Politik

US-Medien zu Mueller-Bericht

"Eine Abrechnung mit dem System"

Details aus dem Bericht von Sonderermittler Robert Mueller sind unklar. Die "New York Times" spricht bereits von einem Wendepunkt für US-Präsident Trump. Fox News bezeichnet das Dokument als unglaubwürdig. Ein Überblick.

AFP

Kapitol in Washington

Samstag, 23.03.2019   17:10 Uhr

Fast zwei Jahre hat die Untersuchung der Russlandaffäre um US-Präsident Donald Trump gedauert. Nun hat Sonderermittler Robert Mueller seine Ermittlungen beendet und seinen vertraulichen Abschlussbericht an das Justizministerium übergeben. Details zu dem Dokument sind bisher nicht an die Öffentlichkeit gedrungen. Dennoch bestimmt der Mueller-Bericht die Schlagzeilen der US-Medien.

Die "New York Times" bezeichnete den Report als "Test für Trump und das System". Nach mehrjährigen Ermittlungen sei nun der Moment für eine Abrechnung gekommen. Diese beziehe sich natürlich auf Trump. Gleichzeitig müsse aber auch mit Sonderermittler Mueller, dem Kongress, den Demokraten, den Republikanern und den Medien, ja mit dem gesamten System abgerechnet werden. Die Übergabe des Ermittlungsberichts markiere einen "Wendepunkt, der die verbleibende Zeit von Trumps Präsidentschaft prägen und die Funktionalität der amerikanischen Regierung auf die Probe stellen wird".

In Washington sei so lange auf die Ermittlungsergebnisse gewartet und so viel in die Untersuchung investiert worden, dass Muellers Erkenntnisse nun vielleicht hinter den Erwartungen zurückbleiben könnten, heißt es weiter in der "New York Times". Sobald der Bericht veröffentlicht sei, werde er die politische Landschaft verändern und die Forderungen nach einer Amtsenthebung des Präsidenten befeuern - "oder dem Präsidenten Stoff bieten, um sich zu verteidigen", heißt es weiter. Einen Schatten auf Trumps Präsidentschaft werfe die Untersuchung in jedem Fall. Schließlich habe sie gezeigt, dass Russland die Präsidentschaftswahlen zu Trumps Gunsten zu beeinflussen versucht habe.

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Fotostrecke: Die Straftäter im Umfeld des Präsidenten

Ähnliches schreibt auch die "Washington Post". Die Zeitung fasst die bisherigen Entwicklungen in der Russlandaffäre zusammen. Der Mueller-Bericht mache in jedem Fall deutlich, dass Trumps Kampagnenteam von den Angriffen eines ausländischen Gegners auf das US-System nicht beunruhigt gewesen sei. Und im Wahlkampf 2016 willig gewesen sei, diese Hilfe zu akzeptieren.

Auch der Sender CNN geht davon aus, dass der Mueller-Bericht lange nachwirken wird. Und "unermessliche politische und verfassungsrechtliche Konsequenzen" nach sich ziehen könnte. Die Untersuchung selbst sei bereits bahnbrechend. Schließlich zeige sie, dass es möglich sei, "explosivste Vorwürfe gegen einen entfesselten Präsidenten einer glaubhaften rechtlichen Prüfung zu unterziehen - ohne Einmischungen und trotz einer bitteren Polarisierung der Zeiten".

Fox News, der Haussender von Trump, sieht das anders. Dort wird der Bericht von Mueller als unglaubwürdig bezeichnet. Der Prozess der Untersuchungen und das Team um den Sonderermittler seien von Beginn an fehlerbehaftet gewesen. In einem weiteren Bericht schreibt Fox News von einem "kollektiven Schock der Mainstream-Medien". Die Kommentatoren mehrerer Sender hätten es demnach offenkundig nicht fassen können, dass Sonderermittler Mueller sich nicht für weitere Anklagen ausgesprochen haben soll. Dies wird von Fox News und der Trump-Administration als positive Entwicklung für den Präsidenten gedeutet. Bei einer Moderatorin, die sich zu der Angelegenheit äußerte, will Fox News erkannt haben, dass sie ihre Tränen zurückhalten musste.

