Politik

USA unter Trump

Amerika, wie tief bist du gesunken

Das Jubiläum der Mondlandung erinnert daran, dass die USA ein Vorbild für Freiheit, Fortschritt und Weltoffenheit waren. Unter Präsident Trump ist es damit vorbei - er appelliert an die niedersten Instinkte.

Jabin Botsford/ The Washington Post/Getty Images

US-Präsident Donald Trump: Da ist nur Engstirnigkeit und Düsternis

Ein Kommentar von , Washington
Donnerstag, 18.07.2019   05:58 Uhr

"Ein kleiner Schritt für den Menschen, aber ein riesiger Sprung für die Menschheit." Fast auf den Tag genau vor 50 Jahren sprach der Amerikaner Neil Armstrong diesen Satz voller Pathos. Er war der erste Mann auf dem Mond. Am Wochenende wird das Jubiläum in Washington groß gefeiert.

Die USA markierten mit der Apollo-11-Mission ihren Anspruch als große, unangefochtene Führungsmacht der Welt. Zugleich konnten sich aber alle Erdenbürger freuen, weil plötzlich deutlich wurde, dass die Menschheit als Ganzes etwas Großartiges erreicht hatte. Jeder konnte sich in diesem Moment als Teil einer friedlichen, glücklichen Weltgemeinschaft fühlen, unabhängig von Herkunft oder Hautfarbe.

Es war ein Jahrhundertereignis, das inspirierte, begeisterte, verzauberte. Die USA haben es möglich gemacht. Was ist von diesem Glanz geblieben? Leider nicht viel. Das wird zu diesem Jubiläum deutlicher denn je.

Für große Träume ist in Trumps Amerika kein Platz

Heute, unter der Präsidentschaft von Donald Trump, stehen die USA kaum mehr für das Ideal der friedlichen, fortschrittlichen, demokratischen Weltgemeinschaft, die gemeinsam daran arbeitet, Herausforderungen anzugehen. Das Land strahlt nicht mehr.

Für große Träume ist kein Platz. Trump verkörpert das kalte Herz eines nationalistischen, egoistischen Kapitalismus, in dem jedes Land, jeder Mensch nur noch für sich kämpft. Aufgaben wie der Klimaschutz, die gemeinsam gelöst werden müssten, werden ignoriert. Das Weltall wird kommerziell von Privatfirmen erschlossen oder mehr und mehr unter militärischen Aspekten betrachtet, als Schlachtfeld für künftige Kriege. Wenn Trump über die seit Langem geplante Marsmission spricht, klingt das hohl und uninspiriert.

Es ist die Rückkehr zum Recht des Stärkeren. Wer kann, schottet sich ab: gegen Flüchtlinge, gegen Arme, gegen Verfolgte, die nicht als Opfer, sondern als Bedrohung gesehen werden.

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Amerika war nie perfekt. Ganz sicher nicht. Aber trotz aller Probleme blieb es immer ein Vorbild für Demokratie, Pluralismus, Weltoffenheit. Gerade die Präsidenten bemühten sich, für diese Ideale einzustehen, die das Land groß und stark gemacht haben. Sie versuchten, eine Welt zu verkörpern, in der Menschen miteinander, nicht gegeneinander arbeiten.

Damit ist es vorbei. Im Weißen Haus sitzt ein Mann, der andere Länder zu Gegnern erklärt und der offen mit Parolen aus dem Lehrbuch der Rassisten Wahlkampf macht. Trumps niederträchtige Aufforderung an vier weibliche Kongressabgeordnete der Demokraten mit Migrationshintergrund, in ihre Herkunftsländer "zurückzugehen", ist der vorläufige Tiefpunkt dieser Entwicklung.

Trump hat keine große, inspirierende Idee, die Menschen zusammenbringt. So wie einst die Mondlandung. Da ist nur Engstirnigkeit und Düsternis. Man kann es leider nicht anders sagen: Amerika, der leuchtende Stern von Freiheit und Weltoffenheit, versinkt in einer Kloake aus Ressentiments und Hass. Statt als Vorbild gegen Vorurteile daheim und in der Welt anzukämpfen, erweckt Trump die niedersten Instinkte im Volk zu neuem Leben.

