Politik

Uno-Generaldebatte

Weltgemeinschaft fürchtet den nächsten Trump-Affront

In New York beginnt die Uno-Generaldebatte. Im Mittelpunkt: US-Präsident Trump, der dort im vergangenen Jahr mit seiner "America first"-Doktrin schockte. Diesmal könnte er sogar noch unbeherrschter auftreten.

AFP

Trump vor der Uno (2017)

Von , New York
Montag, 24.09.2018   12:16 Uhr

Der Werbespot wirkt, als ginge es um die TV-Serie "Homeland". Zu dramatisch-düsterer Musik flackern hektische Szenen über den Bildschirm: Flüchtlinge, Helikopter, rennende Soldaten. "Schauen Sie zu", ist da zu lesen, "wie Geschichte geschrieben wird."

Doch hier geht es nicht um das Schicksal der fiktiven CIA-Agentin Carrie Mathison. Das einminütige Video, produziert von der PR-Abteilung der Vereinten Nationen, wirbt vielmehr für die Uno-Generaldebatte - als sei das Gipfeltreffen von mehr als 190 Staats- und Regierungschefs, das diese Woche in New York beginnt, ein TV-Krimi.

Nicht von ungefähr. Selbst die ehrpusselige Uno weiß, dass ihre früher so dröge Jahreshauptversammlung zum globalen Quotenrenner werden könnte - dank eines Mannes, der in dem Werbespot freilich nicht vorkommt: Donald Trump. Denn egal, was sie in der Uno-Zentrale am East River sonst noch debattieren: Alle Aufmerksamkeit gilt wieder mal dem US-Präsidenten.

Am Dienstag hält Trump seine obligatorische Plenarrede, am Mittwoch leitet er zum ersten Mal eine Sitzung des Uno-Sicherheitsrats - normalerweise eine protokollarisch strikt geregelte Übung. "Was kann da schon schiefgehen?", seufzt ein Uno-Mitarbeiter.

Schon bei seinem Antrittsbesuch im vergangenen September schockierte Trump: Er brach alle Tabus und Traditionen, indem er den nordkoreanischen Diktator Kim Jong Un vom Rednerpult herab als "Rocket Man" verspottete und den herausgeputzten Uno-Gästen seine "America first"-Doktrin entgegenschmetterte.

Trumps Basis war begeistert. Der Rest der Welt weniger.

AFP

Trump bei seiner Uno-Rede 2017

Seither haben sich die Gemüter etwas beruhigt. Aber nur, weil alle resigniert wissen, was sie erwartet. Trump ist sogar noch unbeherrschter geworden und hat die USA seit jenem Uno-Auftritt 2017 weltweit isoliert. Er hat sein Versprechen erfüllt - oder seine Drohung, wie man's nimmt.

Er sabotierte die jüngsten Nato- und G7-Gipfel. Er räumte Amerikas Sitz im Uno-Menschenrechtsrat und an der Unesco, kündigte die US-Beteiligung am Pariser Klimapakt und am Atomabkommen mit Iran auf und drosselte Washingtons Uno-Beiträge. Er feuerte die letzten Internationalisten in seinem Kabinett, allen voran Außenminister Rex Tillerson, und ersetzte sie durch Hardliner wie Tillersons Nachfolger, Ex-CIA-Chef Mike Pompeo, und Sicherheitsberater John Bolton.

Gerade Bolton ist ein Affront für die Uno: Als einer der damals verhasstesten US-Botschafter bei den Vereinten Nationen erklärte er den Staatenbund schon vor 13 Jahren für obsolet.

REUTERS

Uno-Generalsekretär Guterres

Dass Amerika sich global so zurückziehe, sei gefährlich und "keine Art, die Probleme der Welt zu lösen", klagte Uno-Generalsekretär António Guterres jetzt in einem Interview mit dem Magazin "The Atlantic". Trotzdem müsse man sich mit Trump arrangieren, indem man Gemeinsamkeiten suche statt Konfrontation.

