Politik

Konflikt am Persischen Golf

Irans Revolutionsgarden melden Abschuss von US-Drohne

Irans Revolutionsgarden geben an, eine US-"Global Hawk"-Drohne abgeschossen zu haben. Das US-Militär dementierte den Bericht zunächst, doch mittlerweile soll es für den Vorfall auch von amerikanischer Seite eine Bestätigung geben.

REUTERS

"Global Hawk"-Drohne der USA

Donnerstag, 20.06.2019   10:05 Uhr

Die iranischen Revolutionsgarden haben eigenen Angaben zufolge eine US-Drohne abgeschossen. Die unbemannte "Global Hawk"-Drohne sei am Donnerstag getroffen worden, als sie in der südlichen Provinz Hormusgan in den iranischen Luftraum eingedrungen sei, teilten die Revolutionsgarden über ihr Nachrichtenportal "Sepah" mit. Die Provinz liegt direkt am Persischen Golf.

Bilder von der angeblich abgeschossenen Drohne wurden zunächst nicht gezeigt. Zunächst hatte das US-Militär den Bericht dementiert: "Heute waren keine US-Flugzeuge im iranischen Luftraum im Einsatz", sagte Centcom-Sprecher Bill Urban - das Zentralkommando führt die amerikanischen Truppen im Nahen Osten. Mittlerweile soll ein US-Beamter den Nachrichtenagenturen Reuters und AP den Vorfall bestätigt haben. Der Beamte wird ohne Nennung des Namens zitiert. Die Drohne habe sich demnach nicht im iranischen Luftraum befunden, sondern sei über der Straße von Hormus in internationalem Luftraum abgeschossen worden. Genauere Details wurden demnach nicht bekannt.

Die Revolutionsgarden (IRGC) sind in Iran die Eliteeinheit der Streitkräfte und weitaus wichtiger als die klassische Armee. Sie wurden für den Machterhalt des Regimes gegründet und unterstehen direkt dem obersten Führer des Landes, Ajatollah Ali Khamenei . Die Einheit hat auch großen politischen und wirtschaftlichen Einfluss im Land.

Die Spannungen zwischen Teheran und Washington hatten sich immer weiter verschärft, nachdem US-Präsident Donald Trump im vergangenen Jahr einseitig aus dem internationalen Atomabkommen mit Iran ausgestiegen war und neue Sanktionen verhängt hatte. Zuletzt schürten Angriffe auf Öltanker in der Golfregion die Furcht vor einer militärischen Konfrontation: Die USA machen Iran für die Angriffe verantwortlich. Die Islamische Republik bestreitet die Vorwürfe.

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Noch am Mittwoch hatte der iranische Sicherheitsrat (SNSC) erklärt, seiner Einschätzung nach werde es keinen Krieg zwischen Iran und den USA geben. "Es besteht überhaupt kein Grund für einen Krieg, denn amerikanische Unterstellungen gegen andere Länder sind eine weltweit bekannte Taktik der USA, um politischen Druck auszuüben", sagte SNSC-Sekretär Ali Schamchani der staatlichen Nachrichtenagentur Irna. Die USA hofften, Iran zu einer Kapitulation zu zwingen. Dies werde aber nicht geschehen.

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) sagte am Mittwoch jedoch, die Lage sei nach wie vor ernst. "Die Kriegsgefahr am Golf ist nicht gebannt."

Video: "Ein Krieg, den eigentlich keiner will"

Foto: REUTERS

Ende nächster Woche soll es iranischen Angaben zufolge in Wien ein Treffen der Partner des internationalen Atomabkommens geben. Die Vizeaußenminister Irans und der sogenannten 4+1 Gruppe - China, Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Russland - würden sich am 28. Juni in der österreichischen Hauptstadt treffen, sagte Außenamtssprecher Abbas Mussawi.

Nach Einschätzung von Beobachtern in Teheran könnte das Treffen die letzte diplomatische Chance für die Rettung des Atomdeals vor Ablauf des iranischen Ultimatums Anfang Juli sein.

Der iranische Präsident Hassan Rohani hatte bekräftigt, dass die fünf verbliebenen Vertragspartner nur bis zum 7. Juli Zeit hätten, das Wiener Atomabkommen vertragsgerecht umzusetzen. Sonst werde Iran die zweite Phase seines Teilausstiegs aus dem Deal beginnen: Dann will Iran die Beschränkung der Urananreicherung aufheben und Uran höher anreichern als die im Abkommen vereinbarte Obergrenze von 3,67 Prozent. Das wäre nach Meinung von Beobachtern das Ende des Wiener Abkommens.

