Politik

Trotz Skandal-Video

Wer jetzt noch für Trump ist

Prominente Republikaner wenden sich von Donald Trump ab. Andere stehen trotz des frauenfeindlichen Skandal-Videos zu ihm. Bemerkenswert sind ihre Begründungen.

AP

Donald Trump

Samstag, 08.10.2016   20:25 Uhr

Um Donald Trump wird es einsam in der eigenen Partei. Zahlreiche prominente Republikaner sind am Samstag auf Distanz zu ihrem Kandidaten gegangen - oder forderten ihn gar zum Rückzug auf.

Doch auch nach den frauenfeindlichen Sprüchen des republikanischen Präsidentschaftskandidaten in einem Video halten seine treuesten Unterstützer zu ihm. Es gehe ja am 8. November nicht darum, einen neuen Lehrer an einer Sonntagsschule zu wählen, sagte Trumps früherer Wahlkampfmanager Corey Lewandowsky.

Auch seine Ehefrau, Melania Trump, hält zu ihm - wenngleich sie das Video als "inakzeptabel und anstößig" bezeichnete. Die abscheulichen Worte, die Trump in dem Video benutzt habe, "zeigen nicht den Mann, den ich kenne", sagte sie. Sie hoffe, dass "die Menschen seine Entschuldigung akzeptieren, wie ich sie akzeptiert habe".

In den US-Medien wird das Video, in dem Trump mit sexuellen Übergriffen auf Frauen prahlt, als Wendepunkt bezeichnet. Es war von einer "Bombenexplosion" die Rede, von der sich Trump möglicherweise nicht mehr erhole. Kommentator Bob Beckel sagte auf CNN: "Dieser Wahlkampf ist vorüber. Es gibt kein Rennen um die Präsidentschaft mehr."

Auch der Vorsitzende des Abgeordnetenhauses Paul Ryan zeigte sich "angeekelt von dem, was ich heute gehört habe", und sagte einen für Samstag geplanten Auftritt mit Trump kurzfristig ab. Der frühere republikanische Präsidentschaftskandidat John McCain kündigte an, bei der Wahl nicht für Trump zu stimmen.

Sogar der Kandidat für das Amt des Vizepräsidenten, Mike Pence, zeigte sich empört. "Ich billige seine Äußerungen nicht und kann sie nicht verteidigen", sagte er in einem Statement. "Als Ehemann und Vater habe ich mich durch die Worte von Donald Trump angegriffen gefühlt." Er sei dankbar, dass Trump Reue gezeigt und sich bei den US-Bürgern entschuldigt habe.

Arnold Schwarzenegger gab auf Twitter bekannt, dass er bei der Wahl am 8. November zum ersten Mal seit seiner Einbürgerung 1983 nicht für die Republikaner stimmen werde. "So stolz ich bin, mich selbst einen Republikaner zu nennen, es gibt eine Bezeichnung, die über allem steht: Amerikaner." Er wolle seine republikanischen Parteikollegen daran erinnern, dass es nicht nur annehmbar sei, das Land über die Partei zu stellen - "es ist sogar eure Pflicht", hieß es in einem Statement.

Trumps ehemaliger Konkurrent um die Präsidentschaftskandidatur, John Kasich, erklärte, er werde definitiv nicht Trump unterstützen. Das Video sei "ekelerregend" - er werde nicht für einen Kandidaten stimmen, der das Land durch sein Benehmen in so schlechtem Licht dastehen lasse.

Alle Hintergründe zu Trumps nun bekannt gewordenem Verbalausfall sowie den Wortlaut der entscheidenden Passagen lesen Sie hier. Die entsprechenden Videosequenzen sehen Sie hier:

Foto: AFP

Andere republikanische Parteioffizielle wiederum gingen zunächst auf Tauchstation. Einige würden ihre Anrufe nicht mehr beantworten, berichtet beispielsweise die Nachrichtenagentur AP, andere hätten Fernsehinterviews abgesagt, um dem Thema aus dem Weg zu gehen.

Treu zu Trump steht indes die einflussreiche Konservative Michele Bachmann. Sie nannte seine Äußerungen "bad boy talk". Sie würde nicht schwanken, Trump zu wählen. Die ehemalige Kongressabgeordnete warf der demokratischen Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton vor, das Auftauchen des Videos koordiniert zu haben, um von ihren eigenen Schwierigkeiten abzulenken.

