Panorama

Unfall in Berlin

Autofahrer soll epileptischen Anfall am Steuer erlitten haben

Vier Menschen starben, als in Berlin ein SUV auf einen Gehweg geriet. Jetzt gibt es Hinweise, der Fahrer habe hinterm Steuer womöglich einen epileptischen Anfall erlitten.

Paul Zinken/ DPA

Der Unfallwagen: Vier Menschen wurden am Freitag tödlich verletzt

Montag, 09.09.2019   15:51 Uhr

Nach einem Autounfall mit vier Toten und fünf Verletzten in Berlin-Mitte ermittelt die Polizei weiter wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung. Jetzt verdichten sich die Hinweise auf ein gesundheitliches Problem des Fahrers als Unfallursache. Dies berichtet unter anderem die Nachrichtenagentur dpa unter Berufung auf Ermittlerkreise.

Demnach solle mithilfe der Krankenakte des Porsche-Fahrers ermittelt werden, ob er möglicherweise hinterm Steuer kollabiert sei oder einen epileptischen Anfall erlitten haben könnte.

Dazu muss die Staatsanwaltschaft die Beschlagnahmung der Akte in die Wege leiten. Ob das bereits geschehen ist, ist noch unklar. Auch die Ergebnisse der Untersuchung einer Blutprobe stehen noch aus. Der 42-Jährige liegt schwer verletzt im Krankenhaus.

Polizeipräsidentin Barbara Slowik sagte am Rand des Innenausschusses nur: "Wir schließen nach wie vor definitiv medizinische Gründe nicht aus." Die Berliner Polizei wollte sich auf Anfrage nicht zum Stand der Ermittlungen äußern.

Ein SUV war am Freitagabend von der Straße abgekommen und hatte vier Fußgänger an einer Ampel tödlich verletzt, darunter einen dreijährigen Jungen. Anwohner gaben an, das SUV habe den stehenden Verkehr an der Ampel sehr schnell auf der Gegenfahrbahn überholt und sei dabei auf den Gehweg geraten. Das Auto knickte einen Ampelmast und mehrere Poller um, durchbrach einen Bauzaun und kam erst auf einem Baugrundstück zum Stehen.

Wie die "Berliner Morgenpost" berichtet, soll das Kennzeichen des Porsches bislang in keinem Raser- oder vergleichbarem Strafverfahren aufgetaucht sein. Die Polizei hatte Vorsatz bei dem Unfall bisher ausgeschlossen.

Am Montagabend starteten Polizei und Staatsanwaltschaft einen Zeugenaufruf. Sie fragten, wer den Unfall beobachtet habe und Angaben zum Hergang machen könne. Zudem suchten die Ermittler unter anderem nach Bürgern, die Videoaufzeichnungen beziehungsweise Mitschnitte vom Unfallhergang haben. Zeugen sind gebeten, sich bei der Polizei zu melden.

Der Vorfall löste eine Diskussion über SUV in Innenstädten aus. Die Grünen in Berlin fordern nach dem Unfall eine bundesweite Gesetzesregelung, die große Geländewagen aus Innenstädten verbannen will. "Wir brauchen eine Obergrenze für große SUV in den Innenstädten", sagte der stellvertretende Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion, Oliver Krischer, dem "Tagesspiegel". "Am besten wäre eine bundesrechtliche Regelung, die es Kommunen erlaubt, bestimmte Größenbegrenzungen zu erlassen."

Der Automobilklub ADAC hält ein Verbot von SUV weder für umsetzbar noch für sinnvoll. "Entscheidend für die Sicherheit von Fußgängern und Radfahrern ist vielmehr das verantwortungsvolle Führen von Kraftfahrzeugen", sagte ein ADAC-Sprecher. Das gelte vor allem für die Faktoren angepasste Geschwindigkeit, Alkohol und Ablenkung. Unfallvermeidung ließe sich nicht durch das Verbot einer Fahrzeugklasse lösen, "sondern durch mehr Rücksichtnahme".

Am Samstagabend kamen Hunderte Menschen zu einer Mahnwache an die Kreuzung Invalidenstraße/Ackerstraße. Auch am Sonntag legten Passanten Kerzen, Blumen und Bilder an der Unfallstelle ab.

DPA

Mahnwache an der Unfallstelle in Berlin

ala/dpa/AFP

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