Politik

Wahlkampfauftakt in Florida

Trump kopiert sich selbst

Er hofft, dass die alten Hits noch ziehen: Mit derben Attacken, großen Versprechungen und viel Show startet US-Präsident Donald Trump in Florida die Kampagne zu seiner Wiederwahl. Seine Anhänger sind begeistert, aber reicht das?

Foto: Carlos Barria/ REUTERS
Aus Orlando berichtet
Mittwoch, 19.06.2019   10:43 Uhr

Er steht ganz allein auf der Bühne in der riesigen Halle. Vor ihm eine Menschenmenge, die Leute schreien, kreischen, ja brüllen: "USA, USA, USA." Donald Trump winkt und lacht seinen Anhängern zu: "Das ist ein großartiges Gefühl", ruft er. "Danke. danke. Ich werde euch nie enttäuschen. Ich werde euch nie im Stich lassen."

Trump will es noch einmal wissen: Bei einem Wahlkampfauftritt vor gut 20.000 treuen Anhängern in Orlando, Florida, verkündet der US-Präsident seine erneute Kandidatur für das Präsidentenamt. Mehr als 500 Tage vor der Wahl am 3. November 2020 ist die Kampagne zu seiner Wiederwahl damit offiziell eröffnet.

Trumps Rede in Florida gleicht in weiten Teilen den typischen Trump-Reden aus dem Wahlkampf 2016. Es ist die gleiche Mischung aus populistischen Attacken und großen Versprechungen.

Wie Trump austeilt

Die alten Hits sollen auch 2020 noch einmal zünden: Trump erklärt die Politik in Washington für "korrupt", warnt vor illegaler Einwanderung, verspricht den Bau der Mauer an der Grenze zu Mexiko und kritisiert die Handelsverträge, die unter Vorgängerregierungen geschlossen wurden.

Die Medien und seine politischen Gegner, die Demokraten, überzieht Trump mit wütenden Attacken. "Unsere radikalen politischen Gegner sind von Hass, Vorurteilen und Wut getrieben. Sie wollen unser Land, so wie wir es kennen, zerstören", ruft Trump. "Der wütende, linke Mob darf nicht an die Regierung kommen." Und: Niemals dürfe Amerika ein "sozialistisches Land" werden.

Das Publikum ist begeistert. Immer wieder muss Trump seine Rede für lauten Beifall unterbrechen. "Wir lieben dich", ruft ihm ein Mann aus der Menge zu. Andere halten Schilder hoch: "Four more years." - "Vier weitere Jahre." Es herrscht Volksfeststimmung.

Typisch Trump: Sich selbst und die Politik seiner Regierung lobt er natürlich über den grünen Klee. Kein Präsident vor ihm habe so viel erreicht wie er, so Trump. Die US-Wirtschaft floriere, erste Teile der Mauer zu Mexiko würden gebaut, und er habe etliche neue, konservative Richter ernannt, sagt Trump. Zudem sei Amerika endlich wieder "in der ganzen Welt respektiert".

In Orlando ist deutlich zu spüren: Trump will seine Anhänger in Schwingung versetzen. Die erneute Kandidatur ist eigentlich schon lange eine ausgemachte Sache, die entsprechenden Anmeldepapiere hat Trump bereits am Tag seiner Amtseinführung am 20. Januar 2017 bei der Bundeswahlkommission abgegeben. Dass er die Kandidatur nun offiziell verkündet, hat vor allem den Zweck, Optimismus bei den eigenen Leuten zu verbreiten. Sie sollen sich nicht von schlechten Umfragewerten beeindrucken lassen, sondern mit ihm zusammen für seine Wiederwahl kämpfen.

Das Rennen ist völlig offen. Mehr als ein Jahr vor der Präsidentenwahl spricht einiges dafür, dass Trump tatsächlich wiedergewählt werden könnte. Genauso gut könnte die Sache für ihn aber auch schiefgehen.

Fest steht: Trump hat in dieser Phase des Wahlkampfs gegenüber den Demokraten den Vorteil des Amtsinhabers, den er genussvoll ausspielt. Während bei der politischen Konkurrenz insgesamt 23 potenzielle Herausforderer versuchen müssen, irgendwie vorzukommen, darf sich Trump in seiner Funktion als Präsident der ungeteilten Aufmerksamkeit der interessierten Öffentlichkeit sicher sein.

