Politik

FPÖ-Politiker im Ibiza-Urlaub

Weiße Hemden, lockere Stimmung

Gibt es in der FPÖ eine Ibiza-Connection, die über Ex-Vizekanzler Strache und Ex-Fraktionschef Gudenus hinausgeht? Mindestens ein weiterer Parteifreund war zeitgleich auf der Insel. Vom Treffen in der Villa habe er aber nichts gewusst, sagt er.

DER SPIEGEL

Heinz-Christian Strache (r.) mit Johann Gudenus auf Ibiza

Von , Wien
Donnerstag, 23.05.2019   21:34 Uhr

Auf das Thema Ibiza dürfte wohl kein FPÖ-Politiker besonders gut zu sprechen sein - seit Bekanntwerden jenes Videos, über das FPÖ-Chef und Vizekanzler Heinz-Christian Strache und sein politischer Ziehsohn, FPÖ-Fraktionschef Johann Gudenus, stürzten und das zum Bruch der österreichischen Bundesregierung führte.

Dumm nur, dass der FPÖ-Politiker Johann Tschürtz ausgerechnet mit jener Ibiza-Reise auf Facebook geprahlt hatte. Am 30. Juli 2017 hatte er mehrere Fotos gepostet, darunter auch von sich und Strache, beide im weißen Hemd, in lockerer Stimmung. "Soooo Urlaub beendet, jetzt gehts los Richtung Gemeinderatswahl am 1. Oktober und dann Nationalratswahl am 15. Oktober - VOLLE KRAFT VORAUS", schrieb er dazu.

Heinz-Peter Bader /REUTERS

Johann Tschürtz (Archivbild aus 2010)

Tschürtz ist stellvertretender Ministerpräsident des Bundeslandes Burgenland. In Österreich nennt man das Landeshauptmann-Stellvertreter. Der Herr Landeshauptmann-Stellvertreter Tschürtz also war ebenfalls auf Ibiza, als sein langjähriger Freund Strache und Gudenus sich in einer Finca um Kopf und Kragen redeten und einer vermeintlichen russischen Milliardärsnichte staatliche Aufträge gegen millionenschwere Wahlkampfhilfe in Aussicht stellten.

Von diesem Treffen, sagt Tschürtz nun, habe er nichts gewusst. Er sei zwar zu jener Zeit auf Ibiza gewesen, "mit meinem Freundeskreis aus meiner Umgebung, aber nicht dort bei dem Gespräch". Er habe Strache "untertags am Strand getroffen", man habe sich "gemütlich zusammengesetzt, wie es halt so ist". Aber Strache habe seine eigenen Termine gehabt und er selbst habe seine "gewollten Ausflüge gemacht", erklärt er dem Burgenländischen Kabelfernsehen.

Sehen Sie hier kommentierte Auszüge aus dem Strache-Video:

Foto: DER SPIEGEL

Wer ist dieser Freundeskreis? Mehrere Politiker in Wien und in der burgenländischen Hauptstadt Eisenstadt sagen dem SPIEGEL, sie gehen davon aus, dass es sich um eine "organisierte Reise von FPÖ-Politikern" gehandelt habe, "um den Wahlkampf der FPÖ für die Nationalratswahl 2017 zu planen". Von einer "Ibiza-Connection" ist die Rede.

Aus den Reihen der Grünen in Wien heißt es, selbst wenn es sich nicht um eine offizielle Parteireise gehandelt habe, sei "wenig glaubhaft", dass Strache gegenüber Tschürtz nichts von seiner Begegnung mit einer angeblichen reichen Oligarchennichte erwähnt habe. Immerhin habe diese angeboten sich beim Boulevardblatt "Krone", meistgelesene Zeitung Österreichs, einkaufen und es auf FPÖ-Linie bringen zu wollen.

"Ein endlos harmloser Umstand"

Der burgenländische ÖVP-Landtagsabgeordnete Christoph Wolf sagt, es glaube Tschürtz "niemand, dass er von dem Treffen auf Ibiza nichts gewusst hat". In einer Rede im Landtag in Eisenstadt sagte er am Mittwoch: "Möchte man wirklich, dass diese Ibiza-Bande unser Land mitregiert?" Die Antwort lieferte er gleich hinterher: "Nein, wir halten nichts von solchen Machenschaften."

Die Konservativen stellten denn auch einen Misstrauensantrag gegen Tschürtz, der jedoch scheiterte. Nur zwölf von 36 Abgeordneten stimmten für seine Abberufung. Im Burgenland regiert die FPÖ als Juniorpartner der sozialdemokratischen SPÖ. Dort soll es nun im Januar vorgezogene Wahlen geben, jedoch will die SPÖ bis dahin weiter mit den Rechtspopulisten regieren.