aar/dpa/Reuters/AP

insgesamt 78 Beiträge
Fuxx2000 20.06.2019
1. Selbst wenn sie eine Drohne
Abgeschossen haben, werden die USA versuchen, das als agressive Handlung auszulegen, obwohl sie unrechtmäßig in den Luftraum eines anderen Landes eingedrungen sind.
Abgeschossen haben, werden die USA versuchen, das als agressive Handlung auszulegen, obwohl sie unrechtmäßig in den Luftraum eines anderen Landes eingedrungen sind.
glissando 20.06.2019
2. Heute mal völkerrechtlich korrekt?
Wow, da bin ich erstaunt - über die Ehrlichkeit der Amerikaner: ""Heute waren keine US-Flugzeuge im iranischen Luftraum im Einsatz", sagte Centcom-Sprecher Bill Urban". Morgen brechen wir dann wieder das [...]
Wow, da bin ich erstaunt - über die Ehrlichkeit der Amerikaner: ""Heute waren keine US-Flugzeuge im iranischen Luftraum im Einsatz", sagte Centcom-Sprecher Bill Urban". Morgen brechen wir dann wieder das Völkerrecht? Oder wie sonst ist das zu verstehen? Ich weiß natürlich, dass solche Grenzverletzungen bewusste und nicht seltene Provokationen zum Test der Reaktion sind. Nur ist die Lage dafür hier viel zu gespannt, es sei denn, man will einen Krieg vom Zaun brechen.
steinhai 20.06.2019
3. Erstaunt nicht.
Ein Drohnenabschuss durch den Iran, wäre nicht erstaunlich. In den vergangenen Jahren gab es etliche Drohnenabschüsse durch den Iran im Iran selbst und im Irak und Syrien durch die Sepah. Es gab in der Vergangenheit auch etliche [...]
Ein Drohnenabschuss durch den Iran, wäre nicht erstaunlich. In den vergangenen Jahren gab es etliche Drohnenabschüsse durch den Iran im Iran selbst und im Irak und Syrien durch die Sepah. Es gab in der Vergangenheit auch etliche Hackerangriffe auf US Drohnen und Übernahmen/Zwangslandungen. Iran hatte auch die teuerste Drohne die je gebaut wurde (Das Biest von Kandahar) durch einen Hackerangriff zur Landung im Iran gezwungen. Diese teuerste Drohne wird heute erfolgreich im Iran, in grosser Stückzahl, nach gebaut. RQ170. Aber auch andere US Drohnen werden so nach gebaut. Dank der Amerikaner hat Iran heute die grösste und modernste Flotte an Drohnen in der ganzen Region. Weltweit gehört Iran heute zu den ersten, drei Ländern die Drohnen entwickeln oder nachbauen. Iran hat nicht nur die Mittel um modernste Drohnen der USA vom Himmel zu holen, sondern auch zu hacken. In Syrien und Irak sind so, ziemlich brisante US Videos aus den Drohnen in die Hände der Iraner und Hizbollah gefallen. Viele wurden bereits veröffentlicht, was die USA immer wieder in Bedrängnis brachte. Stichwort Hilfe für den IS. Die Zeiten in denen Amerika im Iran einfach zu Drohnen greifen konnte, sind lange vorbei. Der Abschuss dieser Drohne ist auch ein grosser Verlust für die Amerikaner. Dieser Drohnen-Typ ist sehr teuer. Ist die am weitesten fliegende Drohne der USA. Das Gelände in dem sie abstürzte, ist Gebirgig. Daher wird es noch einige Stunden dauern bis Iran die entsprechenden Bilder der Drohne liefern kann. Ein Dementi aus Amerika wäre fehl am Platz. Iran hat auch vor einigen Tagen eine US Drohne abgeschossen als diese, die brennenden Tanker beobachtete. Zu der Zeit kam ein Dementi aus den USA. Da die Drohne aber im Wasser landete, konnte Iran den Abschuss auch nicht beweisen.
schmetterling76 20.06.2019
4. Keine Panik
"Es besteht überhaupt kein Grund für einen Krieg, denn amerikanische Unterstellungen gegen andere Länder sind eine weltweit bekannte Taktik der USA, um politischen Druck auszuüben" haben wir ja beim Irak gesehen [...]
"Es besteht überhaupt kein Grund für einen Krieg, denn amerikanische Unterstellungen gegen andere Länder sind eine weltweit bekannte Taktik der USA, um politischen Druck auszuüben" haben wir ja beim Irak gesehen diese übliche Praxis und was auch dieser üblichen praxis - üblicher weise dann passierte, wenn der Staat den Druck standhielt.... Irak-Krieg. Aber keine Angst - nur übliche Praxis. Was soll dieser Satz hier bedeuten: " dass die fünf verbliebenen Vertragspartner nur bis zum 7. Juli Zeit hätten, das Wiener Atomabkommen vertragsgerecht umzusetzen" - Welche 5 Vertragspartner sind denn noch aus dem Vertrag ausgetreten? Welche 5 hätten noch Zeit Vertragsvorschriftsmässig zu handeln, weil sie es gerade nicht tun... Was meinen sie damit?
scharfekante 20.06.2019
5. Gratuliere, Iran!
"Heute waren keine US-Flugzeuge im iranischen Luftraum im Einsatz", sagte Centcom-Sprecher Bill Urban - das Zentralkommando führt die amerikanischen Truppen im Nahen Osten. Die Amis gestehen also zu, [...]
"Heute waren keine US-Flugzeuge im iranischen Luftraum im Einsatz", sagte Centcom-Sprecher Bill Urban - das Zentralkommando führt die amerikanischen Truppen im Nahen Osten. Die Amis gestehen also zu, gewohnheitsmaessig das Voelkerrecht zu brechen, indem sie regulaer in den Luftraum des Iran ohne dessen Zustimmung mit Drohnen eindringen. Der Iran hat sich durch den Abschuss rechtmaessig und erfolgreich gegen einen widerrechtlichen Akt der Aggression der USA verteidigt. Man kann nur den Hut ziehen, denn dazu gehoert auch Mut.
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