Nicht alle sehen das so. Mit seinem "engstirnigen Nationalismus" habe Trump "die globale Führungsrolle" der USA aufgegeben, kritisiert Stewart Patrick vom Council on Foreign Relations, der unter George W. Bush im Außenministerium arbeitete. Es gebe deshalb "wenig Anlass für andere Länder, sich amerikanischen Belangen anzuschließen". Trump werde diesmal auf "ein skeptischeres Publikum" treffen.

Dem stellt sich Trump zuerst an diesem Montag, 24 Stunden vor dem Auftakt der Generaldebatte: Da leitet er eine Uno-Runde zum Drogenproblem. Ebenfalls schon am Montag steht sein wichtigstes Gespräch am Rande der Vollversammlung an - mit Südkoreas Präsident Moon Jae In. Das Verhältnis der beiden ist neuerdings angespannt.

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Moon traf sich gerade erst in Pjöngjang mit dem nordkoreanischen Machthaber Kim, um die Atomverhandlungen wieder in Gang zu bekommen. Hier kollidieren Trumps Tweets sowohl mit der politischen Realität als auch mit der Diplomatie seiner eigenen Leute - und belasten nun eben auch die Beziehungen der USA zu Südkorea. Dennoch wird bereits ernsthaft ein zweiter Gipfel von Trump und Kim erwogen. Gerüchte, Kim wolle dazu diese Woche nach New York kommen, bleiben jedoch erst mal - Gerüchte.

In den Mittelpunkt seiner Rede am Dienstag wolle Trump seine eigenen "Erfolge" sowie "Amerikas Souveränität" stellen, so Uno-Botschafterin Nikki Haley. Das überrascht längst keinen mehr. Spannender wird also eher die Sicherheitsratssitzung am Mittwoch, zu der Trump erstmals an dem berühmten runden Tisch Platz nehmen wird, um die mehrstündige Debatte zu leiten, zumindest anfangs.

Diese Debatte hatte zunächst nur einen Tagesordnungspunkt: Iran. Doch EU-Diplomaten befürchteten eine Konfrontation über den Atomdeal, den sie - im Gegensatz zu Trump - weiter einhalten und damit US-Sanktionen riskieren. Deshalb soll es nun nicht mehr nur um Iran gehen, sondern allgemeiner um alle Massenvernichtungswaffen.

Trotzdem fürchten selbst Trumps Berater, dass er die Sitzung ähnlich inszeniert wie früher die pompösen Auftritte in seiner Realityshow "The Apprentice". Deren Slogan ist bis heute sein Lieblingssatz: "You're fired!"

