Panorama

Ex-Chef von Volkswagen

Ferdinand Piëch ist tot

Jahrzehntelang gehörte er zu den wichtigsten Personen beim Autobauer Volkswagen, war Mitinhaber von VW und Porsche: Nun ist Ferdinand Piëch im Alter von 82 Jahren gestorben.

DPA

Ferdinand Piëch (Foto von 2014) war von 1993 bis 2002 Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG

Montag, 26.08.2019   21:40 Uhr

Ferdinand Piëch, der ehemalige Vorstandsvorsitzende von Volkswagen, ist tot. Der 82-Jährige soll am Sonntagabend in einem Restaurant unvermittelt kollabiert sein, berichtet die "Bild"-Zeitung. Piëch sei von den Rettungskräften noch in ein Krankenhaus in Rosenheim gebracht worden, dort aber verstorben. Die Ursache des Zusammenbruchs war zunächst unklar.

Ursula Piëch bestätigte den Tod ihres Mannes in einer Mitteilung. Er sei "plötzlich und unerwartet verstorben", schrieb sie und kündigte eine Beisetzung im engsten Familienkreis an. Ihr Mann sei bis zuletzt ein begeisterter Ingenieur und Autoliebhaber gewesen. Der VW-Konzern äußerte sich zunächst nicht.

Piëch war von 1993 bis 2002 Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG, danach übernahm er den Posten als Aufsichtsratsvorsitzender, ehe er 2015 nach einem Machtkampf mit dem damaligen VW-Boss Martin Winterkorn hinwarf.

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Bilder einer Karriere: Ferdinand Piëch ist tot

1937 in Wien geboren, fing Piëch 1963 nach seinem Maschinenbaustudium bei Porsche an, wo er nach wenigen Jahren die Leitung der Entwicklungsabteilung übernahm. Später ging Piëch zu Audi, wo er 1988 Vorstandschef wurde. Fünf Jahre arbeitete er dort, dann zog es ihn zur Muttergesellschaft Volkswagen, wo er den Rest seines Arbeitslebens verbrachte.

Piëch galt als Patriarch von Volkswagen, das Unternehmen war sein "Lebenswerk", wie der SPIEGEL anlässlich seines 80. Geburtstags schrieb. Unter ihm wuchs der Konzern von vier auf 13 Marken und erweiterte seine Modellpalette in der Breite - nicht zuletzt, weil Piëch selbst ein großer Techniknarr war. "Er war der letzte Automanager, der selbst an den Fahrzeugen mitgebaut hat", sagte sein Biograf Wolfgang Fürweger einmal.

Was wusste er vom VW-Abgasskandal?

Sein Meisterstück gelang Piëch, als Porsche drohte, Volkswagen aufzukaufen. Der VW-Chef verhinderte den Deal und drehte das Geschäft sogar um: 2012 schluckte Volkswagen den Sportwagenhersteller und machte ihn zu einer Marke des eigenen Hauses. Im März 2015 präsentierte VW sein letztes Rekordergebnis unter Piëch: Mehr als zehn Millionen Fahrzeuge hatte der Konzern im Vorjahr verkauft, mehr als 200 Milliarden Euro Umsatz und 12,7 Milliarden Euro Gewinn erwirtschaftet.

Doch kurz darauf schied Piëch im Streit von VW. "Ich bin auf Distanz zu Winterkorn", sagte der gebürtige Wiener damals im SPIEGEL über den damaligen Vorstandsvorsitzenden Martin Winterkorn. Später verkaufte er seine Anteile am Volkswagen-Großaktionär Porsche und verabschiedete sich auch dort als Aufsichtsrat.

