Politik

Verhalten bei Anhörung

Republikanischer Senator kritisiert Kavanaugh

Donald Trumps umstrittener Richterkandidat Brett Kavanaugh hat sich bei seiner Anhörung tränenreich und aggressiv verteidigt. Das irritierte viele - auch einen wichtigen Republikaner.

AFP

Jeff Flake (Mitte) mit Kollegen

Dienstag, 02.10.2018   18:44 Uhr

Er verstieg sich in seiner Anhörung zu Verschwörungstheorien, verzog das Gesicht, während er befragt wurde, und stellte unverschämte Gegenfragen: Der Auftritt von Brett Kavanaugh vor dem Justizausschuss des US-Senats vergangene Woche verstörte nicht nur viele Zuschauer. Auch ein republikanischer Senator zeigte sich irritiert - nun kritisiert er Kavanaughs Gebaren öffentlich.

"Der Ton seiner Einlassungen hat mich sehr gestört", sagte Jeff Flake an diesem Dienstag. "Die Interaktion mit den Mitgliedern [des Ausschusses - d. Red.] war sehr schroff und parteiisch, und das sorgt mich."

Flake hatte nach der Anhörung erst verkündet, dass er einer Nominierung Kavanaughs als Richter des Obersten US-Gerichts zustimmen werde - wenngleich Vorwürfe der versuchten Vergewaltigung und des sexuellen Missbrauchs im Raum stehen. Vor Kavanaugh hatte Christine Blasey Ford ausgesagt: Kavanaugh habe sich vor mehr als drei Jahrzehnten an ihr vergangen.

REUTERS

Kavanaugh bei der Anhörung

Flake versuchte zunächst wohl, Verständnis für die emotionale Aussage Kavanaughs aufzubringen: "Ich habe mir gesagt: 'Gib ihm ein bisschen guten Willen, nach allem, was er durchgemacht hat'." Dann habe er gedacht: "Aber auf der anderen Seite, wir können das nicht im Gericht dulden. Das können wir einfach nicht."

Flake sorgte in letzter Minute für eine Überraschung und drängte auf eine Ermittlung des FBI in dem Fall, wie es auch das mutmaßliche Opfer Ford vorher gefordert hatte.

Was den Sinneswandel Flakes ausgelöst hatte, ist nicht klar. Fest steht, dass er sich kurz nach einer Fahrstuhlfahrt umentschied, bei der er von Frauen zur Rede gestellt worden war.

Video - der Sinneswandel des Senators Jeff Flake:

Foto: JIM LO SCALZO/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Inzwischen hat sich auch US-Präsident Donald Trump, dessen Wunschkandidat Kavanaugh ist, für eine umfassende, aber rasche Überprüfung der Vorwürfe durch das FBI ausgesprochen. Dazu ermächtigte er das FBI, seine Untersuchung zu Ermittlungen wegen sexuellen Missbrauchs auszuweiten, wie die "New York Times" unter Berufung auf zwei Sprecher aus dem Weißen Haus berichtet. Allerdings sollen die Untersuchungen schon in einer Woche abgeschlossen sein.

In den USA finden Anfang November Kongresswahlen statt. Umfragen zufolge könnten Trumps Republikaner die Mehrheit im Senat verlieren. Die Ernennung von Kavanaugh oder eines ähnlich konservativen Richters wäre dann kaum noch denkbar.

Trump sagte am Dienstag, er glaube, dass Kavanaugh diese Woche vom US-Senat bestätigt werden wird. Es hänge aber davon ab, was bei den FBI-Ermittlungen herauskommt. "Ich will sehen, was passiert" mit der Untersuchung, fügte er hinzu. Aber er unterstütze Kavanaugh.

Der Mehrheitsführer des Senats, Mitch McConnell, sagte, eine Abstimmung über Kavanaughs Nominierung würde am Ende der Woche stattfinden.

vks/Reuters

insgesamt 63 Beiträge
creusa 02.10.2018
1. Unglückliche Formulierung:
"habe sich an ihr vergangen" klingt in meinen Ohren nach einer vollendeten Vergewaltigung, von der aber keine Rede ist. Es geht um den Vorwurf der versuchten Vergewaltigung. Allerdings ist auch eine versuchte [...]
"habe sich an ihr vergangen" klingt in meinen Ohren nach einer vollendeten Vergewaltigung, von der aber keine Rede ist. Es geht um den Vorwurf der versuchten Vergewaltigung. Allerdings ist auch eine versuchte Vergewaltigung extrem traumatisierend, da das Opfer ja die gleiche Todesangst davor gleich vergewaltigt zu werden, durchmacht bevor es sich doch noch befreien kann. Laut Schilderungen von Frau Dr. Blasey Ford hat sie ja auch bloß knapp entkommen können.
Tharsonius 02.10.2018
2. Unhaltbar
Zu unseriös, zu emotional und zu aufbrausend. Nach dieser Präsentation kann so jemand unmöglich dem obersten Gericht angehören?
Zu unseriös, zu emotional und zu aufbrausend. Nach dieser Präsentation kann so jemand unmöglich dem obersten Gericht angehören?
ollydk 02.10.2018
3.
Man muss sich nur mal die Mimik und Gestik von Kavanaugh ansehen, das spricht Bände. Zudem ist es für einen potentiellen Richter - also jemanden, der sich in seiner Position absolut neutral verhalten sollte - sicherlich nicht in [...]
Man muss sich nur mal die Mimik und Gestik von Kavanaugh ansehen, das spricht Bände. Zudem ist es für einen potentiellen Richter - also jemanden, der sich in seiner Position absolut neutral verhalten sollte - sicherlich nicht in Ordnung, über die Demokraten, die Clintons und sonstwen so zu schimpfen und über diese her zu ziehen. Der Mann ist für den Job genauso wenig geeignet wie es Trump für seinen Job ist.
steve_burnside 02.10.2018
4. @creusa,
die Todesangst hatte Dr. Ford, da Kavanaugh ihr den Mund zuhielt und sie Angst hatte zu ersticken. Und das nennt man sehr wohl an ihr vergangen, wie es für sie klingt, ist irrelevant.
die Todesangst hatte Dr. Ford, da Kavanaugh ihr den Mund zuhielt und sie Angst hatte zu ersticken. Und das nennt man sehr wohl an ihr vergangen, wie es für sie klingt, ist irrelevant.
constantin_blanc 02.10.2018
5. @creusa
Kleiner Ausflug in die Semantik: Auch versuchte Vergewaltigung ist eine Straftat. Allgemeiner gefasst kann man eine Straftat als Vergehen bezeichnen. Also ist es absolut korrekt, bei einer versuchten Vergewaltigung davon zu [...]
Kleiner Ausflug in die Semantik: Auch versuchte Vergewaltigung ist eine Straftat. Allgemeiner gefasst kann man eine Straftat als Vergehen bezeichnen. Also ist es absolut korrekt, bei einer versuchten Vergewaltigung davon zu sprechen, der Täter habe sich am Opfer vergangen. Und ich weiß überhaupt nicht, welche Motivation jemanden antreibt, so einen eortklauberischen Käse hier als Argument für was auch immer (wissen Sie wahrscheinlich selbst nicht) anzuführen. Klassische Relativiererrhetorik.

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