insgesamt 45 Beiträge
Pfaffenwinkel 24.09.2018
1. Man muss sich mit Trump nicht arrangieren,
sondern ihn ignorieren. Nichtbeachtung wäre für diesen Selbstdarsteller das schlimmste, was ihm passieren kann.
sondern ihn ignorieren. Nichtbeachtung wäre für diesen Selbstdarsteller das schlimmste, was ihm passieren kann.
Björn L 24.09.2018
2. Nach unten offene Skala der Schande wird erweitert werden.
Wann immer man glaubt, die Spitze des Unerträglichen sei erreicht, schafft Trump dies noch zu toppen. Trump zwingt die Weltgemeinschaft zu neuen Allianzen. Bislang nur zögerlich, da jede Industrienation seine Us-Geschäfte im [...]
Wann immer man glaubt, die Spitze des Unerträglichen sei erreicht, schafft Trump dies noch zu toppen. Trump zwingt die Weltgemeinschaft zu neuen Allianzen. Bislang nur zögerlich, da jede Industrienation seine Us-Geschäfte im Fadenkreuz sieht. Dies hat man besonders deutlich in D nach dem Aufkündigen des Iranabkommens und den Einstandsaussagen seines Botschafters in Berlin gesehen. Siemens hat unmittelbar gekuscht, andere Konzerne verpacken dies weniger direkt. Die Idee neuer Zahlungssysteme ohne US-Kontrolle ist überfällig, wird aber bei Umsetzung den geballten Zorn Trumps erwecken. Es gibt soviele Hebel sich bei Trump zu revangieren. Deren Staatsverschuldung, Loslösung des Ölpreises von US-Dollar uvm. Sofern nicht Geschäft vor Prinzipien geht (was scheinbar wunschdenken ist) kann man die Amis grounden. Trump lässt die elidbringende Einflussspähre der Amies schwinden und das ist das einzig Positive. Sein baldiger Auftritt wird vermutlich heftiger Ausfallen. Sollte die nächste Presidentenwahl mit gleicher spurenlos manipulierbaren Gerätschaften abgewickelt werden, bleibt uns dieser noch einige Jahren erhalten. Sollte er mal nicht mehr sein, werden seine Nachfolger noch für Jahrzehnte Scherben einsammeln. Das Vertrauen ist dahin.
don_spon 24.09.2018
3. Obsolet
Warum spricht Trump eigentlich noch in der UN? Wer mit der Un nichts am Hut hat, muss doch dort nicht seinen Unfug verbreiten. Seine Mischung aus kaum erträglichem Eingenlob,Nationalismus und unverholener Kritik an Organisationen [...]
Warum spricht Trump eigentlich noch in der UN? Wer mit der Un nichts am Hut hat, muss doch dort nicht seinen Unfug verbreiten. Seine Mischung aus kaum erträglichem Eingenlob,Nationalismus und unverholener Kritik an Organisationen die als zivilisiert gelten dürfen braucht wirklich niemand. Wenn man ihm genug Zeit gibt wird er die US amerikanische Demokratie zerstören.Immerhin kommt das Ganze kaum überraschend und offenbar geht man nach dem abzusehenenden Affront einfach zur Tagseordnung über. Wenn die UN jetzt noch aus NYC wegzöge, würden viele Amis ev. jedenfalls kurz einhalten und nachdenklich werden.Reichlich Konjunktiv.Schade.
deus_ex_machina 24.09.2018
4.
Die UNO sollte ihren Sitz verlagern, vielleicht nach Den Haag, oder so. Andere Vereine halten ihre Sitzungen ja auch nicht ausgerechnet dort ab, wo man sie am meisten verachtet.
Die UNO sollte ihren Sitz verlagern, vielleicht nach Den Haag, oder so. Andere Vereine halten ihre Sitzungen ja auch nicht ausgerechnet dort ab, wo man sie am meisten verachtet.
Beat Adler 24.09.2018
5. Eine NICHTbeachtung von Trump ist schlicht unmoeglich!
Eine NICHTbeachtung von Trump ist schlicht unmoeglich! Wer immer im Weissen Haus im Oval Office residiert, wird beachtet. Das hat mit der Person Trump nichts zu tun. Er wird ersetzt werden, auf jeden Fall(!), die US [...]
Zitat von Pfaffenwinkelsondern ihn ignorieren. Nichtbeachtung wäre für diesen Selbstdarsteller das schlimmste, was ihm passieren kann.
Eine NICHTbeachtung von Trump ist schlicht unmoeglich! Wer immer im Weissen Haus im Oval Office residiert, wird beachtet. Das hat mit der Person Trump nichts zu tun. Er wird ersetzt werden, auf jeden Fall(!), die US Praesidentschaft aber bleibt. Die Beachtung auch! Trump erklaert, dass er der allerbeste Praesident aller Zeiten sein, schliesslich ist (sei) die US Volkswirtschaft EXZELLENT, Extremwachstum, keine Arbeitslosigkeit, bla, bla, bla. Warum er deswegen allerdings Strafzoelle erheben will, den Iran mit dem Ruecken zur Wand druecken will, damit das Risiko eines schnell, stark ansteigenden Erdoelpreis eingeht, durch diese beiden Massnahmen eine weltweite Rezession einleiten wird, bleibt im Dunkeln;-) mfG Beat

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