Politik

US-Medien über Trumps Militärschlag in Syrien

Krieg geht immer

Donald Trump inszenierte seinen Militärschlag gegen Syrien wie eine billige Realityshow. Doch die US-Medien beißen willig an - denn nichts verkauft sich so gut wie Krieg.

REUTERS/ U.S. Navy

Flugzeugträger "USS Carl Vinson"

Ein Kommentar von
Montag, 10.04.2017   11:22 Uhr

Krieg machte CNN zu dem, was es heute ist. Zehn Jahre lang hatte der US-Newssender vor sich hingekränkelt. Dann, am 16. Januar 1991, meldete sich Bernard Shaw live aus dem Al-Rashid-Hotel in Bagdad. "Draußen passiert was", keuchte der Reporter. "Wir sehen überall helle Blitze am Himmel."

Mit den Bomben der Operation "Desert Storm" brach die heiße Phase des zweiten Golfkriegs los, des ersten live im US-Fernsehen übertragenen Kriegs. Die nächsten drei Monate waren reines Quotengold für CNN - und Präsident George Bush erreichte die höchsten Popularitätswerte aller Zeiten, die erst sein Sohn nach den 9/11-Anschlägen noch übertreffen würde.

Nichts verkauft sich so gut wie Krieg. Auch jetzt wieder: Begeistert stürzen sich die US-Medien auf Donald Trumps Syrien-Abenteuer und machen sich so zu Komplizen des Weißen Hauses - auch wenn diese neueste Trump-Realityshow streckenweise so billig inszeniert ist wie eine Seifenoper.

Bilder, Szenen, Schlüsselreize: Trump, Meister der Manipulation, bediente sich altbewährter Symbolik, um Amerikas Kriegslust zu schüren.

Die Rede an die Nation, deren Patriotenpathos freilich in schlampiger Produktion unterging. Das Video fauchender "Tomahawks" am mediterranen Nachthimmel. Die allseits beliebte "Zeitleiste", diktiert von Sprecher Sean Spicer ("20.30: Ausländische Staatschefs benachrichtigt!"). Das Foto aus dem "Situation Room", in diesem Fall ein Nebenzimmer in Trumps Privatklub Mar-a-Lago, wo sie die legendäre Szene der Aktion gegen Osama bin Laden vom Mai 2011 amateurhaft zu kopieren versuchten.

DPA/ The White House

Trump und Sicherheitsberater im Mar-a-Lago

Trotz aller Klischees bissen die Medien an. Kommentatoren von rechts wie links krönten Trump reflexartig zum "Präsidenten der Vereinigten Staaten", als werde man das erst mit einer Kriegshandlung. MSNBC-Anchor Brian Williams, der sich im Irakkrieg die Sporen verdient hatte, fand die Bilder der Marschflugkörper "wunderschön". Bret Stephens vom "Wall Street Journal", sonst ein Kritiker, salutierte. "Trumps Herz kam zuerst", schrieb selbst die "New York Times" und rief "eine Wende in seiner Präsidentschaft" aus.

Nur 24 Stunden nachdem Trump auf dem bisher tiefsten Punkt angekommen zu sein schien, von Chaos und Skandalen umgeben, war er auf einmal der Liebling der amerikanischen Polit-Schreiber. Der Mann, der sich einst mit einem Attest um den Vietnam-Dienst drückte und zuletzt als inkompetente "Puppe" Wladimir Putins galt, hatte sich mit 59 "Tomahawks" neu erfunden. "Er musste nur einen Krieg anfangen", schrieb der Kolumnist Sam Sacks auf Twitter.

Die nächsten Versatzstücke liefern nun die Medien selbst: Sie bereiten den "Einmalschlag" zum virtuellen Videospiel auf, für noch mehr Quoten und Klicks. Grafiken, 3D-Rekonstruktionen, Satellitenbilder, Pentagon-Ziellisten ("Flugzeuge, Flugzeugschutzbauten, Benzin- und logistische Lager, Munitionsbunker"): Derlei Kriegsporno lässt schnell vergessen, dass bei der Aktion 15 Menschen starben, denn das sieht man nicht. Und dass diese drei Stunden so viel kosteten wie fast der gesamte US-Kulturetat, den Trump streichen will - militärisch aber kaum mehr waren als ein glorifizierter Stinkefinger. Von unabsehbaren geopolitischen Turbulenzen mal gar nicht zu sprechen.

Dass Politiker und Wähler schnell zu willigen Kriegsfans mutieren, ist beklagenswert genug. Doch dass die US-Medien, als letzte Instanz der Kritik und Kontrolle, ebenso versagen, erschreckt noch mehr. Sobald Raketen aufsteigen und Bomben fallen, würden vor allem die von immer neuen visuellen Reizen lebenden TV-Sender "auf Anhieb zu staatlichen Medien", schreibt Glenn Greenwald - der 2013 die Enthüllungen des CIA-Whistleblowers Edward Snowden publizierte - auf der Website "Intercept".

