Politik

Donald Trump und die Taliban-Verhandlungen

Der Rückzieher

Donald Trump hat die Verhandlungen zwischen den USA und den Taliban gestoppt. Für das vom Krieg geplagte Afghanistan verheißt das nichts Gutes - und spielt den Islamisten in die Hände.

JIM WATSON/ AFP

US-Präsident Donald Trump sagte die Friedensverhandlungen via Twitter kurzfristig ab

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Montag, 09.09.2019   21:35 Uhr

Donald Trump wollte mal wieder den großen Dealmaker spielen: In Camp David, wo einst die Staatschefs Ägyptens und Israels Frieden schlossen, wollte der US-Präsident schaffen, woran seine Vorgänger George W. Bush und Barack Obama gescheitert waren: eine Friedenslösung für Afghanistan, die es den USA erlauben würde, ihre Truppen nach 18 Jahren Krieg am Hindukusch zurückzuziehen.

Trump hatte zwar bereits 2016 im Wahlkampf den Rückzug aus Afghanistan versprochen, sich dann als Präsident aber jahrelang kaum um die Details gekümmert. Die Gespräche mit den Taliban überließ er seinem Sondergesandten Zalmay Khalilzad. Am Sonntag wollte sich Trump in Camp David dann medienwirksam zu getrennten Gesprächen mit Taliban-Anführern und dem afghanischen Präsidenten Ashraf Ghani treffen.

Laut "New York Times" soll Trump selbst die Idee gehabt haben, sich kurz vor dem 18. Jahrestag der Anschläge vom 11. September 2001 in Camp David mit Taliban-Vertretern zu treffen.

Im selben Moment jedoch, als er diese Pläne erstmals öffentlich machte, sagte er das Treffen und die Friedensverhandlungen via Twitter ab.

Der US-Präsident begründete die Absage der Gespräche mit dem jüngsten Anschlag in Kabul vom vergangenen Donnerstag, bei dem zwölf Menschen getötet wurden, darunter ein US-Soldat. Besonders glaubhaft ist dieses Argument nicht: Elis Angel Barreto Ortiz war der 16. US-Soldat, der seit Jahresbeginn bei Taliban-Anschlägen getötet wurde. Die anderen 15 Todesopfer hatten keine Auswirkungen auf die Verhandlungsrunden zwischen USA und Taliban in Katars Hauptstadt Doha.

Die Taliban haben bisher keine Konzessionen gemacht

Mit Trumps öffentlicher Absage rückt eine Verhandlungslösung in weite Ferne. Dabei war das Gerede von "Friedensgesprächen" ohnehin nur eine Täuschung. Den USA ging es nicht vorrangig darum, dauerhaften Frieden in Afghanistan herbeizuführen, sondern vielmehr darum, ohne Gesichtsverlust einen Ausstieg aus dem sogenannten Krieg gegen den Terror am Hindukusch hinzubekommen.

Das zeigte sich etwa daran, dass Unterhändler Khalilzad zwei der vier Punkte, die in Gesprächen mit den Taliban ursprünglich geklärt werden sollten, im Laufe der Zeit unter den Tisch fallen ließ:

Stattdessen ging es bei den Unterredungen mit den Taliban nur noch um den Abzug der US-Truppen und die Zusicherung der Islamisten, zukünftig keine international operierenden Terrororganisationen mehr in Afghanistan zu beherbergen, allen voran al-Qaida. Eine Einigung auf allein dieser Grundlage hätte längst noch keinen Frieden für das kriegsgeplagte Land bedeutet.

Vieles deutet darauf hin, dass Trump erst in den vergangenen Wochen klar geworden sein könnte, dass die Taliban in monatelangen Verhandlungen noch keine ernsthafte Konzession gemacht haben, die der US-Präsident als Erfolg verkaufen könnte. Möglicherweise hat er deshalb nach einem Vorwand gesucht, um nun den gesamten Prozess platzen zu lassen. Der Anschlag vom Donnerstag wäre dann nicht mehr als ein Vorwand gewesen.