asc

insgesamt 8 Beiträge
ddcoe 24.03.2019
1. Alleine schon
das es notwendig ist von einem Sonderermittler einen Verdacht gegen einen amtierenden Präsidenten untersuchen zu lassen, beschädigt das Amt und die gesamte Demokratie in den USA. Denn ohne begründeten Verdacht hätte es diese [...]
das es notwendig ist von einem Sonderermittler einen Verdacht gegen einen amtierenden Präsidenten untersuchen zu lassen, beschädigt das Amt und die gesamte Demokratie in den USA. Denn ohne begründeten Verdacht hätte es diese Ermittlungen nie gegeben.
n.strohm 24.03.2019
2. Ob der
Bericht selbst den Präsidenten zu Fall bringen wird ist für mich längst nicht mehr ausschlaggebend. Ich bezweifel auch, ob der jemals veröffentlicht wird. Sollte er nicht veröffentlicht werden, wird Trump keine Ruhe mehr [...]
Bericht selbst den Präsidenten zu Fall bringen wird ist für mich längst nicht mehr ausschlaggebend. Ich bezweifel auch, ob der jemals veröffentlicht wird. Sollte er nicht veröffentlicht werden, wird Trump keine Ruhe mehr finden. Die Nicht-Veröffentlichung wird als "aus Interesse der Sicherheit der USA" von seinen Gegnern interpretiert werden. Eine Veröffentlichung wird noch monatelang genüsslich ausgeschlachtet werden. Trump ist politisch längst tot - wenn er überhaupt politisch jemals nachhaltig lebendig war. Der Nordkoreaner hat dabei geholfen ihn politisch zu Grabe getragen Die Untersuchung zum Bericht und die darauffolgenden Verhaftungen haben m. E. n. nur eins gezeigt: Den Sumpf, den Trump trocken legen wollte, hat er mit Personal trocken gelegt, die selbst mitten drin stecken und ihn tiefer graben. Trump ist die Spinne, der - Stand heute - bisher noch keine direkte Beteiligung nachgewiesen werden konnte. Immunität schützt ihn noch. Warten wir ab, was passiert, sollte er nicht mehr Präsident sein. Er wird keine Gelegenheit mehr zum Golfen haben.
mantrid 24.03.2019
3. Ein Lob an den Sonderermittler
Mein Eindruck ist, dass er sich weder vor den Karren der Trump-Gegner spannen, noch vom Regierungsapparat einschüchtern ließ, wobei der Druck von beiden Seiten gewaltig war. Jetzt sollte man abwarten, was drin steht und dann [...]
Mein Eindruck ist, dass er sich weder vor den Karren der Trump-Gegner spannen, noch vom Regierungsapparat einschüchtern ließ, wobei der Druck von beiden Seiten gewaltig war. Jetzt sollte man abwarten, was drin steht und dann bewerten. Ich fürchte nur, beide Seiten werden die Ergebnisse in ihrem Sinn zu deuten versuchen, statt eine objektive Betrachtung der ermittelten Fakten vorzunehmen. Die Republikaner werden ihren Präsidenten nicht abschießen und die Demokraten werden es gar nicht erst versuchen, weil sie die dafür notwendigen Mehrheiten nicht zusammenbekommen.
bigmitt 24.03.2019
4. Rachel Maddow .....
...von MSNBC war wirklich den Tränen nahe. Ist aber auch verständlich. Schließlich hat Sie in ihrer Show seit 2 Jahren fast ausschließlich darüber berichtet wie schlimm die Einflussnahme der Russen gewesen sei. Da fällt ein [...]
...von MSNBC war wirklich den Tränen nahe. Ist aber auch verständlich. Schließlich hat Sie in ihrer Show seit 2 Jahren fast ausschließlich darüber berichtet wie schlimm die Einflussnahme der Russen gewesen sei. Da fällt ein großes Stück Selbstverständnis weg. Kopf hoch Rachel, du bekommst 30.000 $ pro Sendung.
wiseguyno1 24.03.2019
5. (Sehr) frei nach Tom Lehrer
Ein Zyniker würde die Beschädigung der Demokratie verneinen. Im Gegenteil zeigt sich durch den derzeitigen Amtsinhaber die Radikalität der US-Demokratie: Denn die Möglichkeit, in das höchste Staatsamt gewählt werden, [...]
Zitat von ddcoedas es notwendig ist von einem Sonderermittler einen Verdacht gegen einen amtierenden Präsidenten untersuchen zu lassen, beschädigt das Amt und die gesamte Demokratie in den USA. Denn ohne begründeten Verdacht hätte es diese Ermittlungen nie gegeben.
Ein Zyniker würde die Beschädigung der Demokratie verneinen. Im Gegenteil zeigt sich durch den derzeitigen Amtsinhaber die Radikalität der US-Demokratie: Denn die Möglichkeit, in das höchste Staatsamt gewählt werden, erfolgt ja augenscheinlich nicht nur gänzlich unabhängig von Status, Herkunft oder Ethnie ... sondern auch von Moral, Intelligenz oder Fähigkeiten. ;)

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