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Wen Tschürtz mit "Freundeskreis" meint, mit dem er auf Ibiza war, lässt er offen. Welche FPÖ-Politiker waren noch auf Ibiza in jener Zeit? Entsprechende Fragen des SPIEGEL beantwortet er nicht. Stattdessen teilt sein Sprecher mit, es gebe "kein Statement, solange keine objektive Berichterstattung gewährleistet" sei.

Und der burgenländische FPÖ-Fraktionschef Géza Mólnar sagt auf Anfrage, Tschürtz sei ein "enger, persönlicher Freund" Straches. "Unter engen Freunden kommt es eben auch vor, dass man miteinander Freizeit verbringt oder auch gemeinsam auf Urlaub fährt." Es habe "immer wieder gemeinsame Reisen gegeben, das war nie ein Geheimnis". Das sei ein "endlos harmloser Umstand".

Die FPÖ-Strategie: Wir sind hier die Opfer

Tschürtz sagte über die Ibiza-Affäre: Ja, das Video sei "peinlich", das alles "ein großer Fehler" und eine "Enttäuschung", aber Strache sei eben auch ein Opfer. Zu Lokaljournalisten sagt er, er halte Straches Rücktritt für "sehr bemerkenswert". Strache habe "mit viel Anstand, viel Menschlichkeit und Ehrlichkeit" auf das Video reagiert, und davon sei er, Tschürtz, "tief bewegt". "Er hat sich auch entschuldigt, dass er, das muss man erwähnen, unter Alkoholeinfluss viele Dinge gesagt hat, die er lieber nicht gesagt hätte." Er habe aber nie jemanden betrügen wollen.

Strache selbst postet seit seinem Rücktritt auf seiner Facebookseite - er hat mehr als 750.000 Abonnenten - regelmäßig Artikel über die mutmaßlichen Hintermänner des Videos und kämpferische Parolen. So, als wäre er in erster Linie ein Opfer. Seine Fans finden das offenbar gut und rücken angesichts des vermeintlichen Angriffs auf ihren starken Mann zusammen. Tausende klickten auf "Gefällt mir".

insgesamt 17 Beiträge
bruckner.jacobus 23.05.2019
1. Stracheln! Übers Tschürtzenfest?
Aha! Der gute Herr Tschürtz strachelte......sorry strauchelte also auf Ibiza nur über so'ne Art burschenschaf....aaah burschenhaftes Tschürtzenf....eeehh..Schürzenfest. Oder? Hab'ich da vielleicht was missverstanden?
Aha! Der gute Herr Tschürtz strachelte......sorry strauchelte also auf Ibiza nur über so'ne Art burschenschaf....aaah burschenhaftes Tschürtzenf....eeehh..Schürzenfest. Oder? Hab'ich da vielleicht was missverstanden?
Stereo_MCs 23.05.2019
2.
Lügen haben kurze Beine, oder um es mit einem Zitat der großen TV Figur Alfred Tezlaff zu sagen: "Ein Sumpf".
Lügen haben kurze Beine, oder um es mit einem Zitat der großen TV Figur Alfred Tezlaff zu sagen: "Ein Sumpf".
brooklyner 23.05.2019
3.
Was ist eigentlich mit dem Koks suf dem Tisch, wird das als Kavaliersdelikt agesehen?
Was ist eigentlich mit dem Koks suf dem Tisch, wird das als Kavaliersdelikt agesehen?
konraider 24.05.2019
4. Ministerpräsidenten ...
Gibts keine in Österreich, auch keine Stellvertretenden ....
Gibts keine in Österreich, auch keine Stellvertretenden ....
o2dorfer 24.05.2019
5. Terminologie
Hallo, Dieser Politiker ist nicht "stellvertretender Ministerpräsident" des Bundeslands Burgenland, was dann in Österreich stellvertretender Landeshauptmann heisst, sondern er ist de jure stellvertretender [...]
Hallo, Dieser Politiker ist nicht "stellvertretender Ministerpräsident" des Bundeslands Burgenland, was dann in Österreich stellvertretender Landeshauptmann heisst, sondern er ist de jure stellvertretender Landeshauptmann des österreichischen Bundeslandes Burgenland, was man in Deutschland stellvertretender Ministerpräsident nennen würde, wenn das Burgenland ein deutsches Bundesland wäre, was es aber - verdammt noch mal - nicht ist. LG Peter Oberdorfer, Innsbruck

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