Politik

Verzweiflung in der Brexit-Debatte

"Fuck knows"

Das britische Unterhaus hat erneut über Theresa Mays EU-Austrittsvertrag abgestimmt. Eine Aussage im Vorfeld zeigte, wie sehr einige Politiker mittlerweile an der Brexit-Debatte verzweifeln.

Victoria Jones/DPA

Brexit-Anhänger vor dem Parlament in Westminster

Freitag, 29.03.2019   15:24 Uhr

Es kann nur ein kurzer Austausch gewesen sein. Wenige Sekunden. Und doch zeigt der Moment die pure Verzweiflung, die viele britische Politiker derzeit beim Brexit durchleben. Der TV-Journalist Nicholas Watt zitierte in einer BBC-Sendung ein kurzes Gespräch mit einer Ministerin oder einem Minister aus dem Kabinett von Theresa May. Warum die Premierministerin denn eine weitere Abstimmung abhalten würde, wenn sie ziemlich sicher sei, dass sie verliere, fragte Watt demnach.

Die Antwort des Ministers oder der Ministerin: "Fuck knows." Oder deutsch und jugendfrei: Wer zum Teufel weiß das schon?

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Matt nannte die oder den Gefragte(n) nicht beim Namen. Die Person redete sich anschließend allerdings offenbar geradezu in Rage: "Ich bin über den Punkt raus, wo es mich noch kümmert. Es ist hier drin wie bei den lebenden Toten."

EU-Austritt: Parlament lehnt Mays Plan zum dritten Mal ab

Foto: AFP

Verantwortlich machte die Person dafür die Premierministerin: "Theresa May ist die alleinige Architektin dieses Chaos. Es ist ihre Unfähigkeit, sich am grundsätzlichsten menschlichen Austausch zu beteiligen, die uns hier hingeführt hat", sagte sie: "Das Kabinett ist zusammengebrochen. Minister sagen ihren Teil, sie gibt nichts preis. Die eine Seite denkt, X wird passieren, die andere denkt, Y wird passieren. Und die Premierministerin entscheidet sich für Z."

Nutzer auf Twitter reagierten amüsiert bis begeistert: "Gebt der Person, die das gesagt hat, eine Medaille". Oder auch: "Wir sind alle dieser Kabinettsminister." Ein anderer Nutzer schrieb, er wünsche sich die Aussagen gar als "Klingelton" auf dem Handy, ein weiterer forderte, aus den Ausführungen den offiziellen Slogan des Brexits zu machen. Und auch ein Poster war schnell gebastelt:

Am Nachmittag hat May den Austrittsvertrag, den sie mit der Europäischen Union ausgehandelt hat, erneut im Unterhaus zur Abstimmung gebracht. Zweimal hatte das Parlament das gesamte Abkommen bereits abgelehnt. Bei der dritten Abstimmung fehlte nun ein wichtiger Teil des Deals - und trotzdem scheiterte die Premierministerin erneut.