Die Frage ist: Wie lange ziehen diese zynischen Kriegsspiele? Die Aufmerksamkeitsspanne der meisten Amerikaner ist heute nur noch minimal - und die des Präsidenten ebenfalls. Wohin fliegen die nächsten Raketen? Am Wochenende hatte Trump die Uniform des Feldherrn schon wieder abgeworfen und verbrachte zehn Stunden auf dem Golfplatz.

insgesamt 185 Beiträge
Mister Stone 10.04.2017
1.
Donald Trump inszenierte seinen Militärschlag gegen Syrien wie eine billige Realityshow. Doch die US-Medien beißen willig an Aber nicht nur die US-Medien! Auch unsere Regierungselite finden den Raketenangriff [...]
Donald Trump inszenierte seinen Militärschlag gegen Syrien wie eine billige Realityshow. Doch die US-Medien beißen willig an Aber nicht nur die US-Medien! Auch unsere Regierungselite finden den Raketenangriff "nachvollziehbar" bis "richtig". Mit z.T. abenteurlichen "Begründungen" voller Halbwahrheiten und unbewiesener Behauptungen. Und unsere Medien sahen das ja auch so, jedenfalls solange bis die Meinungsumfrage ergeben hat, dass die Mehrheit der Deutschen das anders beurteilen.
Suppenelse 10.04.2017
2. Auf dem russischen Auge blind?
Ich wundere mich über das Herumgehacke auf den pösen, pösen USA, das dieser Tage allerorts zu lesen ist, gerade auch auf Spiegel Online. Wo wart ihr alle vor wenigen Monaten? Als die russische Armee gemeinsam mit Assad [...]
Ich wundere mich über das Herumgehacke auf den pösen, pösen USA, das dieser Tage allerorts zu lesen ist, gerade auch auf Spiegel Online. Wo wart ihr alle vor wenigen Monaten? Als die russische Armee gemeinsam mit Assad wiederholt die Zivilbevölkerung bombardiert hat, haben alle entweder geschwiegen oder betroffen-hilflose Artikel verfasst - Demos der "Friedensbewegung" gab es natürlich keine. Nun haben nach dem Giftgasangriff auch die USA militärisch eingegriffen (hätten sie das früher getan, wäre vielleicht Schlimmeres verhindert worden), und man kann endlich wieder die alten Reflexe spielen lassen. An diesem verlogenen Spiel sollte sich nicht auch noch die Presse beteiligen.
mainstreet 10.04.2017
3. Krieg ist immer schlecht!
Die Frage die sich hier stellt gibt es schon länger denn der Bürger weiß auch aus der Erziehung von Eltern und Opa eben familär das Krieg nicht gut ist. Die Presse dagegen schiebt Verkaufargumente in den Vordergrund "das [...]
Die Frage die sich hier stellt gibt es schon länger denn der Bürger weiß auch aus der Erziehung von Eltern und Opa eben familär das Krieg nicht gut ist. Die Presse dagegen schiebt Verkaufargumente in den Vordergrund "das sich nichts so gut verkäuft wie Krieg" und das ist gesellschaftlich gesehen nicht sehr gut. Auch die Presse sollte einsehen das man mit Krieg keinen Spaß machen sollte und Sie sollte Verkaufsargumente im Rahmen einer Übereinkunft der Presserichtlinien -insofern- Krieg nie verharmlosen oder verherrlichen. In Syrien sind schon zuviele unschuldige Menschen dank eines Tyrannen dem es nur um Machterhaltung geht um das Leben gekommen und dies muss beendet werden und darauf sollte die EU angemessen reagieren auch wenn man das Land vorübergehend stabilisieren muss durch UN oder EuroKfor oder Ähnliches. Verkaufsargumente hinisichtlich von Krieg in Syrien sind wirklich kein Thema!
thea21 10.04.2017
4.
Guter Beitrag. Und wer es noch genauer wissen will, sollte die Analyseseite der US-amerikanischen NGO "fair.org" aufrufen. Hier werden die Leitartikel der 5 größten US-Zeitungen zum Thema analysiert. 18 Leitkommentare, [...]
Guter Beitrag. Und wer es noch genauer wissen will, sollte die Analyseseite der US-amerikanischen NGO "fair.org" aufrufen. Hier werden die Leitartikel der 5 größten US-Zeitungen zum Thema analysiert. 18 Leitkommentare, alles Jubelartikel zu Trumps Vorgehen, einige fordern den "Enthauptungsschlag" für Assad - kein einziger Artikel formuliert irgendeine Kritik. Hier ist der Link: http://fair.org/home/five-top-papers-run-18-opinion-pieces-praising-syria-strikes-zero-are-critical/
Ezechiel 10.04.2017
5. Krieg geht immer.
Na klar, wenn man sieht wie wichtig die Rüstungsindustrie für das US-amerikanische Bruttoinlandsprodukt ist, bekommt der Krieg den Status eines Konjunkturprogramms.
Na klar, wenn man sieht wie wichtig die Rüstungsindustrie für das US-amerikanische Bruttoinlandsprodukt ist, bekommt der Krieg den Status eines Konjunkturprogramms.
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