Politik

Trump bricht mit Justizminister

Öffentliche Demontage von Sessions

"Extrem unfair": Donald Trump hat sich von Jeff Sessions distanziert. Der US-Präsident bereut mittlerweile, den 70-Jährigen zum Justizminister ernannt zu haben. Hintergrund ist die Russlandaffäre.

Foto: REUTERS
Donnerstag, 20.07.2017   14:28 Uhr

Jeff Sessions war der erste Senator, der sich im Wahlkampf hinter Donald Trump stellte. Nachdem dieser US-Präsident war, ernannte er Sessions zum Justizminister. Doch das bedauert Trump mittlerweile. Er hätte Sessions nicht mit dem Ministerposten betraut, wenn er gewusst hätte, dass dieser sich in der Russlandaffäre für befangen erklären und damit nicht zuständig erklären würde, sagte Trump in einem veröffentlichten Interview mit der "New York Times". "Dann hätte ich jemand anderen ausgewählt."

"Jeff Sessions nimmt den Job an, tritt den Job an, zieht sich wegen Befangenheit zurück, was offen gesagt sehr unfair gegenüber dem Präsidenten ist", sagte Trump. "Wie kann man einen Job annehmen und sich dann wegen Befangenheit zurückziehen?" Sessions habe sich "extrem unfair" - und das ist ein mildes Wort - verhalten. Laut Trump hätte Sessions es ihm sagen sollen, "bevor er den Job angenommen hat".

Sessions hatte sich vergangenes Jahr als damaliger Senator und Wahlkampfberater Trumps mehrmals mit dem russischen Botschafter Sergej Kisljak getroffen - dass er diese Begegnungen während seines Nominierungsverfahrens im Senat unerwähnt ließ, erregte Argwohn. Erst nach der Enthüllung dieser Treffen durch die Presse bestätigte sie der inzwischen ins Amt eingesetzte Minister. Zudem erklärte der 70-Jährige formell seinen Rückzug aus den Russland-Ermittlungen des ihm unterstehenden FBI.

Übereinstimmenden Medienberichten zufolge hatte Sessions Trump bereits seinen Rücktritt angeboten, sollte der US-Präsident nicht mehr auf ihn zählen. Das lehnte Trump jedoch ab. Vorausgegangen sein sollen wochenlange Streitigkeiten zwischen den beiden. Bei einer Anhörung des Senats Mitte Juni bestätigte Sessions zudem indirekt Darstellungen des von Trump gefeuerten FBI-Direktors James Comey - und belastete damit auch Trump selbst.

Trump steht wegen der Russland-Kontakte seines Wahlkampfteams unter massivem Druck. In der Affäre ermitteln derzeit mehrere Kongressausschüsse sowie die Bundespolizei FBI und der vom Justizministerium eingesetzte Sonderermittler Robert Mueller. Sie gehen dem Verdacht möglicher Absprachen zwischen Trump-Mitarbeitern und der Führung in Moskau während des Präsidentschaftswahlkampfes im vergangenen Jahr nach.

max/dpa/AFP

insgesamt 292 Beiträge
jackohnereacher 20.07.2017
1. Respekt!
Mr. Sessions, Sie haben meinen Respekt:
Mr. Sessions, Sie haben meinen Respekt:
thefrozenpepper 20.07.2017
2. Schreibfehler
Oberer Absatz kleiner Schreibfehler "er betreut" und nicht "bereut" :)
Oberer Absatz kleiner Schreibfehler "er betreut" und nicht "bereut" :)
der_gärtner13 20.07.2017
3. Armer Donald!
Da dachte er, wenn er seinen alten politischen Kumpel, der mit drin hängt, auf den Posten des Justizminister setzt, hält dieser ihm dafür den Rücken frei. Und dann erklärt der sich für befangen, weil verwickelt. So kann [...]
Da dachte er, wenn er seinen alten politischen Kumpel, der mit drin hängt, auf den Posten des Justizminister setzt, hält dieser ihm dafür den Rücken frei. Und dann erklärt der sich für befangen, weil verwickelt. So kann ein Trump nicht arbeiten!
Cochrane 20.07.2017
4. Nur zur Info
Bereut antatt betreut.
Bereut antatt betreut.
die-metapha 20.07.2017
5.
---Zitat--- "Wie kann man einen Job annehmen und sich dann wegen Befangenheit zurückziehen?" Sessions habe sich "extrem unfair" - und das ist ein mildes Wort - verhalten. Laut Trump hätte Sessions es ihm [...]
---Zitat--- "Wie kann man einen Job annehmen und sich dann wegen Befangenheit zurückziehen?" Sessions habe sich "extrem unfair" - und das ist ein mildes Wort - verhalten. Laut Trump hätte Sessions es ihm sagen sollen, "bevor er den Job angenommen hat". ---Zitatende--- Noch immer verwechselt dieser Präsident seine Aufgabe und das Amt indem er davon ausgeht, jemandem einen "Job zu geben" bedeute gleichsam, diesen dann in eine Abhängigkeit zu versetzen. Er erwartet blinde Loyalität ihm - dem Chef - gegenüber und bedingungsloses nach dem Mund reden. Dieser Präsident hat keine Ahnung davon, wie eine Demokratie funktioniert und wie ein souveräner Staat funktioniert. Trump "Managed" die USA wie einen Krämerladen aus den 60er Jahren.
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