"Business as usual"

Auch andere Unterstützer verteidigten Trump: Der Parteivorsitzende der Republikaner aus Pennsylvania, Rob Gleason, sprach von "business as usual". "Ich stimme dem, was er sagte, nicht zu", sagte er weiter. Aber Kampagnen seien voller Hochs und Tiefs.

Jack Kingston, republikanischer Abgeordneter aus Georgia, argumentierte, dass Trump sich in dem Jahrzehnt, seit das Video entstanden ist, geändert habe. "Ich glaube, vor zehn Jahren war er ein anderer Mann als heute", sagte Kingston. Er sei froh, dass Trump sich schnell entschuldigt habe.

Auch Ralph Reed, Vorsitzender der christlichen Faith and Freedom Coalition, und Tony Perkins, der dem konservativen Family Research Council vorsteht, stellten sich hinter Trump. Beide sagten, dass sie den Milliardär weiter unterstützen würden.

Damit zeigt sich einmal mehr: Stramm rechte Amerikaner stehen in jedem Fall zu Donald Trump, komme, was wolle. Schwieriger hat er es bei gemäßigt Konservativen und in der Mitte. Genau diese Stimmen könnten ihm aber am Ende fehlen, um die Wahl zu gewinnen.

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brt/AP/Reuters/dpa

insgesamt 15 Beiträge
ulrich_loose 08.10.2016
1. Skandal Video?
Mich erinnert das irgendwie verdammt an House of Cards bzw. die dort gezeigte Art, wie "Wahlkampf" geführt wird....
Mich erinnert das irgendwie verdammt an House of Cards bzw. die dort gezeigte Art, wie "Wahlkampf" geführt wird....
tom196800 08.10.2016
2. political correctness
mir ist einer lieber, der sagt was er denkt, als dieses verlogene politisch korrekte Geschwafel, das auch uns täglich aufgetischt wird um uns für dumm zu verkaufen.
mir ist einer lieber, der sagt was er denkt, als dieses verlogene politisch korrekte Geschwafel, das auch uns täglich aufgetischt wird um uns für dumm zu verkaufen.
tomrobert 08.10.2016
3. Warten wir erstmal ab!
Was da noch von Julian Assange bzw. WikiLeaks noch kommt.Da sind ja einige mächtig daran interessiert , das sich der militärische industrielle Machtblock durchsetzt. Ich persönlich hab wirklich keinen "Bock" auf [...]
Was da noch von Julian Assange bzw. WikiLeaks noch kommt.Da sind ja einige mächtig daran interessiert , das sich der militärische industrielle Machtblock durchsetzt. Ich persönlich hab wirklich keinen "Bock" auf einen militärischen Konflikt mit Russland. Deshalb würde ich als "Spiegel" mal kleinere Brötchen backen!
kasalla.kalla 08.10.2016
4. echt jetzt?
da ist die grenze? bei frauenverachtenden sprüchen, die so oder so ähnlich in jeder männerrunde weltweit jeden tag geklopft werden? der mann ist ein widerwärtiger rassist und menschenverachtender ausbeuter. da wäre bereits [...]
da ist die grenze? bei frauenverachtenden sprüchen, die so oder so ähnlich in jeder männerrunde weltweit jeden tag geklopft werden? der mann ist ein widerwärtiger rassist und menschenverachtender ausbeuter. da wäre bereits die grenze gewesen!
ralf_wirtz 08.10.2016
5. Sagen, was man denkt?
Ihnen ist aber schon klar, dass zwischen "sagen, was man denkt" und diesem niveaulosen und chauvinistischen Unrat, den Trump hier von sich gibt, ein Unterschied besteht... oder?
Zitat von tom196800mir ist einer lieber, der sagt was er denkt, als dieses verlogene politisch korrekte Geschwafel, das auch uns täglich aufgetischt wird um uns für dumm zu verkaufen.
Ihnen ist aber schon klar, dass zwischen "sagen, was man denkt" und diesem niveaulosen und chauvinistischen Unrat, den Trump hier von sich gibt, ein Unterschied besteht... oder?
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