Er ist der Präsident - jede Einlassung zählt. Mit seinen pausenlosen Tweets dominiert er die täglichen Nachrichten. Er gibt Interviews am Fließband, praktisch jede seiner Äußerungen wird, wie er neulich selbst

Fotostrecke

Trump in Orlando: "Keep America Great"

zufrieden feststellte, zur "Breaking News".

Die Trump-Show, sie funktioniert eben immer noch, auch in Orlando. Die großen Nachrichtensender übertragen den Auftritt des Präsidenten aus Florida live. Hunderte Reporter sind aus der ganzen Welt angereist, um zu berichten. "Hier sind ja so viele Journalisten wie früher bei den Oscars", freut sich Trump.

Noch ein weiterer Vorteil für Trump: Er hat eine prallgefüllte Wahlkampfkasse. Weil er bereits seit Monaten für seine Wiederwahl trommelt und Spenden einsammelt, kann er schon viele Millionen Dollar für Wahlwerbung oder für Großevents wie das in Orlando ausgeben. Momentan hat er laut "New York Times" 40 Millionen Dollar auf der Bank, bis zur Wahl im November 2020 will Trump demnach eine Milliarde Dollar an Spenden eingenommen haben.

Gleichzeitig steht Trump aber auch unter Druck: Das Chaos in seiner Regierung, die Russlandaffäre, die vielen Lügen sorgen für Verdruss beim Wahlvolk: Umfragen, selbst bei Trumps Lieblingssender Fox News, zeigen, dass er hinter demokratischen Bewerbern wie Joe Biden oder Bernie Sanders liegt. In wichtigen Staaten wie Michigan, Wisconsin oder Pennsylvania, führt Biden das Feld klar an.

In Trumps Wahlkampfteam haben sie den früheren Stellvertreter von Präsident Barack Obama deshalb auch als wichtigsten Konkurrenten ausgemacht. In Orlando verzichtet Trump allerdings fast ganz darauf, den Rivalen überhaupt beim Namen zu nennen.

Er mag es eben am liebsten, wenn nur eine Person im Mittelpunkt steht: Donald Trump.