Unklar ist bis heute, wann Piëch von den Vorwürfen im VW-Abgasskandal erfuhr. Fünf Monate nach seinem Abschied von VW wurde der Skandal öffentlich bekannt. Er selbst behauptete, die Mitglieder des Aufsichtsrats frühzeitig über Unstimmigkeiten bezüglich der Software informiert zu haben.

ptz

insgesamt 55 Beiträge
torcedores 26.08.2019
1. Kein anderer Deutscher hat so viel für die Automobilindustrie bewirkt
Ferdinand Piech eignete sich mit seiner verkniffenen Art nicht unbedingt zum Sympathieträger. Aber kein anderer Deutscher hat so viel für die deutsche Automobilindustrie bewirkt wie dieser Mann. U.a. hat er Audi zur [...]
Ferdinand Piech eignete sich mit seiner verkniffenen Art nicht unbedingt zum Sympathieträger. Aber kein anderer Deutscher hat so viel für die deutsche Automobilindustrie bewirkt wie dieser Mann. U.a. hat er Audi zur Oberklasse-Marke aufgebaut und damit BMW und Mercedes gewzungen, deren Produkte ebenfalls zu verbessern. Ich hatte einmal in Piechs Biographie hineingelesen (weil sie in einem Hotel herumstand). Der Mann war offenbar ein Autofanatiker im besten Sinne, getrieben nicht von Erwerbsstreben, sondern von der Faszination am Auto. Ja .. das Auto ist der Umweltfeind Nummer 1. Aber diie "richtigen" Autos sind auch Kunstwerke im öffentlichen Raum. Etliche dieser Kunstwerke gäbe es ohne FP nicht.
Spiegelleserin57 26.08.2019
2. er hat Geschichte geschrieben...
und bewiesen wie man in seinem Leben Karriere machen kann wenn man es denn wirklich will. Talent und eiserner Wille gehören dazu! Eigentlich schon bewundernswert!
und bewiesen wie man in seinem Leben Karriere machen kann wenn man es denn wirklich will. Talent und eiserner Wille gehören dazu! Eigentlich schon bewundernswert!
oloh 26.08.2019
3. Der Prophet
Als er 2014 verkündete: "Ich bin auf Distanz zu Herrn Winterkorn." da staunten viele und noch mehr fühlten sich brüskiert. "Wie kann der nur..." Ein Jahr später flog der Diesel-Betrugsskandal in den USA [...]
Als er 2014 verkündete: "Ich bin auf Distanz zu Herrn Winterkorn." da staunten viele und noch mehr fühlten sich brüskiert. "Wie kann der nur..." Ein Jahr später flog der Diesel-Betrugsskandal in den USA auf. Aufgedeckt durch die CARB und die EPA vor der Kastration Letzterer durch Trumpel. Piëch bekam nachträglich recht. Einer seiner beflissenen Absäger zuvor war u.a. auch Stefan Weil.
LondoMollari 26.08.2019
4. Mag ja nach makaberer VT klingen ....
Aber hoffen wir mal das nicht etwa der Herr Piech irgendwas aussagen wollte zu Abgasmanipulationen, Beteiligten und so ... Ist bekannt was er gegessen hat? Sushi? Waren irgendwelche russischen Ex-Spione in der Nähe? Man kann sich [...]
Aber hoffen wir mal das nicht etwa der Herr Piech irgendwas aussagen wollte zu Abgasmanipulationen, Beteiligten und so ... Ist bekannt was er gegessen hat? Sushi? Waren irgendwelche russischen Ex-Spione in der Nähe? Man kann sich vorstellen das ganz bestimmt eine Menge Leute bei VW bezüglich Aussagen jetzt ruhiger schlafen wenn eine zentrale Figurt im ganzen Diesel-Betrug weg ist.
aki1977 26.08.2019
5. Der Pate von Volkswagen ...
Ein herausragender Ingenieur und Manager, der mit seinen Ideen und seinem Gespür für den Kunden den VW Konzern an die Weltspitze geführt und u.a. geholfen hat, hierzulande zahlreiche Arbeitsplätze zu schaffen bzw. zu sichern. [...]
Ein herausragender Ingenieur und Manager, der mit seinen Ideen und seinem Gespür für den Kunden den VW Konzern an die Weltspitze geführt und u.a. geholfen hat, hierzulande zahlreiche Arbeitsplätze zu schaffen bzw. zu sichern. Gewiss ist er auch nicht "everybody's darling" - was aber auch keine dominierende Eigenschaft in dieser Position sein sollte. Es wird daher sicherlich viele geben, die diesen Mann -milde gesagt - verachten. Gefühlt ist die Dominanz des Konzerns in der (deutschen) Automobillandschaft mit seinem Weggang deutlich zurückgegangen- Dieselkrise hin- oder her.

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