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insgesamt 15 Beiträge
anselmi 29.03.2019
1.
Brexit-Befürworter Steve Double, Abgeordneter der Tories, hat Mays Deal während einer Unterhausdebatte treffend beschrieben: "This is a turd of a deal, which has now been taken away and polished, and is now a polished turd. [...]
Brexit-Befürworter Steve Double, Abgeordneter der Tories, hat Mays Deal während einer Unterhausdebatte treffend beschrieben: "This is a turd of a deal, which has now been taken away and polished, and is now a polished turd. But it might be the best turd that we've got."
haarer.15 29.03.2019
2.
Schizophren - diese ganze Haltung. Gibt es noch eine Steigerung ? Wie oft noch wollen die Tories ihrer eigenen Premierministerin in den Rücken fallen ? Jetzt darf sich das Unterhaus nicht mehr wundern, wenn es am Ende das [...]
Zitat von anselmiBrexit-Befürworter Steve Double, Abgeordneter der Tories, hat Mays Deal während einer Unterhausdebatte treffend beschrieben: "This is a turd of a deal, which has now been taken away and polished, and is now a polished turd. But it might be the best turd that we've got."
Schizophren - diese ganze Haltung. Gibt es noch eine Steigerung ? Wie oft noch wollen die Tories ihrer eigenen Premierministerin in den Rücken fallen ? Jetzt darf sich das Unterhaus nicht mehr wundern, wenn es am Ende das bekommt, was es n i e haben wollte. Für so viel bornierte Dämlichkeit gibts echt keine Worte mehr.
krautrockfreak 29.03.2019
3. Und alles nur, weil damals Viele meinten, dass sie nicht zur Wahl
gehen müssten, die Anderen werden das schon machen. Merke: Diejenigen, die etwas durchboxen wollen, gehen immer zur Wahl. Trump ist ein weiteres gutes Beispiel, was passieren kann, wenn die Leute zu bequem sind. Ob man daraus [...]
gehen müssten, die Anderen werden das schon machen. Merke: Diejenigen, die etwas durchboxen wollen, gehen immer zur Wahl. Trump ist ein weiteres gutes Beispiel, was passieren kann, wenn die Leute zu bequem sind. Ob man daraus lernen wird?
cobaea 29.03.2019
4.
Was gibt's da zu wundern? Sie werden auf jeden Fall etwas bekommen, was sie nicht wollten - weil sie ja bekanntlich nichts von allem wollten. Sie wussten ja immer nur, was sie n i c h t wollten. Etwas aus dieser Auswahlsendung [...]
Zitat von haarer.15Schizophren - diese ganze Haltung. Gibt es noch eine Steigerung ? Wie oft noch wollen die Tories ihrer eigenen Premierministerin in den Rücken fallen ? Jetzt darf sich das Unterhaus nicht mehr wundern, wenn es am Ende das bekommt, was es n i e haben wollte. Für so viel bornierte Dämlichkeit gibts echt keine Worte mehr.
Was gibt's da zu wundern? Sie werden auf jeden Fall etwas bekommen, was sie nicht wollten - weil sie ja bekanntlich nichts von allem wollten. Sie wussten ja immer nur, was sie n i c h t wollten. Etwas aus dieser Auswahlsendung von "will ich nicht" bekommen sie jetzt auf jeden Fall - ob das nun der Hard Brexit oder der längere Verbleib in der EU ist.
ghdstz 29.03.2019
5. Alles wird gut ...
Na also, es scheint sich jetzt doch noch alles einzurenken. Der Ablauf des Verfahrens ist zwar grotesk hoch drei und nicht mal die Jungs von Monty Python's Flying Circus hätten sich sowas ausdenken können. Aber mittlerweile [...]
Na also, es scheint sich jetzt doch noch alles einzurenken. Der Ablauf des Verfahrens ist zwar grotesk hoch drei und nicht mal die Jungs von Monty Python's Flying Circus hätten sich sowas ausdenken können. Aber mittlerweile kristallisiert sich doch heraus dass kein wie auch immer gearteter Deal in diesem Parlament abgesegnet werden wird (mal davon abgesehen, dass die EU ohnedies nur den einen bereits sattsam bekannten Deal akzeptieren wird). Da aber außer einigen wenigen Wirrköpfen niemand einen harten Brexit will, bleibt dann doch nur eine zumindest taktisch/technische Rücknahme des Austrittsschreibens über. Das kann zwar theoretisch schon nächste Woche durch einen neuen Austrittsbrief ersetzt werden - falls sich bei den Briten dann noch jemand findet der diesen schreiben darf und will. Praktisch gesehen ist der Brexit jetzt aber erst mal mindestens für zwei Jahre von Tisch, und die Briten werden die nächste Europawahl mitmachen. Dabei werden in UK vorwiegend EU-Befürworter wählen bzw. gewählt werden, mit ihnen wird es wird im Brüssel nicht allzu viel Ärger geben. Dann sieht man weiter, die Briten werden der EU vermutlich wohl doch erhalten bleiben. Und auf längere Sicht gesehen ist das auch gar nicht so schlecht, selbst wenn die Mehrzahl der Foristen hier vor Wut und Frust schier explodieren wollen ...

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