Die Zeit spielt den Taliban in die Hände

Wie auch immer: Für die Menschen in Afghanistan ist das Scheitern der Gespräche eine schlechte Nachricht: "Beide Seiten werden wohl den Krieg nun weiter eskalieren", prophezeit Thomas Ruttig, Co-Direktor des Afghanistan Analysts Network mit Sitz in Kabul und Berlin. Bereits während der Verhandlungen verschärften sowohl die Taliban als auch die US-Armee und ihre Verbündeten ihre Angriffe. Im ersten Halbjahr töteten die Truppen der afghanischen Regierung mehr Zivilisten als die Islamisten. Wenn Trump nun also argumentiere, die Taliban würden einseitig den Konflikt befeuern, sei das irreführend, so Ruttig.

Dabei wissen die Taliban vermutlich sehr genau, dass ihnen die Zeit in die Hände spielt, denn Trump will Afghanistan lieber früher als später verlassen. Auch in den Reihen der Taliban gebe es einzelne kriegsmüde Kämpfer, sagt Afghanistan-Experte Ruttig, aber die Organisation sei nach wie vor äußerst widerstandsfähig. "Man kann nicht erwarten, dass sie die Waffen niederlegen, ohne dass es ein Abkommen gibt, das aus ihrer Sicht den Sinn ihres Kampfes wahrt."

Die Taliban setzen also darauf, dass ihr mächtigster Gegner in Afghanistan, die US-Armee, irgendwann das Feld räumen wird, mit oder ohne Abkommen. Schon jetzt sind die Islamisten vielerorts auf dem Vormarsch. Sind die amerikanischen Soldaten erst einmal außer Landes, ist der Sturz der Regierung in Kabul nur eine Frage der Zeit, so das Kalkül.

Offensichtlich hoffen sie auf eine Wiederholung des sowjetischen Szenarios: Nachdem die Rote Armee 1989 aus Afghanistan abzog, dauerte es nur drei Jahre, bis die Mudschahidin, die in den Achtzigerjahren gegen die sowjetischen Besatzer gekämpft hatten, die von Moskau eingesetzte Regierung in Kabul stürzten. 1996 übernahmen schließlich die Taliban die Macht.

insgesamt 34 Beiträge
draco2007 09.09.2019
1.
Tja, da kann man sich wohl nicht einfach vor die Kamera stellen und Hände schütteln. Ist Mr. "Bone spurs" wohl zu gefährlich.
Tja, da kann man sich wohl nicht einfach vor die Kamera stellen und Hände schütteln. Ist Mr. "Bone spurs" wohl zu gefährlich.
claus7447 09.09.2019
2. Der Zocker hat sich...
.... verzockt. Trump hat nicht mit der Aversion der US Amerikaner gerechnet, mit den Taliban sich an einen Tisch zu setzen. Taliban oder IS das ist 9/11.
.... verzockt. Trump hat nicht mit der Aversion der US Amerikaner gerechnet, mit den Taliban sich an einen Tisch zu setzen. Taliban oder IS das ist 9/11.
Ventil4tor 09.09.2019
3.
Ach, das wird so oder so nichts. Nach 18 Jahren keine Lösung gefunden. Als ob der angebliche Dealmaker das erreicht hätte... Alles heiße Luft, der kriegt nichts gebacken und auch die Taliban wollen es nicht, wie der Anschlag [...]
Ach, das wird so oder so nichts. Nach 18 Jahren keine Lösung gefunden. Als ob der angebliche Dealmaker das erreicht hätte... Alles heiße Luft, der kriegt nichts gebacken und auch die Taliban wollen es nicht, wie der Anschlag beweist. Da haben beide Seiten einen explodierenden Grund gesucht, dass es nicht zum Treffen kommt.
tuscreen 09.09.2019
4.
Genau, da bomben die taliban grade mal 12 männeken zu fetzen, und schon sagt der pöhse, plöhde donald trump, dass das mit den verhandlungen ja wohl eher sinnlos ist, wenn gleichzeitig noch solche dinge passieren. da ist ja [...]
Genau, da bomben die taliban grade mal 12 männeken zu fetzen, und schon sagt der pöhse, plöhde donald trump, dass das mit den verhandlungen ja wohl eher sinnlos ist, wenn gleichzeitig noch solche dinge passieren. da ist ja wohl EINDEUTIG wieder der doofe donny schuld!!11!!! "Trump Derangement Syndrome -- It's Alive And Well."
DieLinkeFratze 09.09.2019
5. Die Taliban sind die guten,
und Trump ist der böse, wetten das !
und Trump ist der böse, wetten das !

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