Politik

Richter-Kandidat Kavanaugh

Wie zwei Frauen die Republikaner-Mehrheit im Aufzug kippten

Der Republikaner Jeff Flake hat mit seinem Sinneswandel die FBI-Ermittlungen zu Trumps Richterkandidat Kavanaugh eingeleitet - nachdem ihn aufgebrachte Frauen zur Rede stellten.

Foto: JIM LO SCALZO/EPA-EFE/REX/Shutterstock
Samstag, 29.09.2018   12:27 Uhr

"Thank you - Danke", das sagen US-Politiker oft, wenn Bürger sie mit unbequemen Fragen und Fakten bestürmen und die Berufspolitiker nicht wissen, was sie darauf sagen sollen. Sie drehen sich dann meistens um und verschwinden schnell in einem Büro, einer Sitzung.

Jeff Flake, republikanischer Senator, hätte das vermutlich auch gern getan, aber er konnte nicht. Er stand in einem Aufzug, den Rücken zur Wand, vor ihm zwei Frauen, aufgebracht wegen der anstehenden Bestätigung von Brett Kavanaugh, Trumps umstrittenem Kandidaten für den vakanten Richterposten am Obersten Gericht. Mehrere Frauen werfen Kavanaugh versuchte Vergewaltigung und sexuellen Missbrauch vor.

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Jeff Flake: Frauen drängen Senator in die Enge

Es gibt Videos von dem Zusammentreffen des Senators mit den Frauen, die offenbar von Journalisten begleitet wurden. Die Aufnahmen zeigen, wie Jeff Flake immer weiter in die Ecke des Aufzugs rückt und ein paarmal hilflos "Thank you" murmelt. Ihm gegenüber stehen die liberale Aktivistin Ana Maria Archila und Maria Gallagher.

Flake blickt zu Boden, Archila fährt ihn an: "Sie erlauben jemandem, der tatsächlich eine Frau misshandelt hat, im Obersten Gericht Platz zu nehmen. Sie haben Kinder, denken Sie an sie. Ich habe Kinder. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Sie für die nächsten 50 Jahre jemandem im Obersten Gericht haben müssen, der beschuldigt wird, ein junges Mädchen missbraucht zu haben. Was tun Sie?"

Dann schaltet sich Gallagher ein, ihre Stimme bricht: "Ich habe einen sexuellen Übergriff erlebt und niemand hat mir geglaubt. Ich habe niemandem davon erzählt und Sie erklären allen Frauen, sie sollten still bleiben, denn wenn sie erzählen, was ihnen passiert ist, dann ignorieren Sie die!".

Hintergrund war die vorhergehende Anhörung der Psychologieprofessorin Christine Blasey Ford. Sie wirft Trumps Richterkandidaten Kavanaugh vor, er habe zu Highschool-Zeiten versucht, sie zu vergewaltigen.

Senator Flake hatte kurz vor dem Zusammentreffen im Lift erklärt, er werde Kavanaugh trotz der Vorwürfe durchwinken. Kurz nach der Konfrontation durch die Frauen schränkte Flake ein, er werde den mit Vergewaltigungsvorwürfen konfrontierten Kavanaugh unterstützen, sofern die Abstimmung um eine Woche verschoben werde und das FBI in der Zwischenzeit keine "glaubhaften Vorwürfe" finde.

Die Republikaner haben im Senat nur eine hauchdünne Mehrheit. Mit Flakes Zustimmung auf der Kippe blieb Präsident Trump nichts anderes übrig, als die geforderte Untersuchung der Vorwürfe anzuordnen.

Flake selbst mochte sich nicht äußern, ob die Szene im Lift Einfluss auf seine Entscheidung gehabt habe. Er könne nur sagen, "dass dieser ganze Prozess uns alle betroffen gemacht hat", gab er in bestem Politikersprech zu Protokoll.

beb/AP

insgesamt 2 Beiträge
dieter.eichhorn33 29.09.2018
1. Wahrheit
Als Pilatus wegen diesem Jesus das Volk befragte und dieses dessen Tod wollte, soll er seine Hände im Sand (statt Wasser!) gewaschen haben: "Was ist die Wahrheit?" - Wir Bürger können nur diese vielen oft verwirrenden [...]
Als Pilatus wegen diesem Jesus das Volk befragte und dieses dessen Tod wollte, soll er seine Hände im Sand (statt Wasser!) gewaschen haben: "Was ist die Wahrheit?" - Wir Bürger können nur diese vielen oft verwirrenden Berichte lesen und müssen uns ebenfalls verwundert fragen "Ist das alles wahr?" Es ist unglaublich, was diese Frauen berichten und es ist ebenfalls unglaublich dass dieser Mann sagt, das ist alles nicht wahr. Und ich habe den Verdacht, dass Trump alle Gaunereien bewegen wird, um seinen Richter reinzukriegen. Denn dann wird er zur "Unfehlbarkeit" aufsteigen, er, der eigentlich eine von Ängsten gepeinigte Figur ist, dessen übersteigertes Selbstverständnis als Pathologischer Narzissmus dazu führt, alles zu zerstören, was ihm im Wege steht. Vieles ist ihm schon gelungen. Sein Ziel ist immer noch Obamas Werk und dann Europa und Deutschland... Wir werden es erleben. Ich habe Angst vor dieser nahen Zukunft und einem Zerstörer mit dieser Macht und den Mitläufern, die unter seinen Fittichen reich werden wollen. Er ist gottgewollt, denn wenn Gott ihn nicht gewollt hätte, dann wäre er nicht an die Macht gekommen (amerikanische Leseart!).
otto_lustig 29.09.2018
2. Mal abgesehen von den Beschuldigungen gegen Kavanaugh,
er hat sich mit seinem Auftritt bei seiner Anhörung richtig blamiert. Der Mann ist inkompetent. Ein Richter im Supreme Court, der rumpoltert? So ein Mann sollte eigentlich ein Vorbild an Ruhe und Gelassenheit sein, wenn er in den [...]
er hat sich mit seinem Auftritt bei seiner Anhörung richtig blamiert. Der Mann ist inkompetent. Ein Richter im Supreme Court, der rumpoltert? So ein Mann sollte eigentlich ein Vorbild an Ruhe und Gelassenheit sein, wenn er in den Supreme Court will und wirklich unschuldig ist. Und was macht er? Schreit, jammert und weint wie ein ungezogenes Kind. So sehen Verlierer aus.
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