Politik

Angehörige von Syriens Machthaber

Assad-Familie soll sich in Spanien wegen Geldwäsche verantworten

Der ehemalige syrische Vizepräsident Rifaat al-Assad ist in das Visier spanischer Ermittler geraten: Zusammen mit weiteren Angehörigen des Machthaber-Clans soll er viele Millionen Euro unterschlagen haben.

AFP

Rifaat al-Assad (Archivbild von 1984): Nach einem Putschversuch Syrien verlassen

Freitag, 22.11.2019   19:14 Uhr

Zahlreiche Angehörige des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad sollen in Spanien wegen Geldwäsche in Höhe von mehr als 600 Millionen Euro auf die Anklagebank. Neben dem 82-jährigen Ex-Vizepräsidenten Rifaat al-Assad (Onkel des heutigen Machthabers Baschar al-Assad), der nach Medienangaben im Exil in Frankreich und Großbritannien lebt, werden auch acht seiner Kinder und zwei seiner Ehefrauen der Geldwäsche und der Beteiligung an einer kriminellen Vereinigung beschuldigt (hier erfahren Sie mehr über die Assad-Familie).

Ein Richter am Nationalen Staatsgerichtshof in Madrid schlug am Freitag zum Abschluss seiner Ermittlungen vor, ein Strafverfahren gegen Rifaat al-Assad sowie gegen 13 weitere Personen einzuleiten. Die Staatsanwaltschaft hat zehn Tage Zeit, um die Eröffnung des Prozesses zu beantragen.

Rifaat al-Assad musste Syrien 1984 nach einem Putschversuch gegen seinen Bruder Hafis verlassen, den langjährigen Machthaber Syriens und Vater des heutigen Präsidenten. Rifaat gehörte lange selbst zur Führung des Landes, wo er als Kommandeur von Elitetruppen für mehrere Gräueltaten verantwortlich gemacht wird. Er wies dafür später jede Verantwortung zurück.

Zweitgrößte private Wohnimmobilie in Großbritannien

Die von Rifaat al-Assad angeführte Gruppe soll laut Anklage in Spanien unter anderem 507 Immobilien im Gesamtwert von 695 Millionen Euro besitzen. Dafür sollen sie vor allem mit in Syrien unterschlagenen öffentlichen Geldern bezahlt haben. Die Organisation sei seit den Achtzigerjahren vor allem in der Provinz Málaga im Süden Spaniens tätig gewesen, heißt es in der Mitteilung der Justiz.

Ähnliche Geschäfte soll die Gruppe mithilfe von Scheinfirmen jahrelang auch in anderen europäischen Ländern getätigt haben. So besitze Rifaat al-Assad in Großbritannien zum Beispiel unter anderem die nach dem Buckingham Palace größte private Wohnimmobilie. Er oder die von ihm angeführte Familienorganisation habe unter anderem auch ein Flugzeug vom Typ Boeing 727, mehrere gepanzerte Luxusfahrzeuge sowie drei Schiffe.

Die Rechtfertigung der Familie al-Assad, das Geld stamme aus Geschenken und Spenden aus Saudi-Arabien, ließ Ermittlungsrichter José de la Mata den amtlichen Angaben zufolge nicht gelten. Man habe ermittelt, dass das nicht der Wahrheit entspreche, hieß es.

Gegen Rifaat al-Assad laufe bereits ein Prozess in Frankreich - und in der Schweiz werde gegen ihn wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit ermittelt, so die spanische Justiz.

vks/dpa

insgesamt 21 Beiträge
eizboks 22.11.2019
1. Rifaat....
War der Verantwortliche für die brutale Niederschlagung des Aufstands in Hama 1983. Er verfügte über einen eigenen, völlig gewissenlosen Geheimdienst und war bekannt für seine dubiosen Geschäfte in Marbeia. Er ging selbst [...]
War der Verantwortliche für die brutale Niederschlagung des Aufstands in Hama 1983. Er verfügte über einen eigenen, völlig gewissenlosen Geheimdienst und war bekannt für seine dubiosen Geschäfte in Marbeia. Er ging selbst seinem Bruder Hafez, Präsident Syriens, zu weit der ihn 1988 aus dem Land warf.
Dr. Clix 22.11.2019
2. wäre doch interessant
zu wissen ob auch gleich der Haftbefehl rausging oder darf der Herr dann auf der Krim im Exil mit seinem Luxusschiff rumdüsen?
zu wissen ob auch gleich der Haftbefehl rausging oder darf der Herr dann auf der Krim im Exil mit seinem Luxusschiff rumdüsen?
Walther Kempinski 22.11.2019
3. Mafia-Regierungen
Die Mafia-Regierungen in Moskau unter Putin, Erdogan, Assad, Kadyrow, LePen (in Wartestellung) und wie sie alle heißen, sind die eigentliche Triebfeder von Massakern und Terror auf der Welt. Und es gibt sogar Deutsche die der [...]
Die Mafia-Regierungen in Moskau unter Putin, Erdogan, Assad, Kadyrow, LePen (in Wartestellung) und wie sie alle heißen, sind die eigentliche Triebfeder von Massakern und Terror auf der Welt. Und es gibt sogar Deutsche die der Meinung sind, dass Assad der rechtmässige Herrscher in Syrien sei und ordnungsgemäß gewählt wurde. Vor allem Linke, die ja angeblich die Fakel des Humanismus tragen.
juba39 22.11.2019
4. Ist das ein Witz?
Wenn ja, dann aber ein sehr makabrer. Genau so, wie die unterirdischen Geschichtskenntnisse der erstenKommentatoren. Spanien klagt hier dieverse Verbrechen, sogar Verbrechen gegen die Menschlichleit, an, als in Spanien noch [...]
Wenn ja, dann aber ein sehr makabrer. Genau so, wie die unterirdischen Geschichtskenntnisse der erstenKommentatoren. Spanien klagt hier dieverse Verbrechen, sogar Verbrechen gegen die Menschlichleit, an, als in Spanien noch Francogegner hingerichtet wurden. Als zehntausende Kinder von Regimegegner ihren Mütterr sofort nach der Geburt weggenommen wurden, und an Anhänger Francos verkauft/verschenkt wurden. Wurde übrigens bis in die 90er praktiziert. Welchen Bündnissen gehörte Spanien nochmal an? Wenn also, nach #Walter Kempinski, eine Mafiaregierung eine andere Regierung wegen Mafiamethoden anklagt, hat das irgendwas mit Realitätsverweigerung zu tun. Denn in Spanien wurde bis heute kein einziger Kriegsverbrecher aus der Franco-Ära angeklagt. Aber fragt doch mal St.Seibert. "Der Bundesregierung liegen dazu keinerlei Erkenntnisse vor."
kochra8 22.11.2019
5. Milliardenbunker
Wäre schön, wenn der Fürst von Liechtenstein seine Banken aufforderte, von Assad verstecktes Volkes Vermögen der Syrer öffentlich zu machen. Es liegt dort, wo Lifte tiefer in die Stollen fahren als ein Gebäude Stockwerke [...]
Wäre schön, wenn der Fürst von Liechtenstein seine Banken aufforderte, von Assad verstecktes Volkes Vermögen der Syrer öffentlich zu machen. Es liegt dort, wo Lifte tiefer in die Stollen fahren als ein Gebäude Stockwerke zählt.

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