanwaltschaft zusammengetragen hat. Zum Beispiel:

Wer das US-Hochschulsystem kennt, wird von dem Skandal wenig überrascht sein: Es gilt ohnehin als bestens geschmiert. Neu ist, dass gegen so viele und so prominente Beschuldigte ermittelt wird.

Es gibt auch legale Empfehlungen

Außer harten Test verlangen die Top-Unis vor allem enorme Gebühren, Yale etwa mehr als 72.000 Dollar pro Jahr. Eltern können ihre Kids darüberhinaus mit gezielten, aber legalen "Spenden" empfehlen. Einige stiften sogar ganze Gebäude.

Prominentes Beispiel: Ein Jahr, bevor Donald Trumps späterer Schwiegersohn Jared Kushner sein Harvard-Studium antrat, schenkte sein Vater, der Baumagnat Charles Kushner, der Universität 2,5 Millionen Dollar. Angeblich, um die schlechten Noten seines Sohns wettzumachen, wie der Journalist Daniel Golden bereits 2006 in einem Buch beschrieb.

Die Schauspielerin Felicity Huffman war am Dienstag im Morgengrauen von FBI-Beamten in ihrer Villa in Hollywood festgenommen worden. Nach der Anhörung setzte sie der Richter später auf freien Fuß, gegen 250.000 Dollar Kaution. Das Vielfache dessen, was die Collegeaufnahme ihrer Tochter gekostet haben soll.

Anmerkung der Redaktion: Lori Loughlins Tochter Olivia Jade trägt nicht den Nachnamen der Mutter, sondern den ihres Vaters, Gianulli. Der Fehler wurde korrigiert.

insgesamt 121 Beiträge
isi-dor 13.03.2019
1.
Nicht erst seit Trump ist bekannt, dass man sich dort auch für den Dümmsten Sprössling noch einen Abschluss kaufen kann.
Nicht erst seit Trump ist bekannt, dass man sich dort auch für den Dümmsten Sprössling noch einen Abschluss kaufen kann.
claus7447 13.03.2019
2. Gibt / Gab es auch in Deutschland
Nun, ich bin in (Ehren) ergraut. Aber an der Schule (mit angeschlossenem Internat) waren diese Vorwürfe schon in den 60er Jahren per Gerücht umgegangen. Pekuna non olet!
Nun, ich bin in (Ehren) ergraut. Aber an der Schule (mit angeschlossenem Internat) waren diese Vorwürfe schon in den 60er Jahren per Gerücht umgegangen. Pekuna non olet!
hausfeen 13.03.2019
3. Pure Heuchelei, anzunehmen, das wäre erst seit gestern ...
... bekannt. Sondern eher ist es seit langem die Norm.
... bekannt. Sondern eher ist es seit langem die Norm.
wi_hartmann@t-online.de 13.03.2019
4.
Ganz normal, in den USA definiert sich alles um den Dollar. Trump ist diesbezüglich nur die Spitze des Eisberges.
Ganz normal, in den USA definiert sich alles um den Dollar. Trump ist diesbezüglich nur die Spitze des Eisberges.
Flachlandprophet 13.03.2019
5. andere Länder, andere Sitten
Bei uns gar nicht nötigt, da winkt man an den Unis auch so (fast) jeden durch, glaubt man den Professoren, die da sagen von allen Studierenden wären zwei Drittel zwar zum Studium berechtigt, aber nicht auch dazu befähigt. Ob [...]
Bei uns gar nicht nötigt, da winkt man an den Unis auch so (fast) jeden durch, glaubt man den Professoren, die da sagen von allen Studierenden wären zwei Drittel zwar zum Studium berechtigt, aber nicht auch dazu befähigt. Ob das deutsche oder das amerikanische "Modell", das Ergebnis ist fast das gleiche.

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