insgesamt 102 Beiträge
fatherted98 19.06.2019
1. ja, reicht....
...was viele hier in Europa nicht sehen und auch oft nicht wissen können....die Landbevölkerung ist weiterhin auf Trumps Seite. Trump hat....und auch das wird natürlich in Deutschland nicht kolportiert, einiges an [...]
...was viele hier in Europa nicht sehen und auch oft nicht wissen können....die Landbevölkerung ist weiterhin auf Trumps Seite. Trump hat....und auch das wird natürlich in Deutschland nicht kolportiert, einiges an Infrastrukturmaßnahmen gerade auf dem Land angestoßen....Milliarden werden investiert um es dort wieder einigermaßen lebenswert zu machen....er hat Programm für die Reintegration von Kriminellen vorangebracht (insbesondere von Farbigen....tja...wer hätte das gedacht)....deshalb und wegen der guten Wirtschaftslage trotz Drohgebärden in Richtung China, Mexiko und der EU....geht es vielen "kleinen Leuten" besser....das quotieren sie....und das Establishment an Ost- und Westküste hat dem nichts entgegenzusetzen....die Demokraten verlieren sich in ewigen Machtspielen und vor allem Anklagen gegen die Person Trump....merken dabei gar nicht dass sie ihm in die Karten spielen....denn je mehr das Establishment Trump basht...umso mehr stehen seine Anhänger hinter ihm. Ein Wahlprogramm ist zudem bei den Demokraten nicht auszumachen....außer: Trump muss weg. Das wird nicht reichen. Und die Umfragen....nun die kommen von den Medien denen Trump den Krieg erklärt hat....kein Wunder also das er hinten liegt....lag er ja auch bei seiner ersten Wahl....wir werden sehen.
Atheist_Crusader 19.06.2019
2.
"startet"? Als ob er je aufgehört hätte, Wahlkampf zu betreiben. Das könnte dazu beigetragen haben, dass er auch zunehmend Konservativen zum Hals raushängt. Schon in früheren Wahlen haben die Bürger sich beschwert, [...]
"startet"? Als ob er je aufgehört hätte, Wahlkampf zu betreiben. Das könnte dazu beigetragen haben, dass er auch zunehmend Konservativen zum Hals raushängt. Schon in früheren Wahlen haben die Bürger sich beschwert, dass die sich zu lange hinzogen, dass die Politik zu lange das Tagesgeschehen dominierte. Trump macht seit 2015 durchgängig Wahlkampf. Die Umfragen aber sehen nicht so günstig aus. Selbst Fox News und seine eigenen Leuten zufolge liegt er hinter Biden und diversen Anderen. Klar lässt sich das nicht 1:1 auf die Wahl übertragen und selbstverständlich kann sich das noch ändern. Aber Trump scheint das weniger optimistisch zu sehen - er hat erstmal seine Umfragebeauftragten gefeuert und alle Umfragen als Fake News bezeichnet. Und dann ein paar eigene Umfragen erfunden die zeigen wie er überall gewinnt. Was immer noch möglich ist, selbst wenn die Dems sich nicht mit irgendeiner neuen (oder alten) Idiotie in den Fuß schießen. Wenn sie sich aber am Thema bleiben, haben sie gute Chancen. Was Trump linken Radikalismus oder Sozialismus nennt, wird bei Amerikanern (auch Konservativen) immer beliebter. Selbst die haben erkannt, dass ihr altes System nicht so toll ist wie man es ihnen immer einreden will.
Hans-Dampf 19.06.2019
3.
Direkte Antwort auf die Frage aus dem Teaser: es wird klappen. Dass US-Amerikaner ein undifferenziertes Welbild haben, wurde schon mit seiner Wahl zum Präsidenten bewiesen. Schlauer sind sie in der Zwischenzeit wohl nicht [...]
Direkte Antwort auf die Frage aus dem Teaser: es wird klappen. Dass US-Amerikaner ein undifferenziertes Welbild haben, wurde schon mit seiner Wahl zum Präsidenten bewiesen. Schlauer sind sie in der Zwischenzeit wohl nicht geworden. Obendrein wird Trump in den USA vollkommen anders wahrgenommen als hierzulande. Ich will nicht behaupten, dass die US-Amerikaner ihren Präsidenten preisen, aber wer einmal vor Ort war, weiß, was ich meine.
quark2@mailinator.com 19.06.2019
4.
Leider braucht es nicht zu reichen, daß er so weitermacht, wie letztes Mal. Denn er hat halt gute Konjunkturdaten, er hat seine Versprechen entweder erfüllt, oder zumindest recht glaubhafte Anstrengungen gemacht, diese gegen [...]
Leider braucht es nicht zu reichen, daß er so weitermacht, wie letztes Mal. Denn er hat halt gute Konjunkturdaten, er hat seine Versprechen entweder erfüllt, oder zumindest recht glaubhafte Anstrengungen gemacht, diese gegen eine Menge Widerstand durchzusetzen, er hat mit Mexiko, Kanada und China einige Runden getanzt und dabei nicht schlecht abgeschnitten ... und das alles während das halbe Land versucht, ihn zu Boden zu bringen. Persönlich wäre mir Bernie Sanders natürlich viel lieber, aber der Mann wird nie US-Präsident. Frau Clinton hätte zwar ne flachere Welle gemacht, wäre aber mMn. genauso rücksichtslos in ihrer Außenpolitik gewesen. Man braucht sich nichts vormachen, egal wer dieser Tage US-Präsident wird, die alte Zeit, als die USA tatsächlich halbwegs nett zu Europa waren, sind wohl vorbei.
phillyst 19.06.2019
5.
Solange sich die Dems in irgendwelchen für den Normalbürger kaum zu greifenden politischen Grabenkämpfen verzetteln wird er leider jede Chance haben, wieder zu gewinnen. Die größte Chance für die Dems währen wohl [...]
Solange sich die Dems in irgendwelchen für den Normalbürger kaum zu greifenden politischen Grabenkämpfen verzetteln wird er leider jede Chance haben, wieder zu gewinnen. Die größte Chance für die Dems währen wohl Nichtwähler. Die sollen jetzt mal die Finger aus diversen Körperöffnungen nehmen, Biden oder Sanders (den mit weniger Dreck am Stecken) aufstellen und in den Wahlkampfmodus schalten, OHNE sich dabei zu sehr auf Trump zu fokussieren. Auch wenns schwer fällt. Vielleicht haben sie ja auch Glück und Russland "hilft" diesmal ihnen, weil sie inzwischen völlig entnervt sind, was für eine Gestalt sie da ins Amt befördert haben.

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