Politik

Vor zweitem TV-Duell

Trump inszeniert Presseauftritt mit Clinton-Beschuldigerinnen

Donald Trump macht wie angekündigt die Vergangenheit von Bill Clinton zum Wahlkampfthema. Kurz vor der zweiten TV-Debatte mit Hillary Clinton zeigte sich der republikanische Kandidat mit Frauen, die Vorwürfe gegen die Clintons erheben.

REUTERS

Donald Trump mit Paula Jones, Kathy Shelton, Juanita Broaddrick, Kathleen Willey (v.r.)

Montag, 10.10.2016   01:56 Uhr

Wenige Stunden vor Beginn der zweiten TV-Debatte mit Hillary Clinton setzt Donald Trump die Ankündigung um, die Vergangenheit der Clintons zum Thema im Wahlkampf 2016 zumachen. Er zeigte sich in St. Louis bei einer Pressekonferenz mit Frauen, die seit Jahren schwere Anschuldigungen gegen die Clintons erheben.

"Diese vier mutigen Frauen haben darum gebeten, hier sein zu dürfen", sagte der republikanische Präsidentschaftskandidat am Sonntagabend. Es war sein erster längerer Auftritt, seit ein Video mit sexistischen Äußerungen des Unternehmers aufgetaucht war.

Eine der Frauen, mit denen er nun vor die Presse trat, ist Juanita Broaddrick. Sie bezichtigt Bill Clinton, sie 1978 vergewaltigt zu haben. Clinton war damals Generalstaatsanwalt von Arkansas. Er bestritt die Vorwürfe. Broaddrick erklärte am Sonntag, Donald Trump möge schlimme Dinge haben, aber Bill Clinton habe sie vergewaltigt, und Hillary Clinton habe ihr gedroht.

Neben Trump saßen zudem Kathy Shelton, Kathleen Willey and Paula Jones. Sie alle erklärten ihre Unterstützung für den Kandidaten der Republikaner.

Jones beschuldigte Bill Clinton 1991, sie bedrängt und sich vor ihr entblößt zu haben. Sie verklagte ihn wegen sexuelle Belästigung. Das Verfahren wurde 1998 gegen eine Zahlung von 850.000 Dollar durch Bill Clinton eingestellt.

Das Wahlkampfteam von Hillary Clinton gab folgende Mitteilung heraus: "Es überrascht uns nicht, dass Donald Trump seinen zerstörerischen Abwärts-Kurs fortsetzt." Nach Clintons Ansicht biete das TV-Duell die Gelegenheit, mit Wählern über die Probleme zu sprechen, die sie wirklich bewegten.

"Diese Aktion ändert daran nichts", heißt es weiter. Wenn Trump das nicht begreife, sei es sein Problem. "Wie immer wird Hillary Clinton auf alles vorbereitet sein, womit er sie konfrontiert."

Moderatoren wollen Trumps Video zu Beginn thematisieren

Trump steht seit Freitag massiv unter Druck. In einem Video aus dem Jahr 2005, das die "Washington Post" veröffentlichte, äußert sich der heute 70-Jährige vulgär über Frauen und brüstet sich mit sexuellen Übergriffen. Auch in der eigenen Partei war die Empörung groß - derart, dass ihm Dutzende namhafter Politiker die Unterstützung entzogen oder sogar seinen Rückzug aus dem Rennen zugunsten seines Vizekandidaten Mike Pence forderten.

Trump entschuldigte sich in der Nacht zum Freitag für seine Äußerungen, ging jedoch danach zum Angriff über. So sprach er von erneuten Versuchen des republikanischen Establishment, ihn abzusägen. Außerdem machte er die Affären von Bill Clinton zum Thema und warf seiner Rivalin vor, diese Frauen herabgesetzt und eingeschüchtert zu haben.

Um 3 Uhr deutscher Zeit beginnt in St. Louis das zweite TV-Duell. Die erste Debatte mit Clinton Ende September hatte Trump deutlich verloren, seine Rivalin hatte danach in Umfragen zugelegt.

Nach Angaben des Senders CNN wollen die Moderatoren das Video mit Trumps frauenverachtenden Aussagen gleich zum Auftakt der Debatte thematisieren. Ein Münzwurf entschied, dass Clinton als Erste antwortet.Verfolgen Sie das TV-Duell hier im Newsblog.

Clinton vs. Trump - Wer liegt in den Umfragen vorn?

pad/cte/dpa

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