Es ist überhaupt nicht ausgeschlossen, dass Trump mit seinen Parolen auch bei der nächsten Wahl Erfolg haben wird. "Viele Menschen finden das gut, was ich sage", ruft er. Und das ist leider - ausnahmsweise - die Wahrheit.

Video: Trumps neue Angriffe auf Demokratinnen - "Diese Leute hassen unser Land"

Foto: J. Scott Applewhite/ AP

Natürlich ist da auch immer noch das andere, das bessere Amerika. Aber solange dieses Amerika keinen Weg findet, Trump und den Hass zu stoppen, wird dieser Irrsinn weitergehen. Deshalb steht auch die Opposition in der Verantwortung. Die Demokraten dürfen sich vor der Präsidentenwahl 2020 nicht in Flügelkämpfen zwischen Progressiven und Moderaten verfangen, sondern müssen einen Kandidaten oder eine Kandidatin finden, der oder die in der Lage ist, Trump zu schlagen. Allein darauf kommt es an.

Statt eines Spalters braucht das Land im Weißen Haus eine Versöhnerfigur. Es braucht einen Menschen, der Amerika wieder leuchten lässt.

insgesamt 433 Beiträge
echtermünchner 18.07.2019
1. Amerika
ist nicht nur New York City oder Los Angeles. Es ist auch Montana, Wyoming,New Mexico. Nochmals: Trump ist nicht die Ursache. Er ist das Symptom.
ist nicht nur New York City oder Los Angeles. Es ist auch Montana, Wyoming,New Mexico. Nochmals: Trump ist nicht die Ursache. Er ist das Symptom.
leontion 18.07.2019
2. Naja ...
Eisenhower tat nichts für die rechtliche Gleichstellung der Afroamerikaner. Johnson und Nixon führten den Vietnamkrieg mit 6 Millionen toten Südostasiaten, Reagan wollte den Weltraum militarisieren, Bush jr. stürzte den Nahen [...]
Eisenhower tat nichts für die rechtliche Gleichstellung der Afroamerikaner. Johnson und Nixon führten den Vietnamkrieg mit 6 Millionen toten Südostasiaten, Reagan wollte den Weltraum militarisieren, Bush jr. stürzte den Nahen Osten ins Chaos, Friedensnobelpreisträger Obama und Hillary Clinton destabilisierten Libyen. Trump ist bislang ein verbaler Rüpel und Hassprediger geblieben, was seine Entgleisungen aber nicht entschuldigen soll.
puzzleteil 18.07.2019
3. Der "Beispiel " wurde bereits übernommen
Wer nicht mit gute Beispiel vorangeht, kann nicht andren gute belehren. Verantwortung für Welt, Umwelt,Frieden oder für Nächstenliebe anders aus. Wir können nur davon träumen einen Welt mit demokratischen Regeln zu haben.
Wer nicht mit gute Beispiel vorangeht, kann nicht andren gute belehren. Verantwortung für Welt, Umwelt,Frieden oder für Nächstenliebe anders aus. Wir können nur davon träumen einen Welt mit demokratischen Regeln zu haben.
Fuxx2000 18.07.2019
4. Dann darf der Spiegel
Mit gutem Beispiel vorangehen und aufhören, tendentiös über die US Wahl zu berichten. Shon bei der ersten Wahl wurden die auf allen Ebenen besseren Umfrageergebnisse vin Sanders gg Trump im Vergleich zu HRC ignoriert, ebenso [...]
Mit gutem Beispiel vorangehen und aufhören, tendentiös über die US Wahl zu berichten. Shon bei der ersten Wahl wurden die auf allen Ebenen besseren Umfrageergebnisse vin Sanders gg Trump im Vergleich zu HRC ignoriert, ebenso wie der Betrug der Partei im Nominierungsverfahren. Die Medien sind (unter anderem) mit schuldig an Trumps Aufstieg, da sie jede Alternative aus dem Bereich: Progressiv, Nicht-Neoliberal, links - wie auch immer man diese Kräfte nennen mag ignorieren oder mit Populisten gleichsetzen. Dass einfach jetzt der nächste Gerhard Schröder kommt und die Grundstimmung umreißt wird leider nicht passieren lieber SPIEGEL...
Saure Gurke 18.07.2019
5.
Herr Nelles hat es auf den Punkt gebracht.
Herr Nelles hat es auf den Punkt gebracht.
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