Politik

Brexit-Gespräch in Luxemburg

Johnson sagt Presseauftritt wegen Protestlärm ab

Nichts erreicht, den Gastgeber brüskiert: Nach einem Besuch in Luxemburg hat Boris Johnson wegen lautstarker Proteste ein Presse-Statement platzen lassen. Der luxemburgische Regierungschef Bettel sprach von einem "Albtraum".

Foto: Oliver Matthys/ DPA
Montag, 16.09.2019   18:31 Uhr

Es war ein Arbeitsessen zwischen Boris Johnson und EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker, von dem nicht viel erwartet wurde. Und am Ende strich Johnson auch noch sein gemeinsames Statement mit dem luxemburgischen Regierungschef Xavier Bettel vor der Presse.

Die kurzfristige Absage begründete der britische Premier mit Protestlärm. "Ich glaube, unsere Standpunkte wären da möglicherweise untergegangen", sagte Johnson zu Reportern vor der britischen Botschaft. Vor und nach dem Treffen mit Bettel, Juncker und weiteren EU-Vertretern war Johnson anhaltend ausgebuht worden.

Bei der Pressekonferenz, die Bettel allein abhalten musste, sagte er in Richtung des abwesenden Johnson, der solle "nicht die EU als den bösen Buben hinstellen". Die andauernde Unsicherheit über den Zeitplan und die Bedingungen des EU-Austritts seien ein "Albtraum".

Trotzdem zeigte sich Johnson weiter zuversichtlich, dass noch ein Abkommen über den EU-Austritt zustande kommen kann. Es brauche dafür aber Bewegung von Seiten der EU, sagte er unter anderem der BBC. Ansonsten wolle er auch ohne Deal am 31. Oktober austreten.

"Vorschläge sind noch nicht gemacht worden"

Zuvor hatten Juncker und Johnson bei Lachs, Schnecken und Käse über den Brexit gesprochen. Danach erklärte die EU-Kommission, es sei an Großbritannien, umsetzbare und mit dem bereits fertigen Austrittsabkommen vereinbare Vorschläge zu unterbreiten, stellte Juncker klar. "Solche Vorschläge sind noch nicht gemacht worden."

Die EU-Kommission werde rund um die Uhr verfügbar bleiben, hieß es weiter. In dem Verfahren werde der EU-Gipfel am 17. und 18. Oktober ein wichtiger Meilenstein. Die 27 bleibenden EU-Länder blieben geeint, betonte Juncker. Er werde dem Europaparlament am Mittwoch in Straßburg Bericht erstatten.

Johnson will bis zum Gipfel Änderungen am EU-Austrittsabkommen durchsetzen, was die EU bislang ablehnt. Sollte keine Einigung gelingen, droht Johnson mit einem ungeregelten Brexit am 31. Oktober - und das, obwohl das britische Parlament keinen No Deal will.

Ein Sprecher Johnsons sprach von "einem konstruktiven Treffen" mit Juncker. "Der Premierminister hat auch wiederholt, dass er keine Verlängerung beantragen wird und das Vereinigte Königreich am 31. Oktober aus der EU führen wird."

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cht/dpa/Reuters

insgesamt 133 Beiträge
leset 16.09.2019
1. Rechtschreibung?
Liebe Redaktion, wie schreibt man eigentlich Albtraum? Jetzt wie Alpen? Oh je...
Liebe Redaktion, wie schreibt man eigentlich Albtraum? Jetzt wie Alpen? Oh je...
claus7447 16.09.2019
2. BoJo hält uns alle für Trottel..
... nur schade, das das britische Volk es sich mit der Volksabstimmung selbst zuzuschreiben hat, was jetzt passiert. Nämlich nichts. Johnsons wird vermutlich vor Gericht kommen wegen Missachtung des Parlaments, da aber die [...]
... nur schade, das das britische Volk es sich mit der Volksabstimmung selbst zuzuschreiben hat, was jetzt passiert. Nämlich nichts. Johnsons wird vermutlich vor Gericht kommen wegen Missachtung des Parlaments, da aber die Todesstrafe abgeschafft wurde, war es das.
markus_uphillmedia 16.09.2019
3. Hoffentlich...
endet diese unsägliche Farce am 31.10.
endet diese unsägliche Farce am 31.10.
starboy 16.09.2019
4. Ihr irrt euch
BoJo hat die PK nicht geschwänzt, sondern er hat in Luxemburg Asyl beantragt. In London wird er sicherlich verhaftet und landet im Gefängnis!
BoJo hat die PK nicht geschwänzt, sondern er hat in Luxemburg Asyl beantragt. In London wird er sicherlich verhaftet und landet im Gefängnis!
schulz.dennis.84 16.09.2019
5. Nur noch peinlich!
Die gleiche Taktik, die man gegen Andersdenkende oder den politischen Gegner, wie z.B. die AfD anwendet, wo immer wie zufällig grölende, pfeifende und schreiende Antifa-Einheiten stehen, um die Veranstaltungen, Interviews und [...]
Die gleiche Taktik, die man gegen Andersdenkende oder den politischen Gegner, wie z.B. die AfD anwendet, wo immer wie zufällig grölende, pfeifende und schreiende Antifa-Einheiten stehen, um die Veranstaltungen, Interviews und Gespräche zu stören, funktioniert beim britischen Premierminister nicht. Der hat es richtig gemacht und ist gegangen ohne sich vorführen zu lassen.

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