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Trump-Team hatte angeblich mehr als ein Dutzend Mal Kontakt mit Russland

Donald Trump hält weiter an seiner Version fest: Sein Wahlkampfteam habe keinerlei Kontakte nach Russland unterhalten. Die Zweifel daran wachsen, dafür sorgen auch Recherchen der Agentur Reuters.

REUTERS

Donald Trump (links)

Donnerstag, 18.05.2017   13:10 Uhr

"Ich erwarte, dass dieses Thema schnell beendet sein wird", sagte US-Präsident Donald Trump am Mittwoch und meinte Untersuchungen zu möglichen Verbindungen von Mitgliedern seines Wahlkampfteams nach Russland. Das Ergebnis würde letztlich belegen, was alle bereits wüssten: dass es keine Verbindungen zwischen seinem Wahlkampfteam und einem ausländischen Staat gegeben habe. Kurz zuvor hatte das Justizministerium den Sonderermittler Robert Mueller eingesetzt, der in der Sache aufklären soll.

Die Verbindungen der Trump-Vertrauten nach Russland könnten jedoch doch wesentlich intensiver gewesen sein, als bisher vermutet wurde. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters und beruft sich auf Offizielle, die mit den Gesprächen und bisher geheimen Dokumenten vertraut sein sollen.

Den Reuters-Recherchen zufolge hatten der inzwischen entlassene Sicherheitsberater Michael Flynn und weitere Trump-Berater mindestens 18-Mal Kontakt mit russischen Offiziellen. Dabei handele es sich um Telefongespräche und E-Mails während der sieben Monaten vor der Präsidentschaftswahl.

Die bisher unter Verschluss gehaltenen Dokumente, die Auskunft über die Kommunikation geben, sind unter anderem Teil der Akten, die derzeit vom FBI untersucht werden, schreibt Reuters.

Demnach geben die bisher geheimen Unterlagen Auskunft über sechs Telefongespräche zwischen dem russischen Botschafter in Washington, Sergej Kisljak, und Michael Flynn. Flynn war im Februar nach nur 24 Tagen von seinem Posten als nationaler Sicherheitsberater zurückgetreten.

Zumindest dieser Fall war bereits bekannt: Flynn hatte vor seinem Amtsantritt mit dem russischen Botschafter über Sanktionen gegen Moskau gesprochen und darüber später falsche Angaben gemacht. Daraufhin musste er seinen Posten räumen. Bekannt war auch, dass etliche Trump-Wahlkampfberater, darunter seine drei Vertrauten - Michael Flynn, Paul Manafort und Carter Page -, weit verzweigte private und berufliche Kontakte nach Russland hatten.

Einrichtung eines geheimen Kommunikationskanals

Neu wären jedoch die von Reuters genannten Details aus den bisher geheim gehaltenen Akten - sie könnten dazu führen, dass der Druck auf das Trump-Team wächst, dem Sonderermittler weitere Akten auszuhändigen.

Die Gespräche zwischen Kisljak und Flynn sollen sich laut Reuters nach dem 8. November intensiviert haben. Dabei soll auch über die Einrichtung eines "geheimen Kommunikationskanals" geredet worden sein, um andere Behörden zu umgehen. Der Grund: Die könnten einer Verbesserung des amerikanisch-russischen Verhältnisses im Wege stehen.

Das Weiße Haus, der Anwalt von Michael Flynn und das russische Außenministerium wollten zu den Details keine Stellung nehmen, schreibt Reuters.

Neben den sechs Telefongesprächen kam es lautet Reuters zu zwölf weiteren Verbindungen - per Telefon, Textnachricht oder E-Mail.

"Es ist ungewöhnlich, dass es so viele Telefongespräche zu ausländischen Politikern gibt, besonders zu einem Land, das man als Gegenspieler oder sogar als feindliche Kraft sieht", sagt Richard Armitage, republikanischer Politiker und früherer Vizeaußenminister der Vereinigten Staaten.

Im Januar hatte das Weiße Haus anfänglich dementiert, dass es auch nur irgendwelche Kontakte mit russischen Offiziellen während des Wahlkampfes gegeben hatte. Später bestätige es unter anderem vier Treffen von Kisljak und Trump-Beratern in der Zeit. Bestätigt wurden zudem auch die Treffen von Kislyak mit dem späteren US-Justizminister Jeff Sessions.

mho/Reuters

insgesamt 80 Beiträge
Charlie Hebdo 18.05.2017
1. das ist der Anfang vom Ende der Ära Trump
Die Republikaner müssen jetzt bereits aktiv werden, damit bei den Zwischenwahlen 2018 ihre Partei nicht ganz abrutscht und die Demokraten die Mehrheit im Kongress übernehmen. Mike Pence würde ja sowieso als Vizepräsident [...]
Die Republikaner müssen jetzt bereits aktiv werden, damit bei den Zwischenwahlen 2018 ihre Partei nicht ganz abrutscht und die Demokraten die Mehrheit im Kongress übernehmen. Mike Pence würde ja sowieso als Vizepräsident der Nachfolger von Trump werden, ohne dass Neuwahlen stattfinden müssen. So bleibt ein Republikaner Präsident, der dann genug Zeit hat, sich zu profilieren, wenn 2018 gewählt wird. Ob Pence vernünftige Politik machen wird, müssen wir abwarten. Aber unchaotischer als Trump wird es in jedem Fall.
Pless1 18.05.2017
2. totgesagte könnten noch lange leben
So leid es mir tut: Ich halte Abgesänge auf Trump für bei weitem verfrüht. Noch sind die Midterm-Elections weit und ein Abrücken vom Präsidenten wäre natürlich auch ein Offenbarungseid der Republikaner, der ihnen sowohl bei [...]
So leid es mir tut: Ich halte Abgesänge auf Trump für bei weitem verfrüht. Noch sind die Midterm-Elections weit und ein Abrücken vom Präsidenten wäre natürlich auch ein Offenbarungseid der Republikaner, der ihnen sowohl bei diesen Wahlen als auch bei den Präsidentschaftswahlen danach ein Debakel einbringen würden: Das Establishment hat den einzigen, der den Sumpf hätte trocken legen können zu Fall gebracht. So wäre jedenfalls die Sicht des immer noch großen Trump-Lagers. Noch erkenne ich auch kein wirkliches Abrücken bei Offiziellen auf Seiten der Reps. Man versucht allenfalls, die eigene Rolle so sauber zu halten, dass man nach einem Sturz Trumps nicht noch eine Anklage zu befürchten hat (z. B. bei Sessions). Noch ist also wirklich alles offen.
BSC 18.05.2017
3. Kontakte
Was ist denn an Kontakten so verwerflich? Ist es nicht sogar wünschenswert, wenn die beiden wichtigsten Nationen der Welt sich austauschen anstatt verfeindet zu sein? Wenn dort neue Politiker an die Macht kommen, die das [...]
Was ist denn an Kontakten so verwerflich? Ist es nicht sogar wünschenswert, wenn die beiden wichtigsten Nationen der Welt sich austauschen anstatt verfeindet zu sein? Wenn dort neue Politiker an die Macht kommen, die das Miteinander mehr schätzen als nicht miteinander zu reden?
hotta81 18.05.2017
4. Seltsam
Bei dieser Medienhype um Trump und die Spekulation auf mögliche muß ich unwillkürlich an Altbundespräsident Christian Wulf denken. Die Parallelen sind verblüffend.
Bei dieser Medienhype um Trump und die Spekulation auf mögliche muß ich unwillkürlich an Altbundespräsident Christian Wulf denken. Die Parallelen sind verblüffend.
Röntgen 18.05.2017
5. Die Republikaner tun gut daran
die Midterm-Elections mit einem Mike Pence als geschäftsführendem Präsidenten anzugehen als mit Donald Trump. Für viele vernünftige Leute - egal welcher Couleur - ist seine Peinlichkeit und Unfähigkeit nicht mehr zu [...]
die Midterm-Elections mit einem Mike Pence als geschäftsführendem Präsidenten anzugehen als mit Donald Trump. Für viele vernünftige Leute - egal welcher Couleur - ist seine Peinlichkeit und Unfähigkeit nicht mehr zu überbieten. Es bleibt eines der großen Rätsel der Geschichte, wie DT sich für die Hälfte der Amerikaner als Heilsbringer aufschwingen konnte.

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